Wie man einen Krieg finanziert – und warum Geld nicht das Problem ist
Geld ist kein Problem, Rohstoffe schon: Warum die USA Kriege unbegrenzt finanzieren können – aber an Chinas Kontrolle über seltene Erden scheitern könnten.
Donald Trump fragte kürzlich, warum Amerika nicht für die Bewachung der Straße von Hormuz entlohnt wird: „These are the richest countries in the world. Why aren't we being reimbursed?"
Es ist eine seltsame Frage von einem Mann, der gleichzeitig plant, 1,5 Billionen Dollar für Verteidigung auszugeben – Geld, das er aus dem Nichts schöpfen kann. Aber bevor wir dazu kommen: Die eigentlich interessante Frage ist nicht, ob Amerika sich einen Krieg leisten kann. Die Antwort lautet schlicht ja. Die interessante Frage ist, ob es die nötigen Rohstoffe dafür bekommt. Und da wird es heikel.
Zu Beginn dieses Haushaltsjahres hatte Trump eine Billion US-Dollar für Verteidigung eingeplant. Das entspricht einer Steigerung von rund 14 Prozent – begleitet von Kürzungen der diskretionären „non-defense“ Staatsausgaben um 22 Prozent. In anderen Worten: Welfare runter, Weapons hoch.
Es ist das erste Mal in der Geschichte der Vereinigten Staaten, dass die Verteidigungsausgaben die Billionengrenze überschreiten. Doch inzwischen – mit den eskalierenden Spannungen rund um den Iran – wird erwartet, dass dieser Betrag auf 1,5 Billionen Dollar ansteigt. Gleichzeitig will Trump die Steuersenkungen von 2017 dauerhaft festschreiben – was die Staatseinnahmen über das nächste Jahrzehnt um weitere Billionen reduziert. Die Staatsverschuldung liegt bereits bei rund 125 Prozent des BIP. Und trotzdem: Das ist kein Problem. Zumindest nicht auf die Art, wie die Defizit-Falken es gerne darstellen.
Wie Staaten Geld wirklich schaffen
Für ein Land, das seine eigene Währung herausgibt, ist Geld nie das Problem – und vielleicht wird die aktuelle Debatte um 1,5 Billionen Dollar für Verteidigung endlich auch die letzten Defizit-Falken zum Nachdenken bringen. Die Frage „Woher kommt das Geld?" stellt sich technisch schlicht nicht: Entweder verabschiedet der Kongress ein Gesetz, oder Trump greift – wie gewohnt – zur Exekutivorder. In beiden Fällen wird das Geld unmittelbar nach der Autorisierung vom Finanzministerium als Buchungseintrag erschaffen.
Elon Musk hat im Zuge seiner DOGE-Initiative vierzehn sogenannte „Magic Money Computers" entdeckt – es sind wahrscheinlich mehr. Aber das Prinzip stimmt: Die bloße Entscheidung, Geld auszugeben, erschafft das Geld. So wurde der Zweite Weltkrieg finanziert – von den Amerikanern ebenso wie von den Deutschen.
Gleichzeitig emittiert der Staat Anleihen in Höhe des neu geschaffenen Geldes. Das ist allerdings kein Finanzierungsinstrument, sondern das buchhalterische Gegenstück im doppelten Buchhaltungssystem: Wenn der Staat mehr ausgibt als er durch Steuern einnimmt, landen die Mittel als Reserven in den Bilanzen der Banken – und Reserven sind genau die Gegenbuchung zu den neu entstandenen Einlagen.
An dieser Stelle begegnet mir stets derselbe Einwand aus dem ökonomischen Mainstream: „Wenn der Staat mehr Anleihen ausgibt, steigen die Renditen auf dem Sekundärmarkt – und Banken weigern sich, auf dem Primärmarkt 2,5 Prozent zu akzeptieren, wenn der Sekundärmarkt 4 Prozent bietet."
