{"componentChunkName":"component---src-templates-article-tsx","path":"/wie-der-flexible-amerikanische-arbeitsmarkt-wirklich-funktioniert-und-warum-das-schlecht-fur-die-wirtschaft-ist/","result":{"data":{"allDatoCmsArticle":{"edges":[{"node":{"id":"DatoCmsArticle-8887186-de","slug":"wie-der-flexible-amerikanische-arbeitsmarkt-wirklich-funktioniert-und-warum-das-schlecht-fur-die-wirtschaft-ist","articleType":"Normal","visibility":"Geschlossen","deactivateAudio":null,"authors":[{"id":"DatoCmsAuthor-5697487-de","slug":"heiner-flassbeck","name":"Heiner Flassbeck","description":"<p><strong>Heiner Flassbeck </strong>ist Mitbegr&uuml;nder von MAKROSKOP.<span> Er war Honorarprofessor an der Universit&auml;t Hamburg, Chef-Volkswirt der UNCTAD und Staatssekret&auml;r im BMF. Seine Hauptarbeitsgebiete sind die Globalisierung, die Theorie der wirtschaftlichen Entwicklung sowie Geld- und W&auml;hrungstheorie.</span></p>","shortDescription":"<p><strong>Heiner Flassbeck </strong>ist Mitbegr&uuml;nder von MAKROSKOP.<span> Er war Honorarprofessor an der Universit&auml;t Hamburg, Chef-Volkswirt der UNCTAD und Staatssekret&auml;r im BMF. 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Die FT schildert den Fall eines Geschäftes, das in den vergangenen Monaten die Löhne seiner Angestellten erhöht hat, weil, so die Eigentümer, sie den Eindruck hatten, dass „da draußen weniger Leute wären, weniger, aus denen man auswählen könnte“ („We felt there were less people out there, there were less to pick from“), und sie kein Personal verlieren wollten.</p>\n<p>An anderer Stelle berichtet die Zeitung von einer „staffing and recruiting company“ in Charlottesville, deren Gründerin sagt, sie sehe keine große Nachfrage nach höheren Löhnen („I am not seeing a huge demand for increased wages“), sondern es gebe immer noch eine Menge Leute, die dankbar sind, wenn sie einen Job bekommen („I am still seeing a lot of people who are thankful to get a job“).</p>\n<p>Und der Vorsitzende des Council of Economic Advisers (also des ökonomischen Sachverständigenrates des Präsidenten), Jason Furman, sagt, die eigenen Löhne zu erhöhen („growing their wages“) sei die größte Herausforderung für viele Amerikaner. Insgesamt steigen auch fünf Jahre nach Ende der Finanzkrise und der konjunkturellen Verwerfungen, die sie mit sich brachte, die nominalen amerikanischen Löhne kaum über zwei Prozent, was real nahezu eine Stagnation bedeutet.</p>\n<p>Natürlich, werfen an dieser Stelle die professionellen Ökonomen ein, ist doch klar, wenn die Arbeitslosigkeit noch hoch ist, kann man keine Lohnerhöhungen durchsetzen. Erst wenn sich die Konjunktur gefangen hat und die Nachfrage nach Arbeitskräften stärker wird, kann der amerikanische Angestellte seinem Chef glaubwürdig drohen, dass er abwandert, wenn die Löhne nicht schleunigst erhöht werden. Allerdings geht das dann auch wieder nicht so leicht, weil, wie die FT zu Recht anmerkt, bei starken Lohnerhöhungen sofort die amerikanische Zentralbank zur Stelle ist, die eine Welle von Lohnerhöhungen rasch brechen muss, weil die Löhne wiederum sehr eng mit der Inflation verbunden sind („wages are tightly linked to inflation“...).