{"componentChunkName":"component---src-templates-article-tsx","path":"/zeit-jeder-sollte-seinen-wohlstand-nach-gusto-verdienen-nur-eine-analyse-nach-gusto-geht-nicht/","result":{"data":{"allDatoCmsArticle":{"edges":[{"node":{"id":"DatoCmsArticle-9474632-de","slug":"zeit-jeder-sollte-seinen-wohlstand-nach-gusto-verdienen-nur-eine-analyse-nach-gusto-geht-nicht","articleType":"Normal","visibility":"Geschlossen","deactivateAudio":null,"authors":[{"id":"DatoCmsAuthor-5697487-de","slug":"heiner-flassbeck","name":"Heiner Flassbeck","description":"<p><strong>Heiner Flassbeck </strong>ist Mitbegr&uuml;nder von MAKROSKOP.<span> Er war Honorarprofessor an der Universit&auml;t Hamburg, Chef-Volkswirt der UNCTAD und Staatssekret&auml;r im BMF. Seine Hauptarbeitsgebiete sind die Globalisierung, die Theorie der wirtschaftlichen Entwicklung sowie Geld- und W&auml;hrungstheorie.</span></p>","shortDescription":"<p><strong>Heiner Flassbeck </strong>ist Mitbegr&uuml;nder von MAKROSKOP.<span> Er war Honorarprofessor an der Universit&auml;t Hamburg, Chef-Volkswirt der UNCTAD und Staatssekret&auml;r im BMF. 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Nie wurde besser gezeigt, wie vollkommen unverstanden die Europäische Währungsunion ist. Eigentlich ist der promovierte Ökonom Heuser, der ein Buch über Verhaltensökonomie geschrieben hat, nicht allzu weit weg von der Lösung, um dann zu zeigen, wie unendlich weit der Weg doch noch ist, wenn man die Makroökonomie ausblendet. Auf der ersten Seite der ZEIT vom 13. Juni schreibt er:</p>\n<p>„Das Wachstum von morgen entsteht durch die Arbeit von heute. Und damit Europa der Euro-Krise entrinnt, müssen die Krisenstaaten auf irgendeine Art billiger und besser werden, Arbeitskosten senken und Märkte liberalisieren, Bürokratie abbauen und Bildung verbessern.</p>\n<p>Das muss aber keineswegs nach deutschem Vorbild geschehen. Im dezentralen Europa kann jedes Land seinen eigenen Reformweg gehen. Frankreich zum Beispiel braucht einen effizienteren Staat, weil der sich heute mehr als 55 Prozent der Wirtschaftsleistung schnappt – und einen großen Teil davon in seinen Behörden versickern lässt. Europa lebt vom Wettbewerb der Wirtschaftssysteme, von der Freude an der nationalen Innovation. Jeder soll also nach Gusto seinen Wohlstand verdienen. Verdienen aber muss er ihn.“</p>\n<p>In der Tat, das Wachstum von morgen entsteht durch die Arbeit von heute. Richtig ist auch, dass jedes Land seinen eigenen Weg gehen kann und jeder nach Gusto seinen Wohlstand verdienen soll. Dass jeder ihn verdienen muss, ist selbstverständlich. Wie aber kann aus so vielen richtigen Sätzen eine so grundlegend falsche Analyse werden?</p>\n<p>Ganz einfach, weil Herr Heuser – wie so viele andere auch – das Inflationsziel der EZB ignoriert und den Zusammenhang zwischen Lohnstückkosten und Inflation. Das wird klar, wenn er sagt, die Krisenstaaten müssten billiger und besser werden. Damit widerspricht er sich selbst, weil sie nicht besser werden müssen, wenn jeder nach Gusto wirtschaften kann. Besser kann nur heißen, dass sie produktiver werden müssen. Müssen sie aber nicht, sie müssen ja nur zufrieden sein mit dem, was sie verdienen. Hat ein Land einen hohen Staatsanteil wie Frankreich, muss es den eben gerade nicht abbauen. Würde der hohe Staatsanteil tatsächlich auf die Produktivität drücken (was nicht nachweisbar ist, die Produktivität ist in Frankreich genauso stark gestiegen wie in Deutschland in den letzten zehn Jahren), müssten nur die Reallöhne etwas weniger steigen als in einem Land mit etwas stärkerer Produktivitätsentwicklung und jeder wäre nach Gusto glücklich.</p>\n<p>Ob die Krisenländer billiger werden müssen, ist die Frage nach dem Inflationsziel, das Herr Heuser offenbar nicht kennt. Würde er es kennen, wüsste er, dass nicht alle billiger werden dürfen und alle zusammen gerade nicht nachmachen dürfen, was Deutschland vorgemacht hat. Würde jemand sagen, Europa muss jetzt voll auf Deflation setzen, käme sicher Widerspruch auch von konservativen Ökonomen und Journalisten. Sagt man, Europa muss billiger werden, nicken alle weise mit den Köpfen. Da die Lohnstückkosten aber die Preise bestimmen, kann man nicht billiger werden, ohne in eine Deflation zu geraten. Von den Kosten des „Billiger-Werdens“ auf die Binnennachfrage ganz zu schweigen.</p>\n<p>Der Hauptirrtum besteht aber in der Erwartung, ein billiger werdendes Europa könne seine Wettbewerbsfähigkeit verbessern. Die Deflation kann nicht helfen, weil der Euro – wenn nicht durch die Devisenmärkte selbst, dann unter dem massiven politischen Druck der anderen Länder der G 20 – rasch aufwerten und den vermeintlichen Vorsprung in Sachen Wettbewerbsfähigkeit wieder ausgleichen würde. Will man Deflation vermeiden, aber dennoch erreichen, dass die Krisenländer wettbewerbsfähiger werden, muss Deutschland teurer werden – das ist wegen der Mathematik unumgänglich. Das zu sagen, schafft aber ein guter deutscher Journalist natürlich nicht.</p>\n<p>Man kann durchaus wie Herr Heuser daran glauben, dass „Europa ... vom Wettbewerb der Wirtschaftssysteme [lebt], von der Freude an der nationalen Innovation“. Man muss aber doch wesentlich mehr von Makroökonomie verstehen, um auf der Basis einer solchen Aussage zu vernünftigen wirtschaftspolitischen Schlussfolgerungen zu gelangen.</p>\n"}]}}]},"allDatoCmsEdition":{"edges":[]},"allDatoCmsSpotlight":{"edges":[]}},"pageContext":{"id":"DatoCmsArticle-9474632-de","edition":"","spotlight":""}},"staticQueryHashes":["1132069882","1534434256","1810303247","2076357383","2564995746","3939919066","4078341254","826177454"]}