Der based.-Podcast: Raus aus der eigenen Blase?
Der Podcast based. verspricht das Aufbrechen von Filterblasen. Doch das Gastgeber-Duo hat mit einem generellen Problem des Journalismus zu hadern: Wohlfühljournalismus mit Gästen aus dem eigenen Milieu ersetzt die Konfrontation mit Widersprüchen.
Was heißt eigentlich based? Wörtlich übersetzt bedeutet das Adjektiv so viel wie „basiert“, „beruht“ oder „gestützt“. Es hat aber auch eine andere Wortbedeutung und -Abstammung.
Ursprünglich – in den 1980er und 1990er-Jahren – war es ein abwertendes Wort für Crack-Abhängige (baseheads), schreibt das Green's dictionary of Slang. Der US-Rapper Lil B – der in Kalifornien der 90er-Jahre aufwuchs, wo das Wort als Schimpfwort für Menschen genutzt wurde, die sich aufgrund von Drogenkonsum dumm oder merkwürdig verhielten – deutete es um. Auch er bekam Abwertung zu spüren und wollte dem Begriff daher eine neue, positive Bedeutung geben.
Das Medium für Jugendkultur Complex Networks zitiert Lil B hierzu wie folgt:
„‚Based‘ bedeutet, man selbst zu sein. Keine Angst davor zu haben, was andere über einen denken. Keine Angst davor zu haben, das zu tun, was man tun will. Positiv zu sein. Als ich jünger war, war ‚based‘ ein negativer Begriff, der so viel bedeutete wie ‚Drogensüchtiger‘ oder ‚Base-Süchtiger‘. Die Leute haben sich über mich lustig gemacht. Sie sagten: ‚Du bist based.‘ Sie benutzten es als Schimpfwort. Und ich habe dieses negative Wort in etwas Positives verwandelt. Ich fing an, es anzunehmen, so nach dem Motto: ‚Ja, ich bin based.‘ Ich habe es mir zu eigen gemacht. Ich habe es mir in den Kopf eingebrannt. Based ist positiv." (Übersetzung des Autors)
Der Rapper spiritualisiert also "based" und formte es zu einem Schlagwort für authentische Unangepasstheit – dafür, man selbst zu sein, ohne sich darum zu scheren, was andere denken.
Im Laufe der 2010er-Jahre kaperte und politisierte die digitale Rechte (unter anderem auf Plattformen wie 4chan) das Wort. Hier adelte based vor allem jene, die den progressiven, linksliberalen Meinungskorridor einreißen und reaktionäre oder provokante Thesen verteidigen.
Im heutigen Social-Media-Mainstream auf TikTok oder Instagram ist das Wort wieder näher an Lil Bs Konnotation. Es ist weitestgehend zu einem allgemeineren Ausdruck von Zustimmung geschrumpft – quasi das neue „cool“.
Die Hosts und Gründer Benjamin Scherp und Dominik Steffens knüpfen in ihrem Podcast-Intro an eine ganz spezifische, gereinigte Variante dieses Begriffs an. In der Definition der beiden „Digital Natives“ sind Personen based, wenn sie eine „fundierte Meinung haben, die sie auch bei Gegenwind verteidigen können.“ (Podcast-Intro) Von diesen Menschen – egal aus welcher Richtung – könne man etwas lernen, schreiben sie auf ihrer Website. Mehr noch: Sie wollen mit „Neugier und Respekt“, auf deren Basis sie ihre Gäste auswählen, zurück zu den „Grundwerten des Journalismus“ (ebenfalls Podcast-Intro).
Das ist ein interessantes Journalismusverständnis: Scherp und Steffens geht es nicht darum, "herauszukitzeln", ob es denn stimmt, dass die Personen ihre Meinung auch verteidigen können – ob sie sachlich begründet ist, sich auf eine evidenzbasierte Analyse stützt. Die beiden Jungjournalisten überspringen einfach diesen herausfordernden Part.
Denn bei der Vorauswahl der potenziellen Interviewpartner achten sie bereits darauf, dass die Interviewten den Ansprüchen genügen. "Neugier und Respekt" ersetzen das Nachbohren, Einordnen und Verwickeln in innere Widersprüche. Wenn du bei based. sitzt, weißt du: Du kannst dich entspannen, denn du gehörst schon zu der privilegierten Gruppe mit "fundierten Meinungen".
Scherp und Steffens wollen bei der Auswahl ihrer Interviewpartner keinen Unterschied machen, um die Filterblasen der politischen Richtungen zu "durchbrechen" (Podcast-Intro). Beim Kaffeekränzchen der "starken Meinungen" ist also jede politische Richtung gleich viel Wert.
