Iran-Krieg: Katar verliert eine zentrale LNG-Quelle
Der Iran-Krieg trifft den globalen Gasmarkt: Nach Angriffen auf Katars LNG-Zentren steht rund ein Fünftel der weltweiten Exportkapazität still. Preissprünge bei Gas und Öl könnten nur der Anfang einer tiefgreifenden Verschiebung der Energiemärkte sein.
Die Journalistin Julianne Geiger beobachtet seit vielen Jahren die globalen Energiemärkte für die Plattform oilprice.com. Aus ihrer Sicht wird die Einstellung der LNG-Produktion in Ras Laffan und Mesaieed (Katar) infolge iranischer Drohnenangriffe die globalen Energiemärkte grundlegend verändern.
Am 2. März stoppte QatarEnergy die LNG-Produktion nach Drohnenangriffen auf Ras Laffan und Mesaieed. Die Stilllegung des Herzstücks der LNG-Infrastruktur infolge eines geopolitischen Konflikts entfernt rund ein Fünftel der globalen LNG-Exportkapazität direkt vom Markt. Das stellt eine bislang beispiellose Versorgungsstörung dar – mit langfristigen Folgen und potenziellen Folgeschäden.
Die Bedeutung Katars für den globalen Gasmarkt
Katar ist kein gewöhnlicher LNG-Lieferant. Es ist die Quelle für den Großteil der globalen Gasströme außerhalb Russlands. Im Jahr 2025 exportierte QatarEnergy nahezu 81 Millionen Tonnen LNG, das meiste davon nach Asien (China, Japan, Indien, Südkorea) und auch Europa, das über Langfristverträge ebenfalls stark verbunden ist.
Ein Großteil der Infrastruktur befindet sich in Ras Laffan, dem weltgrößten LNG-Exportkomplex, der Gas aus dem North Field verarbeitet – einem Gasfeld, das Katar mit dem Iran teilt. Seit den frühen 2010er-Jahren hat Katar den globalen LNG-Markt dominiert und damit die Preis- und Versorgungslandschaft maßgeblich beeinflusst.
Der aktuelle Ausfall ist deshalb kein bloßer Produktionsausfall; er trifft eine fundamentale Säule des LNG-Handels.
Die Reaktion der Märkte
Die unmittelbare Reaktion an den Märkten war heftig: Europäische Großhandelspreise für Gas kletterten um mehr als 50 Prozent, die größte Einzel-Tages-Bewegung seit der kriegsbedingten Volatilität von 2022. Aber es stiegen nicht nur die LNG-Preise.
Auch die Ölpreise schossen nach oben. Brent-Öl legte schon kurz nach Ankündigung der Stilllegung um acht Prozent zu. Dabei gingen die Händler von einem breiteren Energie-Versorgungsengpass aus, insbesondere den Risiken der Sperrung der Straße von Hormus für Rohölströme. Europa mit seinem niedrigen Gasspeicherstand ist besonders verwundbar.
Die Preissprünge zeigen, wie eng der globale LNG-Handel verknüpft ist. Der Schock verschärft die Konkurrenz um verfügbare Frachten, da Käufer in direktem Wettbewerb um Ersatzmengen stehen. Das führt zu höheren Gaspreisen, und diese werden letztlich in Stromkosten, industrielle Produktion und Inflationskennzahlen derjenigen Volkswirtschaften einfließen, die – wie die europäischen – große Gasimporteure sind.
Das Umfeld
Nicht nur Katar ist vom Iran-Krieg betroffen. Auch Israel hat vorübergehend Teile seiner Offshore-Assets stillgelegt, um Sicherheitsrisiken zu managen. Damit wurde die Versorgung von Ägypten
Saudi-Arabien stoppte den Betrieb der Ras Tanura-Raffinerie. Hinzu kommt eine größere Krise rund um die Straße von Hormus, durch die etwa 20 Prozent des weltweit genutzten Öls und ein Großteil von Katars Ölexporten transportiert wird. Sinkende Verkehrsströme und Staus an Häfen treiben die Kosten weiter nach oben.
Wird ein Teil des Systems durch geopolitische Maßnahmen belastet, beeinflusst das die verwandten Engpässe. Das lässt sich in Echtzeit in Preisbewegungen bei Gas, Öl, Schifffahrtmärkten und sogar Wertpapieren und Volatilitätsindizes an globalen Börsen ablesen.
Langfristige Perspektiven
Die unmittelbaren Folgen der Schließungen sind Preisspitzen, zunehmende Konkurrenz um Frachten und wachsende wirtschaftliche Risiken für energieimportierende Volkswirtschaften. Doch wird dieser Spuk bald vorüber sein? Kaum.
Der Konflikt destabilisiert weiterhin die maritime Sicherheit in der gesamten Golfregion, ein Ende ist nicht absehbar. Entsprechend sind lange Zeiträume für Schadensbewertung und Reparaturen zu erwarten. Auf Märkten, die bereits durch Russland-bedingte Nachfrageverschiebungen aus dem Gleichgewicht geraten sind, steigen damit die strukturellen Risiken weiter.
Katar befand sich auf dem Weg, seine Kapazitäten bis 2030 drastisch auszubauen und nahezu zu verdoppeln. Selbst eine vorübergehende Unterbrechung dieses Wachstumspfads verändert jedoch die Kalkulationen für die künftige globale LNG-Bilanz.
Dieser Krieg wird dazu führen, dass nun eine geopolitische Risikoprämie weit stärker in der LNG-Preisbildung verankert wird, als es nach der Ukraine-Krise der Fall war. Dass ein großer Exporteur durch militärische Gewalt offline genommen wurde, und die Käufer nichts dagegen tun konnten, wiegt stärker als jeder Einzelpreis.
Länder, die stark auf LNG angewiesen sind, müssen politische Absicherungen prüfen (strategische Reserven, alternative Lieferallianzen) oder die heimische Produktion beschleunigen sowie auf alternative Energien setzen. Nichts davon lässt sich über Nacht umsetzen. Aber es wird die Gasmärkte über Jahre hinweg neu gestalten.
Langfristig sind daher erhebliche strukturelle Folgen zu erwarten: neu konfigurierte Handelsströme, geopolitische Risikoprämien in Vertragsklauseln, veränderte Anlagestrategien und ein erneuter Druck zur Diversifizierung der Lieferquellen.
Die Märkte werden sich an diesen Moment erinnern. Nicht nur daran, wie hoch die Preise steigen, sondern daran, wie zerbrechlich globale Gassysteme sein können.