Rettet die Vielfalt!
Ein Plädoyer für mehr Eigensinn und Gemeinsinn zugleich.
In Augsburg gibt es die Fuggerei. Das ist eine der ältesten Sozialsiedlungen der Welt. Jakob Fugger, der Reiche, ließ diese Siedlung 1521 bauen. In 140 Wohnungen wohnen auch heute noch bedürftige Augsburger. Sie zahlen nur 88 Eurocent im Jahr pro qm Miete. Dafür müssen sie drei Mal am Tag zum katholischen Gott beten. Das kann man für eine gute Sache halten.
Die Touristen dürfen eine mittelalterlich eingerichtete Wohnung begutachten und werden in einem Museum über dies und das aufgeklärt. Das Museum lässt uns wissen, dass es damals eine „Vielfalt der städtischen Gesellschaft“ gab. Die „diversity in civic society“ zeige sich in einer Einwohnerschaft, die „Bettler, Tagelöhner, Bedienstete und Handwerker ebenso wie Kaufleute, Handelsherren, Gelehrte, Kirchenleute und Patrizier“ umfasse. Die Ständegesellschaft wird dem modernen Zeitgenossen als „diversity“ verkauft. Die soziale Immobilität und Ungleichheit des Mittelalters verschwinden in historisch nicht informierten Marketingphrasen, die nur eins zeigen wollen: Wir sind zeitgeistig, und der Zeitgeist war schon immer divers.
[...]Nichts schreibt sich von allein!
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