Makroskop
Niedergang der SPD

Zahl der Woche

| 24. März 2026

25,9 Prozent: So wenig Zustimmung erhielt die SPD bei einer Landtagswahl in Rheinland-Pfalz noch nie. Über Jahrzehnte galt das Bundesland als eine ihrer verlässlichsten Hochburgen. Seit den 1990er-Jahren stellte sie fast durchgehend den Ministerpräsidenten, zeitweise mit Ergebnissen deutlich über 40 Prozent. Nun fiel sie auf einen historischen Tiefstand.

Das Ergebnis verdeutlicht ein strukturelles Problem der Sozialdemokratie. Ihr klassisches soziokulturelles Milieu – Industriearbeiter, gewerkschaftlich geprägte Beschäftigte und Teile der unteren Mittelschicht – hat sich in den vergangenen Jahrzehnten zunehmend aufgelöst. Mit der Deindustrialisierung, dem Rückgang gewerkschaftlicher Bindungen und einer stärkeren gesellschaftlichen Fragmentierung sind auch die stabilen Wählerbindungen der SPD erodiert.

Besonders deutlich zeigt sich dies bei Arbeitern. In dieser früheren Kernklientel verliert die SPD seit Jahren an Zustimmung, während die AfD dort deutlich stärker wird und der SPD den Rang als "Arbeiterpartei" abgelaufen hat. Der Parteienforscher Franz Walter attestierte der SPD schon vor Jahren eine Entwicklung hin zu einer „Partei der akademischen Mittelschichten“.

Der historische Tiefstand in Rheinland-Pfalz ist deshalb nicht nur eine regionale Schwächephase. Er ist eine weitere Episode der langfristigen Erosion der sozialen und kulturellen Fundamente, auf denen die SPD über Jahrzehnte ihre Stärke aufgebaut hatte.