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Vom Ölpreis bis zum Acker: Wie der Iran-Konflikt auch Dünger und Lebensmittel verteuert

| 25. März 2026
IMAGO / blickwinkel

Der Irankrieg durchdringt die Wertschöpfungskette und lässt die Preise in die Höhe klettern. Nur ein schneller und längerer Frieden könnte der drohenden Inflation Einhalt gebieten.

Kaum ein Thema beschäftigt derzeit die Öffentlichkeit so sehr wie die stark gestiegenen Preise an der Tankstelle. Doch die Preissprünge betreffen längst nicht nur Kraftstoffe und den Rohstoff Rohöl.

Die Knappheit bei Öl und Gas wirkt sich auch auf andere Märkte aus. Besonders deutlich zeigt sich das bei Düngemitteln und Agrarprodukten, deren Preise eng mit den Entwicklungen auf den Energiemärkten verknüpft sind.

Der Iran und die angrenzenden Golfstaaten zählen zu den wichtigen Produzenten von Harnstoff und Ammoniak – zentralen Düngemitteln für die Landwirtschaft. Dass der Persische Golf eine Schlüsselrolle in der globalen Düngemittelproduktion spielt, liegt im Gasreichtum der Region. Erdgas ist nicht nur eine wichtige Energiequelle im Herstellungsprozess, sondern zugleich ein zentraler Rohstoff. Es macht den größten Teil der Produktionskosten bei der Herstellung von Düngemitteln aus.

Besonders stark betroffen von den Preissteigerungen ist unter den gängigen Düngemitteln der zu Granulat oder Pellets verarbeitete Harnstoff. Sein Preis liegt derzeit bei rund 694 Euro pro Tonne – etwa 25 Prozent höher als noch im Vormonat, berichtet das Fachportal agrar heute.

Doch nicht nur die Herstellung, sondern auch der Transport wird teurer. Aufgrund der blockierten Straße von Hormus müssen Schiffe das Kap der Guten Hoffnung umrunden, was die Fahrzeit um 10 bis 14 Tage verlängert und die Treibstoffkosten massiv erhöht. Eine kritische Entwicklung, da ein Drittel des weltweiten Düngermittelhandels davon betroffen sind.

Düngerintensive Kulturen wie Mais sind von den Preissprüngen besonders betroffen. Steigt der Düngepreis schneller als der erwartete Verkaufspreis, stehen Landwirte vor einem Dilemma: Entweder sie reduzieren die Anbaufläche und wechseln zu Soja, das weniger Dünger braucht. Oder sie düngen unterhalb des Betriebsoptimums. Es besteht die Gefahr, dass es 2026/27 zu einem globalen Ertrags-Defizit kommt, sollte die Düngerkrise bis zur Aussaat im Mai nicht gelöst sein.

Zwar ernten die Bauern das Getreide erst in Monaten, die erwarteten Defizite preisen die Terminmärkte, wo zukünftige Kaufoptionen gehandelt werden (Futures), aber bereits heute ein. Bei Mais-Futures gab es zwischen dem 21. Januar und dem 26. März einen Preissprung von 10 Prozent. Der Preis von Weizen stieg im gleichen Zeitraum um 17,2 Prozent, hat sich seit seinem Peak am 3. März aber wieder leicht erholt. 

Das Fachmagazin top agrar führt die zuletzt sinkenden Preise zum einen auf günstige Fundamentaldaten zurück. „Das Angebot an Weizen aus der alten Ernte ist weltweit groß und drückt auf die Preise“, heißt es dort.

Zum anderen wirken geopolitische Signale dämpfend auf die Märkte. Berichte über mögliche Verhandlungen im Nahen Osten haben den Ölpreis sinken lassen – und damit indirekt auch den Druck auf andere Rohstoffpreise verringert.

Noch vor kurzem war allerdings unklar, ob es überhaupt zu Gesprächen zwischen Iran und den USA kommen würde. Der pakistanische Außenminister Ishaq Dar bestätigte auf der Plattform X zwar Verhandlungen, eine Vermittlerrolle Pakistans sowie einen angeblichen 15-Punkte-Plan aus Washington.

Aus Teheran folgte darauf jedoch eine spöttische Reaktion. Ein iranischer Militärsprecher kommentierte mit Blick auf US-Präsident Donald Trump: „Hat das Ausmaß ihrer inneren Konflikte den Punkt erreicht, dass sie mit sich selbst verhandeln?“

Der US-Plan stößt im Iran auf deutliche Ablehnung. Er sieht unter anderem die Stilllegung zentraler Anlagen des Atomprogramms, den Stopp der Urananreicherung, die Produktion ballistischer Raketen sowie die Wiederöffnung der Straße von Hormus im Austausch für eine Lockerung der Sanktionen vor. Angesichts der stark gegensätzlichen Positionen bleibt mit anhaltenden Spannungen zu rechnen.

Um die schlimmsten Preissprünge abzufedern, hat die Bundesregierung am 25. März ein Gesetz verabschiedet, das spekulative Gewinne stärker begrenzen soll. Tankstellen dürfen demnach die Preise nur noch einmal täglich um 12 Uhr anpassen – nach österreichischem Vorbild.

Risiken bleiben jedoch bestehen: Tankstellen könnten die intendierte Preisdämpfung umgehen, indem sie die Tagespreise bereits zu diesem Zeitpunkt antizipierend erhöhen. Die tägliche „Preisschaukel“ könnte so weiter bestehen bleiben.

Deshalb hat das Bundeskartellamt nun erweiterten Handlungsspielraum: Ölkonzerne müssen Preiserhöhungen künftig vorab plausibel begründen, und das Amt kann schneller gegen marktbeherrschende Unternehmen vorgehen, wenn Anzeichen für überhöhte Preise vorliegen. Ob das Kartellamt seine neuen Befugnisse allerdings konsequent nutzt, bleibt offen – in der Vergangenheit, etwa während der Energiekrise im Ukrainekrieg, blieb es auffallend still.

Bei realwirtschaftlichen Engpässen ist das Amt ohnehin machtlos. Entspannung im Nahen Osten wäre der einzige Weg, um die Preisrisiken langfristig zu senken. Deutschland verfügt als Israels zweitwichtigster Waffenexporteur und transatlantische Drehscheibe für militärische Logistik über Einflussmöglichkeiten, wie man sie in dieser Krise nutzen könnte.

Ob die Bundesregierung diese Hebel einsetzt, bleibt fraglich. Außenpolitisch gibt es Spannungen: Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier bezeichnete zuletzt den israelisch-US-amerikanischen Krieg als „völkerrechtswidrig“, während Bundesminister Friedrich Merz in Washington den Schulterschluss mit Trump sucht.