Also noch einmal, in aller Deutlichkeit: Der Sekundärmarkt finanziert keine Staatsausgaben – er kann allenfalls als Referenz für das Zinsniveau von Neuemissionen dienen. Auf dem Primärmarkt haben die sogenannten Primary Dealer zwar keine Wahl, ob sie bieten – sie sind dazu verpflichtet –, wohl aber, zu welchem Preis. Und genau das ist der Punkt, den der Mainstream verkennt: Die eigentliche Dynamik liegt woanders, nämlich in der Struktur der doppelten Buchführung.
Wenn die Regierung ein Defizit ausgibt, fließen Gelder in die Reservekonten der Banken bei der Zentralbank. Genau diese Reserven – die durch die Staatsausgaben erst erschaffen werden – stehen den Banken zur Verfügung, um Staatsanleihen auf dem Primärmarkt zu kaufen. Dank Quantitative Easing sind diese Reserven derzeit ohnehin gigantisch. Die Bankreserve ist damit der buchhalterische Ausgleichsposten der Staatsausgaben – analog zur privaten Geldschöpfung, wo die Verbindlichkeit des Kreditnehmers die durch den Kredit entstandene Einlage spiegelt.
Solange Staatsanleihen mehr Rendite abwerfen als das Halten von Reserven, haben Banken einen klaren Anreiz, sie zu kaufen. Das Verhältnis zwischen Reserveverzinsung und Anleiherenditen ist dabei kein naturgegebenes Gesetz, sondern eine geldpolitische Entscheidung der Zentralbank – und damit letztlich eine staatliche. Den Zinssatz setzt am Ende nicht der Markt, sondern die Regierung.
Wer wirklich profitiert
Das frisch geschaffene Geld landet nicht irgendwo abstrakt in der Wirtschaft. Es landet ganz konkret auf den Konten von Lockheed Martin, RTX Corporation, Northrop Grumman, General Dynamics und Boeing. Die Zahlen sprechen für sich: Seit Jahresbeginn ist der Kurs von Lockheed Martin – Hersteller des F-35 – um 40 Prozent gestiegen. RTX, bekannt für Tomahawk-Raketen und Patriot-Systeme, legte um 81 Prozent zu. Northrop Grumman (Tarnkappenbomber) stieg um 61 Prozent, General Dynamics (Panzer und Atom-U-Boote) um 38 Prozent. Amerika verdient gerade prächtig am Krieg.
Was viele nicht verstehen: Militärausgaben und Sozialausgaben werden auf exakt dieselbe Weise finanziert – durch staatliche Geldschöpfung. Der Unterschied liegt nicht in der Mechanik, sondern in der politischen Akzeptanz. Bombs werden nie mit der Frage begleitet, wer dafür aufkommt. Benefits hingegen schon. Das ist keine ökonomische Logik, das ist Ideologie.
Und es hat Konsequenzen: Ein steigender Militärhaushalt führt politisch fast zwangsläufig zu Kürzungen beim Sozialstaat, weil die Defizit-Falken zwar beim Militär schweigen, aber beim Rest des Haushalts lautstark auf Sparsamkeit bestehen. Wer arm ist, trägt die Last. Wer Aktien von Lockheed Martin hält, profitiert.
Das System hat dabei längst den Charakter von „Corporate Welfare" angenommen. Amerika hat die beste Demokratie, die man kaufen kann – und ein erheblicher Teil des Kaufpreises wird von der Rüstungsindustrie bezahlt. Die Kongressabgeordneten aus Seattle wurden früher als „Members for Boeing" bezeichnet. Demokraten wie Republikaner kassieren gleichermaßen. Es ist, wie George Galloway es nennt: zwei Backen desselben Hinterns. Das Militär wird so weniger zum Instrument der Kriegsführung als zur staatlich subventionierten Wohlfahrt für Rüstungskonzerne – und der F-35 hat, nebenbei bemerkt, mehr Buchstaben im Namen als Standbeine in der Praxis.
Die eigentliche Achillesferse: Seltene Erden
Und hier kommt der Teil, der mich wirklich beschäftigt – weit mehr als jede Diskussion über Bond-Renditen oder Haushaltsdefizite.
