Makroskop
Große Ökonomen

Von Kiel bis ins Weiße Haus: Das fast vergessene Wirken des Proto-Keynesianers Gerhard Colm

| 14. Juli 2026
Gerhard Colm

Aus Deutschland vertrieben, in Amerika hochgeachtet. Debatten über Brüning, den New Deal, die Währungsreform oder den Employment Act – Gerhard Colm hatte maßgeblichen Einfluss. Seine Beiträge würden auch den heutigen Diskurs bereichern.

Die Debatte um die Reform der Schuldenbremse scheint festgefahren. Ein Ökonom, der sie mit frischen Impulsen aufmischen könnte, ist Gerhard Colm – würde er denn noch leben.

Heute ist sein Name selbst unter Ökonomen nur einer kleinen Gruppe an Wirtschaftshistorikern geläufig, dabei sind wir mit den Ergebnissen seiner Arbeit alle in Kontakt gekommen.

Der gebürtige Hannoveraner leitete ab 1930 die Abteilung für Statistische Weltwirtschaftskunde und internationale Konjunkturforschung (Astwik) des Instituts für Weltwirtschaft (IfW) in Kiel. Während der Großen Depression war Colm ein vehementer Befürworter einer aktiven Konjunkturpolitik und von Beschäftigungsprogrammen. Er und seine Mitstreiter konnten sich jedoch in der Politik kaum Gehör verschaffen.

1933 wegen seines politischen Engagements und seiner jüdischen Abstammung von den Nationalsozialisten aus Deutschland vertrieben, siedelte Colm in die USA über und wurde Professor an der New School in New York. Während des Zweiten Weltkriegs arbeitete er für das Budget Büro des Weißen Hauses und zählte nach dessen Ende zu den Gründungsmitgliedern des Council of Economic Advisors (CEA), dem Sachverständigenrat des US-Präsidenten. Dem Employment Act von 1946 stand er als einflussreicher Berater zur Seite. Zugleich wurde Colm in seine ehemalige Heimat entsandt, wo er mit dem Colm-Dodge-Goldsmith-Plan (CDG-Plan) die Blaupause für die deutsche Währungsreform und die Einführung der D-Mark im Juni 1948 legte.

Colm bewertet die Nachhaltigkeit der Staatsfinanzen, indem er auf die gesamtwirtschaftlichen Auswirkungen der Ausgaben und ihren Einfluss auf die wirtschaftliche Entwicklung blickt. Für ihn war klar: Eine sinnvolle Fiskalregel sollte sich nicht an einem ausgeglichenen Haushalt, sondern an einer ausgeglichenen Wirtschaft orientieren. Damit unterscheidet er sich von dem Mainstream der heutigen Ökonomenzunft.

Ein neues Paradigma der Finanzpolitik

Schon in seiner Habilitationsschrift Eine Volkswirtschaftliche Theorie der Staatsausgaben ließ er durchblicken, dass er eine andere Ontologie des Staates und seiner Beziehung zur Wirtschaft vertrat als seine Kollegen:

„Im Gegensatz hierzu soll versucht werden, den Staat als Träger eines eigenen Wirtschaftssystems darzustellen. Es wird hier die besonders von anglo-amerikanischen und skandinavischen Finanzwissenschaftlern vertretene Meinung abgelehnt, daß die Staatswirtschaft, soweit sie wirtschaftlich ist, der marktwirtschaftlichen Gesetzlichkeit unterliegen müsse.“

Diese Einstellung trug er aus seiner Zeit am IfW in Kiel bis ins Weiße Haus:

„Es ist am besten anzuerkennen, dass der Staat eine soziale Organisation mit einzigartigem Charakter ist und dass der Staatshaushalt weder mit dem Haushaltsplan einer Familie noch mit der Gewinn- und Verlustrechnung eines Unternehmens verglichen werden kann. Letzten Endes muss der Staatshaushalt als ein Instrument der staatlichen Politik betrachtet werden. Aus dem Blickwinkel der Gesamtwirtschaft lautet die zentrale Frage, ob der Staat zu einem ausgewogenen Wirtschaftswachstum beiträgt, was eine anhaltende Vollbeschäftigung sowie die Vermeidung von Inflation und Deflation bedeutet.“ (The Need for Further Budget Reform 1955)

