Makroskop
Iran

Massenproteste, Massaker und die wankende Macht der Mullahs

| 14. Januar 2026
Ein Demonstrant blockiert allein den Weg für Sicherheitskräfte in Teheran

Was im Iran geschieht, ist kein gewöhnlicher Aufstand. Eine säkularisierte Gesellschaft trifft auf ein erschöpftes und abgewirtschaftetes theokratisches System – mit ungewissem Ausgang.

Teheran, Anfang 2026. Der Iran erlebt keine gewöhnliche Protestwelle. Seit Wochen entlädt sich auf den Straßen des Landes eine kumulative Krise, in der ökonomische Depression, kulturelle Entfremdung, religiöse Delegitimation und geopolitische Eskalation ineinandergreifen. Die Bilder brennender Barrikaden, massiver Militärpräsenz und abgeschalteter Kommunikationsnetze markieren keinen kurzfristigen Ausnahmezustand, sondern möglicherweise einen historischen Kipppunkt.

Nach Angaben verschiedener Menschenrechtsorganisationen und medizinischer Netzwerke, die trotz staatlicher Abschottung Informationen zusammentragen, liegt die Zahl der Todesopfer infolge gezielter Liquidierungen und Hinrichtungen durch Sicherheitskräfte je nach Quelle zwischen mehreren Tausend und bis zu rund 12.000 – Stand 15. Januar. Zehntausende gelten als verletzt oder inhaftiert. Selbst konservative Schätzungen übersteigen die Opferzahlen früherer Protestzyklen wie 2009, 2017, 2019 und 2022 deutlich. Der Staat reagiert nicht mehr auf lokale Unruhen, sondern auf einen landesweiten Aufstand, der sich von Teheran über Isfahan, Shiraz und Mashhad bis Trabiz erstreckte und sämtliche wirtschaftlich wichtigen, urbanisierten Regionen sowie Universitätsstädte umfasste.

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