Moderne Waffensysteme lassen sich ohne seltene Erden nicht herstellen. Diese Mineralien sind zwar geologisch weltweit verbreitet – „selten" bedeutet, dass sie nie in hoher Konzentration vorkommen und deshalb aufwendig aus anderen Materialien herausgelöst werden müssen. Das ist ein chemisch und energetisch extrem intensiver Prozess. Und rund 90 Prozent der weltweiten Raffination findet in China statt.
Wie konnte das passieren? Ganz einfach: amerikanische Konzerne sind jahrzehntelang dem Prinzip der niedrigsten Produktionskosten gefolgt. China war bereit, billiger zu produzieren, also überließ man ihnen die Aufgabe. Was man dabei übersah – oder ignorierte – war, dass China diese Industrie längst als strategisch betrachtet. Ein Land mit sozialistischen Grundlagen und staatlichen Langzeitzielen hat sichergestellt, dass es die Raffineriekapazität besitzt. Amerikanische Konzerne, angetrieben von Quartalsergebnissen, haben das dem günstigeren Anbieter überlassen.
Jetzt, da Trump Krieg führen will und Waffen in bisher ungeahnten Mengen benötigt, stellt sich heraus: Die USA können das Geld per Federstrich erschaffen, aber sie können China nicht zwingen, ihnen die Rohstoffe zu verkaufen. Peking kann schlicht sagen: „Sorry, wir liefern nicht mehr." Und das wäre das Ende von Trumps Rüstungseskalation – nicht der Haushalt, nicht die Bondmärkte, sondern ein chinesischer Exportstop für Neodym und Dysprosium.
Der Iran, interessanterweise, hat dieses Problem nicht in gleichem Maße – er kauft seine seltenen Erden über seine Partnerschaft mit China und zahlt dafür mit Öl. Eine stille Tauschökonomie, die Washington den Schlaf rauben sollte.
Was uns der Iran und die Ukraine lehren
Der Iran hat seine Rüstungsausgaben in den vergangenen Jahren verdreifacht. Seine wichtigste Finanzierungsquelle sind Ölverkäufe an China, die durchschnittlich rund 85 Milliarden Dollar jährlich einbringen – ein Bruchteil des amerikanischen Verteidigungsbudgets, das allein in diesem Jahr auf 1,5 Billionen Dollar zusteuert. Ein gesetzlich festgelegter Anteil aller Öleinnahmen fließt direkt in den Verteidigungshaushalt.
Doch der eigentliche Vorteil Teherans liegt nicht im Geld, sondern in der Eigenproduktion. Der Iran hat über 40 Jahre – unter amerikanischem Druck, Sanktionen und wiederholten militärischen Angriffen – eine eigene Rüstungsindustrie aufgebaut, deren Umfang weder die CIA noch irgendein westlicher Geheimdienst wirklich kennt. Was wir wissen: Der Iran produziert in erheblichem Umfang eigene Drohnen. Und das wissen wir nicht nur aus Berichten – das wissen wir, weil das amerikanische Militär erbeutete iranische Drohnen reengineert und nachgebaut hat. Das ist das unfreiwilligste Kompliment, das man einem Feind machen kann.
Ähnliches ist in der Ukraine zu beobachten. Auch dort hat der Krieg – die existenzielle Not – eine heimische Drohnenproduktion entstehen lassen, die vor einigen Jahren niemand für möglich gehalten hätte. Es gibt eine strukturelle Logik dahinter: Wer ums Überleben kämpft, innoviert schneller als ein aufgeblähter Rüstungskonzern, der seinen Aktionären Gewinnmargen präsentieren muss. Der Innovationsdruck des Underdogs ist real.
Das Lehrstück aus den Weltkriegen
Geschichte ist hier erhellend. Im Ersten Weltkrieg gaben die USA Kriegsanleihen aus. Kaum jemand weiß, dass selbst Charlie Chaplin – einer der prominentesten Werbeträger für diese Anleihen – wusste, dass sie nicht primär der Kriegsfinanzierung dienten. Sie sollten privates Kapital absorbieren und so verhindern, dass überschüssige Kaufkraft die Inflation anheizt. Das Ergebnis war trotzdem desaströs: Die Regierung führte keine Preiskontrollen ein, und die Inflation explodierte.