Der damals dominanten Sicht – in Kiel etwa von Fritz Karl Mann vertreten –, nach der Staatsausgaben einen Kaufkraftentzug der Privatwirtschaft darstellten, widersprach Colm entschieden:

„Staatliche Dienstleistungen oder Unterstützungszahlungen, die durch ‚zusätzliche Kreditaufnahme‘ finanziert werden, schaffen Einkommen statt sie zu ‚verbrauchen‘ oder zu ‚übertragen‘.“ (Public Revenue and Expenditure in National Income 1937)

In den USA beteiligte er sich an der Debatte um das Functional Finance (FF) von Abba Lerner. Lerner belegte seinen früheren Lehrstuhl an der New School und teilte Colms Ansichten über die finanziellen Grenzen des Staates:

"Der traditionelle Grund dafür, den Staatshaushalt als Einheit zu betrachten, welcher Staatsausgaben und Staatseinnahmen umfasst, war der Glaube, dass Steuern den primären Zweck haben, das Geld bereitzustellen, welches zur Bezahlung der Ausgaben benötigt wird und dass dem Steueraufkommen beim Beschließen eines realisierbaren Ausgabenprogramms eine besondere Bedeutung zukommt. Für eine souveräne Regierung mit Zugang zu Zentralbankkredit jedoch, beschränkt das Steueraufkommen nicht die Menge an Geld, welches die Regierung ausgeben kann, wenn sie sich dazu entscheidet." (Why Public Finance 1948)

Was die Rolle von Steuern betrifft, kam Colm zu Schlüssen, die man heute der Modern Monetary Theory (MMT) zurechnen würde:

"Die uralte Art, Menschen die Kosten staatlicher Programme in Erinnerung zu rufen, ist es, ihnen zu erzählen, dass sie Steuern zahlen müssen, um Programme zu finanzieren. Rufe nach zusätzlichen Programmen werden beschwichtigt, wenn im öffentlichen Bewusstsein ein Zusammenhang zwischen Steuern und Ausgabenprogrammen besteht oder wenn Gruppen, die zusätzliche Programme fordern, solche gegenüberstehen, die die Steuerlast minimieren wollen.“ (The Need for Further Budget Reform 1955)

Reale Opportunitätskosten als Maßstab fiskalischer Nachhaltigkeit

Sein Maßstab für fiskalische Nachhaltigkeit lässt sich mit dem Begriff „reale Opportunitätskosten“ vielleicht am besten fassen:

„Ausgaben, welche soziale und politische Zwecke erreichen sollen (in engerer Definition), unterliegen weniger rechnerischen Maßstäben. Vielmehr besteht die Hauptaufgabe darin, die ökonomischen und sozialen Kosten darzustellen. Diese Kosten liegen dabei in den alternativen Verwendungsmöglichkeiten dieser Ressourcen." (Why Public Finance 1948)

Ressourcen brach liegen zu lassen, ist nach dieser realen Opportunitätskostenlogik wenig sinnvoll, umso mehr gilt es die Wirtschaft auszulasten.

Als Daumenregel für Staatsausgaben gilt bei Colm: treffen sie auf einen bereits ausgelasteten Markt und erhöhen mit hoher Wahrscheinlichkeit Preise? Oder aber fließen sie in einem unterausgelasteten Bereich, wo sie die Produktion ausweiten können?

Nach der realen Opportunitätskostenlogik muss auch abgewogen werden, ob die Ressourcen in der Privat- oder Staatswirtschaft besser aufgehoben sind:

„Wirtschaftlich gesehen werden die Kosten staatlicher Programme durch die produktiven Ressourcen gemessen, die vom privaten Sektor in den öffentlichen Sektor transferiert werden. Im Falle einer Unterauslastung der Wirtschaft – wenn sonst ungenutzte Ressourcen zur Verfügung stehen – können die ökonomischen Kosten der staatlichen Programme kleiner sein als die Dollarzahlen im Budget." (The Need for Further Budget Reform 1955)

Colms Kritik an Functional Finance

Lerners Vorstellung eines Economic Steering Wheels, nach der eine fiskalpolitische Steuerung der Gesamtnachfrage reichen würde, um Vollbeschäftigung und Preisstabilität herzustellen, war für ihn jedoch zu unterkomplex. Insbesondere in Phasen hoher Kapazitätsauslastung müssten nachfragestimulierende Staatsausgaben durch angebotsseitige Maßnahmen ergänzt werden, um Produktionsengpässe ("Bottlenecks") und inflationäre Spannungen zu verhindern.