Bei so viel liberaldemokratischer Offenherzigkeit ist ein diverses Publikum zu erwarten. Doch ungeachtet des PR-Sprechs der beiden Podcaster fällt schnell auf, dass die Interviewpartner vor allem aus dem kulturkonservativen und rechtsliberalen Spektrum oder aus den Reihen transatlantischer und "ideologiekritischer" Akteure stammen. In den Videos, die maximal ein Jahr zurückliegen, finden sich viele bekannte Personen aus den beiden Lagern:
Zur ersten Gruppe zählen Köpfe wie der rechtslibertäre Springer-Journalist Ulf Poschardt, der bürgerlich-konservative Kolumnist Harald Martenstein und der Ex-BILD-Chefredakteur Kai Diekmann. Die Riege reicht bis zu Julian Reichelt, ebenfalls ehemaliger BILD-Chefredakteur, der heute mit seinem Portal NIUS einen stark rechtskonservativen Kurs verfolgt.
Bei den selbsternannten „Ideologiekritikern“ oder „Antiautoritären“ versammelt sich inzwischen ein politisches Milieu, das sich stark über Westbindung, Israel-Solidarität und eine harte sicherheits- und außenpolitische Linie definiert. Zu den prägenden Stimmen gehören etwa Michael Roth (SPD), Nicholas Potter (ab Juli Springer-Premium-Gruppe) oder der inzwischen als Co-Host auftretende taz-Journalist Jan Feddersen.
Viele dieser Podcastgäste – insbesondere aus der ersten Kategorie – scheuen nicht davor, mit provokanten Aussagen gegenüber dem woken, linksliberalen Milieu anzuecken. Bei den Gästen nähern sich die Hosts also der Konnotation von "based" bei der digitalen Rechten an, während sie doch eine eher inklusive Verwendung des Begriffes – mehr in Richtung von Lil B oder dem Internet-Mainstream – propagieren. Praxis schlägt Theorie.
Woher kommt so viel Konformität bei den Gästen trotz der postulierten Diversität? Wenn man nett ist, unterstellt man den beiden Podcastern, dass sie auch andere Milieus angefragt haben. An Auswahl fehlt es nicht: Es gibt genug Personen aus dem grünen, postliberalen, sozialdemokratischen, gewerkschaftsnahen, friedensbewegten, intersektionalen, queer-feministischen oder dem palästinasolidarischen, bis hin zum linksradikalen Milieu mit starken Meinungen, die man anfragen kann. Die Liste wäre noch weiterzuführen. Haben diese "milieufremden" Personen alle abgesagt?
Unweigerlich haben die based.-Podcaster hier einen schwierigeren "Feldzugang", schaut man in ihre Lebensläufe: Scherp volontiert an der "Axel Springer Academy" und schreibt für Bild und Welt. Neben der Autorenschaft für verschiedene Regionalzeitungen publiziert Steffens ebenfalls in Springer-Medien, namentlich "Welt" und "Business Insider".
Haben sich Scherp und Steffens etwa bei der Auswahl der Podcast-Gäste mehr an einigen Punkten aus der "Unternehmungsverfassung" des europäischen Medienriesens orientiert als an den eigens postulierten liberaldemokratischen Grundsätzen? Hier findet sich zumindest das "Existenzrechts des Staates Israel" (und zu keinem Staat sonst), das "transatlantische Bündnis" oder die "Prinzipien der freien Marktwirtschaft".
Wenn die Hosts diese Kernwerte als leitende Prämisse für „fundierte Meinungen“ voraussetzen, müssen sie beim Abbilden des versprochenen breiten Spektrums von vornherein scheitern. Denn im Falle Israels wird im Hause Springer fundierte Kritik an der israelischen Kriegsführung im Gazastreifen oder im Libanon schnell als ideologischer „Israelhass“ geframt.
Beim Transatlantizismus und der freien Marktwirtschaft verhält es sich noch fundamentaler: Wer den Vorrang freier Märkte und die bedingungslose Westbindung sakrosankt stellt, schließt nicht nur das gesamte linke Spektrum, die genau diese Säulen infrage stellt, von vornherein aus. Die Springer-DNA wirkt hier als ideologischer Türsteher, der die versprochene Bandreite an Weltanschauungen zu ersticken droht.
Unabhängig davon, wie sehr hier die Springer-Verfassung als Leitbild dienen mag, haben die beiden Hosts unbestreitbare Vorteile bei der Gastsuche über den "kurzen Geschäftsweg". Der Kontakt von Springer-Newcomern zu Springer-Größen ersetzt dann die aufwändigere Suche nach Interviewpartnern außerhalb der eigenen "Bubble", aus der die Hosts doch angeblich so gerne ausbrechen möchten.
Ein Wohlfühl-Interview bringt Reichweite, Klicks und Wohlwollen in der eigenen Blase. Damit illustriert der Fall based. ein grundsätzliches Problem vieler moderner Medienformate. Wenn „Neugier“ und „Respekt“ vor allem bedeuten, Gesprächspartner aus der eigenen Blase mit wohlwollenden Anschlussfragen und argumentativen Steilvorlagen zu begleiten, gerät die kritische Prüfung von Widersprüchen und Schwächen in den Hintergrund.
Für mehr Integrität müssten Scherp und Steffens eine Entscheidung treffen: Entweder sie gehen mehr in Reibung mit milieufremden, linken oder progressiven Positionen und lösen ihr Versprechen ein – oder sie verabschieden sich vom Anspruch von prinzipieller Offenheit.