</p>\n<p>Ob in einem solchen Arbeitsmarkt die Arbeitnehmer – selbst unter normalen konjunkturellen Umständen – auf ihre Kosten (also in realer Rechnung mit den Lohnzuwächsen auf die Produktivitätszuwächse) kommen, ist eine vollkommen offene Frage. Ob die Reallöhne in der Aufschwungphase genügend stark oder genügend lange steigen, um die Verluste der Abschwungphase auszugleichen, hängt von so vielen Faktoren (wie etwa der Länge des Aufschwungs) ab, dass es keinerlei Garantie für eine symmetrische Verteilung von Reallohngewinnen und Reallohnverlusten im Konjunkturzyklus gibt. Vieles spricht dagegen, weil beispielsweise die Notenbanken dazu neigen, bei Lohnsteigerungen, die über die Produktivität und die Zielinflationsrate hinausgehen (was sie unter Umständen müssten, um die Reallohnverluste der Rezession wieder aufzuholen), sofort die Zinsen zu erhöhen und den Aufschwung frühzeitig abzubrechen. Man braucht aber in einer Wirtschaft wie der amerikanischen oder der europäischen (also in großen geschlossenen Volkswirtschaft mit relativ geringer Handelsverflechtung nach außen) Reallohnzuwächse in Höhe der Produktivitätszuwächse, um die Kapazitäten der Wirtschaft über den Konjunkturzyklus hinweg auszulasten.</p>\n<p>Das eigentliche Problem bei dieser Geschichte aber ist, dass die konjunkturellen Umstände keineswegs normal sind. Niemand ist offenbar bereit, zur Kenntnis zu nehmen, dass gerade die jüngste Arbeitslosigkeit (also die, die nach der Finanzkrise entstand) überhaupt nichts mit hohen Löhnen und einer von den Löhnen ausgehenden Inflationsgefahr zu tun hatte. Im Gegenteil, das Platzen einer gewaltigen Finanzblase hat die Arbeitslosigkeit steigen lassen, obwohl die Lohnquote (also der Anteil der Löhne am Gesamteinkommen) gering war und vorher schon eine große Ungleichheit bei der Verteilung der Einkommen entstanden war (wir haben das seit Beginn von flassbeck-economics immer wieder hervorgehoben, zum Beispiel <a href=\"http://www.flassbeck-economics.de/es-braucht-eine-neue-wende-nicht-weniger-als-das-ist-unser-programm/\">hier</a>). Wenn so etwas geschieht, ist der davon ausgehende Druck auf die Löhne schlicht kontraproduktiv. Er destabilisiert die Wirtschaft, weil die Binnennachfrage nicht in Gang kommt, die man aber braucht, um die Arbeitslosigkeit abzubauen. Damit tut der Arbeitsmarkt genau das Gegenteil dessen, was notwendig ist, um die Wirtschaft wieder auf einen Pfad zu bringen, bei dem Jobs entstehen können. Druck auf die Löhne vermindert die Beschäftigung und die Chancen, neue Jobs zu schaffen.</p>\n<p>Wie wir schon <a href=\"http://www.flassbeck-economics.de/deutsche-bundesbank-jahrelang-verantwortungsbewusste-lohnpolitik-aber-jetzt-das-ende-der-bescheidenheit/\">vor einigen Tagen festgestellt haben</a>, schließt die Tatsache, dass die Löhne die Preise bestimmen („wages are tightly linked to inflation“), eine neoklassische Funktionsweise des Arbeitsmarktes aus, bei dem die Reallöhne die Beschäftigung determinieren. Das muss verstanden werden, sonst ist nicht nur der amerikanische Kapitalismus am Ende. Wir werden das in den letzten Folgen unserer Geldserie nach der Sommerpause im Detail erklären.</p>\n"}]}}]},"allDatoCmsEdition":{"edges":[]},"allDatoCmsSpotlight":{"edges":[]}},"pageContext":{"id":"DatoCmsArticle-8887186-de","edition":"","spotlight":""}},"staticQueryHashes":["1132069882","1534434256","1810303247","2076357383","2564995746","3939919066","4078341254","826177454"]}