Makroskop
Grafik im Fokus

NIP statt BIP: Wachstum auf Verschleiß

| 14. Juli 2026

Schon das Bruttoinlandsprodukt zeichnet das Bild einer stagnierenden Wirtschaft. Das Nettoinlandsprodukt macht deutlich, dass die Lage noch schlechter ist.

Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) kennt jeder - das Nettoinlandsprodukt (NIP) ist weit weniger prominent, obwohl es wesentlich aussagekräftiger ist.

Das BIP gilt als Maßstab für den wirtschaftlichen Erfolg eines Landes. Es hat jedoch einen entscheidenden blinden Fleck: Es unterscheidet nicht zwischen neu geschaffenem Wohlstand und Investitionen, die lediglich den bestehenden Kapitalstock erhalten.

Genau hier setzt das Nettoinlandsprodukt an. Es ergibt sich, indem vom BIP die gesamtwirtschaftlichen Abschreibungen abgezogen werden – also der Wertverlust von Maschinen, Gebäuden, Fahrzeugen oder Infrastruktur durch Alterung und Verschleiß.

Unsere Grafik zeigt, dass dieser Unterschied in Deutschland seit einigen Jahren immer größer wird. Während das reale BIP seit 2017 weiter zulegte, entwickelte sich das Nettoinlandsprodukt deutlich schwächer. Der Grund: Die Abschreibungen stiegen schneller als die Wirtschaftsleistung. Ihr Anteil im Verhältnis zum BIP erhöhte sich von 17,5 Prozent Anfang 2017 auf 20,5 Prozent Ende 2025.

Seit 1991 wuchs das reale BIP um knapp 49 Prozent, das Nettoinlandsprodukt dagegen nur um rund 40 Prozent. Pro Kopf fällt der Abstand noch deutlicher aus.

Das Nettoinlandsprodukt teilt zwar viele Schwächen des BIP als Wohlstandsmaß, beantwortet aber eine wichtige Zusatzfrage: Wie viel neue Wertschöpfung bleibt übrig, nachdem der Verschleiß der Volkswirtschaft ersetzt wurde?

Die Grafik legt nahe, dass ein wachsender Teil der deutschen Wirtschaftsleistung in den vergangenen Jahren nicht der Schaffung zusätzlichen Wohlstands diente, sondern vor allem dem Erhalt des bestehenden Kapitalstocks. Anders formuliert: Ein Teil des gemessenen Wachstums war letztlich Wachstum auf Verschleiß.