Ähnlich wie später Hyman Minsky und die MMT sah er Beschäftigungsprogramme als optimalen Weg – sowohl, um die Nachfrageseite als auch die Angebotsseite langfristig und zielgerichtet zu stabilisieren.

Der Ökonom Matias Vernengo schrieb zu Colms Verhältnis zum Keynesianismus: [1]

„Dementsprechend war Colm ein Befürworter von Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen während des New Deals. Im Gegensatz zu den Verfechtern der hydraulischen Defizitfinanzierung (‚pump-primings‘) vertrat er jedoch die Ansicht, dass ‚[s]olche Programme nicht nur für eine kurze Zeit während einer Depression, sondern für einen Zeitraum von Jahrzehnten geplant werden müssen. Sie würden bedeuten, dass die dynamischen Kräfte, die der Kapitalismus aus der privaten Initiative zieht, teilweise auf die staatliche Planung umgelenkt werden. Ein Teil des Kapitals der Nation würde somit durch öffentliche Aktivität gelenkt‘ […]. Aufgrund seiner ‚unorthodoxen‘ Ansichten wurde Colm sowohl als Keynesianer als auch als Institutionalist beschrieben.“

Die Große Depression

Die Große Depression wurde von vielen marktliberalen Ökonomen zunächst begrüßt, da sie sich einen natürlichen und notwendigen Reinigungseffekt erhofften, wenn ineffiziente Unternehmen scheiterten.

Colm wandte sich gegen diese Vorstellung und unterstütze 1931 auf der berühmten (Geheim)Konferenz der Friedrich List Gesellschaft den Lautenbach-Plan und die Einrichtung großer Beschäftigungsprogramme.

Dort gelang es ihm, Hans Luther – den ehemaligen Reichskanzler und damaligen Reichsbankpräsidenten – zu überzeugen, dass die Depression keinen „kapitalistischen Sinn“ erfülle.

Denn es gingen nicht nur ineffiziente Unternehmen bankrott, sondern die gesamte Wirtschaft schrumpfte und die Wertschöpfung sank kontinuierlich. Man wagte keine neuen Unternehmungen in der Konjunkturkrise, da sich alle Akteure von der übergreifenden Unsicherheit leiten ließen und ihre Ausgaben zurückfuhren, sodass niemand mit neuen Einkommen rechnen konnte. Die Regierung von Reichskanzler Heinrich Brüning ließ sich allerdings nicht von ihrer prozyklischen Kürzungspolitik abringen, die den Abschwung immer weiter befeuerte.

Booms und Busts, Konjunkturkrisen und Kreditexplosionen sowie starke Schwankungen des Preisniveaus und der Beschäftigung sah Colm nicht als förderlich für die Marktwirtschaft an. Statt größere Freiheit zu ermöglichen, zerschliss die staatliche Gewährung solcher Entwicklungen Kapital. Die dadurch ausgelöste Not der Bevölkerung bildete den Nährboden für autoritäre Regime.

Eine antifaschistische Wirtschaftspolitik nach Colm

Zusammen mit Kollegen seiner Kieler Abteilung wirkte Colm an den Woytinsky-Tarnow-Baade-Plan (WTB-Plan) des Allgemeinen Gewerkschaftsbundes (ADGB) mit. Als der SPD-Reichstagsabgeordnete Otto Wels 1932 die Gewerkschaftsökonomen zu einer Debatte vor der SPD-Fraktion vorlud, um die Spaltung zwischen Partei und Gewerkschaft in dieser Frage zu überwinden, wählte der Leiter der statistischen Abteilung des ADGB – Wladimir Woytinsky – Colm zum Redner, um mit ihm eine aktive Konjunkturpolitik zu verteidigen. Ihnen gegenüber stand der ehemalige Finanzminister Rudolf Hilferding. Er verkündete:

