Makroskop
Deutsche Industrie

Zahl der Woche

| 04. Februar 2026

Die deutsche Industrie meldet zum Jahresende einen deutlichen Zuwachs bei den Auftragseingängen. Im Dezember 2025 stieg das Neugeschäft gegenüber dem Vormonat um 7,8 Prozent. Damit verzeichnete die Industrie bereits den vierten Anstieg in Folge. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes handelt es sich um den stärksten Zuwachs seit Dezember 2023.

Der Befund kam für viele Beobachter überraschend. Von Reuters befragte Ökonomen hatten mit einem Rückgang von 2,2 Prozent gerechnet. Die positive Entwicklung relativiert sich jedoch, sobald Großaufträge ausgeklammert werden. In diesem Fall verbleibt lediglich ein Zuwachs von 0,9 Prozent. Bereits im November war der kräftige Anstieg maßgeblich durch umfangreiche Einzelbestellungen, unter anderem aus dem Rüstungsbereich, getragen worden.

Die aktuellen Zahlen deuten daher weniger auf eine breit angelegte Erholung der Industrie hin als auf eine fortgesetzte Abhängigkeit von einzelnen Großprojekten aus der Rüstungsindustrie und staatlich geprägten Nachfrageimpulsen. Die starke Volatilität der Auftragseingänge bleibt bestehen. Von einer stabilen konjunkturellen Dynamik kann bislang kaum gesprochen werden.

Zugleich zeigt der Dreimonatsvergleich ein deutlich günstigeres Bild. Im vierten Quartal lagen die Auftragseingänge um 9,5 Prozent über dem Niveau der drei Vormonate. Dies spricht dafür, dass sich die Industrienachfrage zumindest temporär belebt hat. Ob daraus eine nachhaltige Trendwende entsteht, bleibt jedoch offen.

Die optimistische Interpretation einzelner Marktbeobachter, die bereits von einem „Auftragsboom“ sprechen, erscheint vor diesem Hintergrund verfrüht. Entscheidend wird sein, ob sich die Nachfrage in den kommenden Monaten verbreitert und verstetigt oder ob die jüngsten Zuwächse erneut vor allem durch wenige Großaufträge getragen werden.