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EZB erhöht den Leitzins – Schritt mit Risiko

| 11. Juni 2026
IMAGO / ZUMA Press

Die Entscheidung ist gefallen – die europäische Notenbank hebt die Zinsen an. Was das jetzt bedeutet und warum es zeitgleich auch in den USA Streit um den Leitzins gibt.

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat ihre Leitzinsen um 0,2 Prozentpunkte angehoben. Der Zinssatz für Hauptrefinanzierungsgeschäfte liegt damit nun bei 2,40 Prozent, die Einlagefazilität bei 2,25 Prozent. Die Finanzmärkte hatten zuvor klar auf diese Entscheidung gewettet und auch in den Medien wurde stark spekuliert.

Die Entscheidung kommt – zumindest in Deutschland – nach einer mehrjährigen Phase der wirtschaftlichen Rezession. Aufgrund des aktuellen Energiepreisschocks infolge des Iran-Kriegs stieg die allgemeine Teuerungsrate in der Eurozone an, weshalb die Notenbank nun mit einer Erhöhung der Leitzinsen reagiert.

Das Dilemma der europäischen Geldpolitik

Anders als die Federal Reserve (FED), die Zentralbank der USA, ist die EZB über ihr Handlungsmandat dem Primärziel der Preisstabilität verpflichtet. Während die FED in ihrer Geldpolitik auch konjunkturelle Entwicklungen stärker berücksichtigen soll, orientiert sich die EZB primär auf die Geldstabilität und verfolgt eine Inflationsrate von 2 Prozent in der aggregierten Eurozone.

Gegenüber dem Vorjahresmonat lag die Teuerungsrate im April 2026 laut Eurostat bei 3,0 Prozent – ein Anstieg zum Vorjahreswert um einen Prozentpunkt. Im gleichen Zeitraum (April 2026) lag der Wert für Deutschland laut Statistischem Bundesamt bei 2,9 Prozent. Beide Werte liegen so deutlich über der Zielmarke.

Da die aktuellen Inflationsraten primär durch einen externen Energiepreisschock infolge des Iran-Kriegs getrieben ist, gerät die Zentralbank in ein Dilemma. Gegen Preissprünge außerhalb der Eurozone kann die EZB mit Zinspolitik wenig ausrichten. Höchstens infolge des Schocks entstehende Preis-Lohn-Spiralen könnte die Notenbank so brechen.

Die entstehende Stagflation, also steigende Preise bei einer stagnierenden Wirtschaft, erzeugt eine Zwickmühle. Erhöht die Zentralbank aufgrund steigender Preise ihre Zinssätze, bremst sie die Binnennachfrage in der Eurozone weiter aus. Dies ist angesichts der gegenwärtigen Rezession und mangelnder Auslandsnachfrage kontraproduktiv, wenngleich für neue Investitionen neben den Preisen besonders die Absatzerwartungen eine Rolle spielen.

Wie der MAKROSKOP-Konjunkturbericht zeigt, senken unterschiedliche Institutionen ihre Konjunkturprognosen für die Eurozone und Deutschland drastisch. Besonders auch die für den „Exportweltmeister“ Deutschland zentralen Ausfuhren brachen im ersten Quartal spürbar ein. Das schlägt sich auch auf dem Arbeitsmarkt nieder. In Deutschland stieg die Arbeitslosigkeit in den 42 der vergangenen 48 Monate weiter an – auf eine aktuelle Quote von 6,3 Prozent im Mai.

Zinserhöhungen vor den US-Midterms?

Einen Streit um die Zinspolitik der Zentralbank spielt sich auch in den Vereinigten Staaten ab. US-Präsident Donald Trump hatte sich jüngst erneut gegen eine Zinserhöhung der FED ausgesprochen und für sinkende Zinssätze plädiert. Trump erhöhte somit den Druck auf den neueingesetzten Notenbankchef Kevin Warsh.

Warsh gilt als Verfechter einer restriktiven Geldpolitik, was die Spekulation um Zinserhöhungen mit antreibt. Das zeigt sich auch auf den Anleihenmärkten und resultiert in steigenden Renditen kurzlaufender US-Staatsanleihen. Während die Inflationsrate in den USA zu Beginn des Jahres noch bei 2,4 Prozent lag, schnellte sie mit dem von Trump angezettelten Krieg im Iran auf 3,8 Prozent im April.

Donald Trump steht besonders vor den im Herbst anstehenden Zwischenwahlen politisch unter Druck. Sollte – zusätzlich zum externen Preisschock – durch zukünftige Zinserhöhungen ein Einbruch der Produktion inklusive steigender Arbeitslosigkeit folgen, könnte das einen weiteren Schlag für Trumps mit dem Krieg sinkende Beliebtheitswerte bedeuten.

Nachdem die Wachstumsraten der Produktion in den USA im zweiten und dritten Quartal des Vorjahres (vor dem Government-Shutdown) bei 3,8 beziehungsweise 4,4 Prozent lagen, blieben die Kennwerte in den folgenden Quartalen bei 0,5 sowie 1,6 Prozent. Auch wenn die USA im Vergleich zu Deutschland wirtschaftlich weniger exponiert sind, dämpft der Iran-Krieg zukünftige Konjunkturprognosen. Die Arbeitslosigkeit zeigt bisher keine neuen Ausschläge (4,3 Prozent im Mai 2026).