„Colm und Woytinsky stellen die eigentlichen Grundlagen unseres Programms in Frage, die Marxsche Arbeitswertlehre. Unser Programm beruht auf der Überzeugung, dass Arbeit, und zwar ausschließlich Arbeit, Wert schafft. Preise weichen unter dem Einfluss des Zusammenspiels von Angebot und Nachfrage von den Arbeitswerten ab. Depressionen resultieren aus der Anarchie des kapitalistischen Systems. Entweder sie gehen zu Ende, oder sie müssen zum Zusammenbruch dieses Systems führen. Wenn Colm und Woytinsky glauben, sie könnten eine Depression durch öffentliche Arbeiten abmildern, zeigen sie damit lediglich, dass sie keine Marxisten sind.“

Die Fraktion ließ sich nicht davon überzeugen, dass sich mit einem fiskalischen Stimulus und direkter Arbeitsbeschaffung die Depression überwinden ließe. Der Bruch zwischen Partei und Gewerkschaft war damit perfekt. Zwar kam es unter den Regierungen Papen und Schleicher zu ersten Beschäftigungsprogrammen, es war jedoch zu spät: „An dem Tag, an dem die Mittel für die Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen – auch auf gewerkschaftlichen Druck hin – auf 500 Mio. RM aufgestockt wurden, trat die Regierung Schleicher zurück; zwei Tage darauf wurde Hitler zum Reichskanzler ernannt.“[2]

Im amerikanischen Exil resümierte Colm über den Niedergang der Weimarer Republik:

„Eine staatliche Politik, die Beschäftigungsmöglichkeiten fördert, ist die wirksamste Verteidigung der Werte und Institutionen der Demokratie. Dass der Preis für dieses Ziel nicht zu hoch ist, kann von niemandem so eindringlich bezeugt werden wie von jenen, die diktatorischen Regimen entkommen sind.“ (Is Economic Security Worth the Cost 1939)

Von der Wirksamkeit einer zinspolitischen Steuerung der Gesamtwirtschaft durch die Zentralbank zeigte sich Colm wenig überzeugt. Die Fiskalpolitik hingegen stand für ihn im Zentrum dessen, was man rückblickend als antifaschistische Wirtschaftspolitik bezeichnen könnte:

„Dem Arsenal der Demokratie wurde eine neue Waffe hinzugefügt: die Fiskalpolitik. (…) Die Fiskalpolitik beeinflusst das allgemeine Niveau der wirtschaftlichen Transaktionen und Beschäftigungsmöglichkeiten, ohne die Grundprinzipien des freien Unternehmertums, der freien Berufswahl und der Konsumfreiheit anzutasten. Sie kann dazu eingesetzt werden, einen Boom zu dämpfen und einen schwachen Markt anzukurbeln (Technical Requirements for Effective Fiscal Policy 1945).“

Colm machte die Austeritätspolitik auch für den zunächst ungünstigen Kriegsverlauf aus Sicht der Alliierten verantwortlich:

„Vielleicht ist es nützlich, nicht zu vergessen, dass Hitlers anfänglicher Erfolg in Europa in den dreißiger Jahren durch eine ‚konservative‘ Finanzphilosophie der demokratischen Länder Westeuropas stark begünstigt wurde. Eine angemessene Vorbereitung der Verteidigung wurde in diesen Ländern durch die Angst vor Haushaltsdefiziten – während der Weltwirtschaftskrise – direkt behindert. Die eigenen Kriegsvorbereitungen der Nationalsozialisten wurden nicht ernst genug genommen, weil den führenden Staatsmännern der demokratischen Länder von Finanzexperten gesagt wurde, dass die unsoliden Methoden der NS-Finanzierung unweigerlich zu einem baldigen Zusammenbruch führen müssten.“ (Fiscal Policy and the Federal Budget 1953)

Recht auf Arbeit

1939 reflektierte Colm seine Weimarer Zeit in Is Economic Security Worth the Cost und stellte die Frage, ob der Staat mit Beschäftigungsprogrammen ein einklagbares Recht auf Arbeit schaffen sollte:

„Stimmt es, dass – Verfassungsrechtlern unbemerkt – der Liste, der in der Verfassung verankerten, unveräußerlichen Rechte eine Ergänzung hinzugefügt wurde? Ich meine das Recht, seinen Lebensunterhalt durch eigene Arbeit zu verdienen."