Im Zweiten Weltkrieg war das anders. Die Bürokraten, die den Ersten Weltkrieg erlebt hatten und nun in Senior-ositionen saßen – in einer Zeit, in der Regierungsbeamte noch 20 oder 30 Jahre im Dienst blieben und institutionelles Gedächtnis pflegten –, zogen ihre Lehren. Sie führten Preis- und Lohnkontrollen ein. Sie überzeugten die Industrie, Gewinnmargen zu begrenzen, und die Gewerkschaften, auf Lohnforderungen zu verzichten. Unorthodoxe Ökonomen wie John Kenneth Galbraith spielten dabei eine zentrale Rolle.
Das Ergebnis: Die Geldschöpfung im Zweiten Weltkrieg war doppelt so hoch wie im Ersten – die Inflation aber nur halb so groß. Das zeigt zweierlei: Erstens, dass Geld kein Engpass ist – es wird einfach geschaffen. Zweitens, dass die eigentliche Herausforderung darin besteht, inflationäre Effekte zu kontrollieren, was durch Angebotssteuerung und Margenbegrenzung gelingt, nicht durch Sparpolitik.
Großbritannien hingegen lernte die harte Lektion: Die Staatsverschuldung stieg von 650 Millionen Pfund im Jahr 1914 auf 7,4 Milliarden Pfund im Jahr 1919. Die Kriegsanleihen von 1917 – mit fünf Prozent Rendite, später zu einer ewigen Anleihe mit reduzierten Zinsen umgewandelt – wurden erst 2015 vollständig getilgt. Im Zweiten Weltkrieg war es noch schlimmer: Großbritannien verfügte nicht über die nötigen Produktionskapazitäten und Maschinenwerkzeuge, musste in Amerika einkaufen und sich dort in US-Dollar verschulden. Britische Pfund konnte London selbst schöpfen – amerikanische Dollars nicht. Deshalb musste man echte Schulden aufnehmen. Diese wurden erst 2006 vollständig zurückgezahlt.
Eine traurige Schlussfolgerung
Das eigentliche Fazit ist nicht ökonomisch, sondern politisch und physisch: Ein Staat mit souveräner Währung und vollständiger heimischer Rüstungsproduktion kann Krieg führen, solange er will. Geld ist nie der Engpass. Physische Ressourcen sind der Engpass.
Für die USA ist dieser Engpass die Abhängigkeit von chinesischen Seltenen Erden. Wenn Trump per Exekutivorder 1,5 Billionen Dollar freigibt und dann Lockheed Martin meldet, man könne keine F-35 mehr bauen, weil China die Komponenten nicht liefert – ich gestehe: Ich bin gespannt, wie diese Reaktion aussehen wird. Es wird nicht schön sein.
Und dahinter steckt die eigentliche Frage, die sich die Welt stellen sollte: All diese Ressourcen – Rohstoffe, Kapital, menschliche Arbeitskraft, Ingenieurstalent – werden in Waffen gesteckt, die Leben vernichten. Dieselben Ressourcen könnten Armut bekämpfen, Krankheiten heilen, den Klimawandel adressieren. China hat in den vergangenen Jahrzehnten Hunderte Millionen Menschen aus der Armut gehoben, weil es seine Ressourcen in Produktivkapazität investiert hat. Amerika hat Armut exportiert – und importiert.
Die erste Kriegskasualität ist die Wahrheit, heißt es. Das war vor Social Media. Heute, im Zeitalter von KI-generierten Kriegsvideos, die selbst ein George Galloway nicht mehr vom echten Material unterscheiden kann, ist die Wahrheit nicht mehr nur eine Casualty – sie ist eine Dauerpatientin auf der Intensivstation. Wir werden die Wirklichkeit dieses Krieges erst kennen, wenn er vorbei ist. Und was Netanyahus jüngste Drohungen angeht – die Aussicht auf ein nukleares Ende dieses Konflikts –, da bleibt mir nur ein düsterer Gedanke: Always look on the brighter side of death.