Diesen Gedanken griff Präsident Franklin D. Roosevelt auf, als er einen zweite Economic Bill of Rights mit ökonomischen Rechten – darunter ein Recht auf Arbeit – vorschlug, die die erste Bill of Rights mit Bürgerrechten ergänzen sollte.

Colm war hinter den Kulissen federführend an der Erstellung eines Wirtschaftsprogramms beteiligt, das als Full Employment Bill in den Kongress eingebracht wurde. Dieses hätte die Regierung dazu angehalten, aufzeigen, wie sie Vollbeschäftigung und Preisstabilität zu erreichen gedenkt. Nachbesserungen im Haushaltsplan beim Verfehlen dieser Ziele wären ebenfalls inbegriffen gewesen.

Doch dazu kam es nicht. Nach dem unzeitgemäßen Ableben Roosevelts und erheblichen Widerstand des Kongresses wurde das Gesetz stark verwässert als Employment Act verabschiedet. Das Ziel war nun nicht mehr „full“ sondern „maximum employment“.

Ein Trostpreis dürfte es für enttäuschte Fürsprecher gewesen sein, dass das Recht auf Arbeit 1948 in Artikel 23 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte aufgenommen wurde. Zudem konnte Colm über den vom Employment Act gegründeten Council of Economic Advisors (CEA) Einfluss auf Präsident Truman ausüben.

Erinnerung an Colm

1952, während der McCarthy-Ära, drängte die „Red Scare” Colm aus dem CEA. Danach wurde er Chefökonom eines Think Tanks in Washington D.C., für den er bis zu seinem Tod arbeitete. Im Nachkriegsdeutschland war er trotz seiner Verdienste um die Währungsreform vielen Kollegen wegen seiner Auswanderung suspekt.

Der ordoliberale Ökonom Walter Eucken ließ in einem Briefwechsel mit Alexander Rüstow über Colm aus: Er hätte sich von Deutschland distanziert und sei seinem Vaterland mittlerweile sogar feindlich gesinnt. Brüning, der die Kürzungspolitik in der Großen Depression zu verantworten hatte, warf Colm gar vor, den Morgenthau-Plan zu unterstützen.

Später kam es zu einer gewissen Annäherung. 1960 erhielt Colm für seine Mitwirkung an der Währungsreform das Bundesverdienstkreuz, 1964 wurde er der erste Preisträger des Bernhard-Harms-Preis vom IfW – heute einem der renommiertesten Wirtschaftspreise. In einem Zeitzeichen-Podcast des NDR vom Dezember 2023 wertete der Historiker Gunnar Take diese Auszeichnung als Selbstbeweihräucherung eines Instituts, das versuche, seine braune Vergangenheit und seine Unterstützung der NS-Kriegswirtschaft zu kaschieren.

2024, einige Monate nach dem Erscheinen der Folge, wurde ein Besprechungsraum am Institut nach ihm benannt.

Seine wissenschaftlichen Leistungen sind heute weitgehend in Vergessenheit geraten. Neben seiner historischen Rolle wurden jüngst auch seine wirtschaftlichen Beiträge und seine Analyse zur Rolle des Staates von manchen wiederentdeckt.[3]

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[1] Fiorito, Luca & Vernengo, Matías. (2011). Gerhard Colm on John Maurice Clark's Economics of Planning Public Works. Research in the History of Economic Thought and Methodology. 29 Part 1. An 83-93. 10.1108/S0743-4154(2011)000029A009.
[2] Schneider, M. (1983), Gewerkschaften und Wirtschaftskrise. Ein Streifzug durch die ‚Gewerkschafts-Zeitung‘, in Anhang zu: D. Dowe (Hrsg.) (1983), Gewerkschafts-Zeitung. Organ des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbunds. Jahrgänge 1929-1933, J. H. W. Dietz.
[3]Etwa in diesem Paper des Institut for Innovation and Public Purpose (IIPP) am University College London.