{"componentChunkName":"component---src-templates-article-tsx","path":"/wachstum-in-deutschland-knapp-an-der-rezession-vorbei-ist-zu-wenig/","result":{"data":{"allDatoCmsArticle":{"edges":[{"node":{"id":"DatoCmsArticle-9474900-de","slug":"wachstum-in-deutschland-knapp-an-der-rezession-vorbei-ist-zu-wenig","articleType":"Normal","visibility":"Geschlossen","deactivateAudio":null,"authors":[{"id":"DatoCmsAuthor-5697487-de","slug":"heiner-flassbeck","name":"Heiner Flassbeck","description":"<p><strong>Heiner Flassbeck </strong>ist Mitbegr&uuml;nder von MAKROSKOP.<span> Er war Honorarprofessor an der Universit&auml;t Hamburg, Chef-Volkswirt der UNCTAD und Staatssekret&auml;r im BMF. Seine Hauptarbeitsgebiete sind die Globalisierung, die Theorie der wirtschaftlichen Entwicklung sowie Geld- und W&auml;hrungstheorie.</span></p>","shortDescription":"<p><strong>Heiner Flassbeck </strong>ist Mitbegr&uuml;nder von MAKROSKOP.<span> Er war Honorarprofessor an der Universit&auml;t Hamburg, Chef-Volkswirt der UNCTAD und Staatssekret&auml;r im BMF. 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Quartal 2013 leicht gestiegen\" genau genommen, dass die deutsche Wirtschaft im Winterhalbjahr nur knapp an einer Rezession vorbeigeschrammt ist – zieht man die übliche Definition von Rezession heran, nämlich dass in zwei aufeinander folgenden Quartalen die Entwicklung des Bruttoinlandsprodukts (BIP) jeweils ein negatives Vorzeichen im Zeitverlauf, also von Quartal zu Quartal in saisonbereinigter Rechnung, aufweist. Nach einem Rückgang des realen Bruttoinlandsprodukts (BIP) von 0,7 Prozent im vierten Quartal 2012 (korrigiert, der vorher publizierte Wert war minus 0,6) errechneten die Statistiker für das erste Quartal dieses Jahres ein leichtes Plus von 0,1 Prozent. Wie schon die Korrektur um 0,1 Prozentpunkte nach unten im vierten Quartal zeigt, liegt ein Zuwachs von 0,1 Prozent im Bereich statistischer Unsicherheiten und kann daher kaum als ernst zu nehmender Beleg für eine Trendwende gegenüber dem vierten Quartal angesehen werden. Es bestätigt sich, was wir hier seit Anfang des Jahres sagen, dass nämlich die deutsche Wirtschaft in eine ausgeprägte Schwächephase eingetreten ist und nicht zu erkennen ist, woher positive Impulse in nächster Zeit kommen sollen.</p>\n<p>Das Statistische Bundesamt schreibt: „Positive Impulse kamen im Vorquartalsvergleich nach vorläufigen Berechnungen fast ausschließlich von den privaten Haushalten, die ihre Konsumausgaben zum Jahresbeginn erhöhten. Allerdings waren die Ausgaben im Schlussquartal 2012 nach neuesten Berechnungen zurückgegangen.“ Das zeigt: Sobald die deutsche Wirtschaft keine Impulse von außen bekommt, stagniert sie bestenfalls. Das liegt ganz einfach daran, dass die Masseneinkommen (Löhne, Renten und monetäre Sozialleistungen) in realer Rechnung (deflationiert mit dem Inflationsziel der Europäischen Zentralbank) auch in diesem Jahr stagnieren werden.</p>\n<p>Der Hinweis, dass eine geringere tatsächliche Preissteigerungsrate als die Zielrate der Zentralbank die Realeinkommen besser aussehen lassen werde und insofern nicht von Einkommensstagnation die Rede sein könne, ist kein wirklich stichhaltiger Einwand. Denn wenn es so kommt, was zu befürchten steht, ist der Weg in die Deflation  auch für Deutschland vorgezeichnet. Dann beseitigt die daraus erwachsende Konsum- und Investitionszurückhaltung das an Hoffnung auf realen Nachfragezuwachs, was die nominalen Masseneinkommen abzüglich tatsächlicher Preissteigerung noch hergeben könnten.</p>\n<p>Warum aber entwickeln sich die Masseneinkommen so schleppend? Die Beschäftigung steigt in keinem Aufschwung so stark, dass von ihr ein <i>erster</i> positiver Impuls für die Einkommen und damit für die Nachfrage kommen könnte. Die Löhne pro Kopf oder pro Stunde – das ist neben der Beschäftigung sozusagen die andere Komponente der Masseneinkommen – legen (wiederum in realer Rechnung) in einem Tempo zu, das unter den Möglichkeiten der Volkswirtschaft, also unter dem Produktivitätszuwachs bleibt wie schon in den Jahren zuvor. Das zeigen die bisherigen Ergebnisse der diesjährigen Lohnrunde nur allzu deutlich.</p>\n<p>Die Investitionen insgesamt sind nach Aussage des Bundesamtes erneut gesunken – und das trotz der Gewinnexplosion der letzten Jahre. Wer den Zusammenhang zwischen Investitionstätigkeit und Auslastung nicht ignoriert, den wundert das nicht. Der gegenwärtige Bauboom – Folge der Flucht ins \"Betongold\", die von vielen angetreten wird in der Hoffnung, sich auf diese Weise vor den Auswirkungen der Eurokrise schützen zu können – ist viel zu schwach, um gesamtwirtschaftlich spürbar etwas in die positive Richtung bewegen zu können. Die Prognosen, die für dieses Jahr und für 2014 vorgelegt wurden, kann man daher getrost vergessen. Und was heißt das für den Euroraum?</p>\n<p>Wir haben einmal die von der EU-Kommission in den letzten vier Jahren jeweils in ihrer Frühjahrsprognose vorausgesagten Zahlen für das BIP im Euro-Raum verglichen mit der ein Jahr später veröffentlichten Prognose und dem Ex-post-Wert. Dabei überlappt sich immer ein Jahr. So hat die Kommission im Frühjahr 2011 für 2012 ein Wachstum von 1,8 Prozent vorhergesehen (blaue Linie). Im Jahr darauf hat sie diese Prognose kassieren müssen und nur noch minus 0,3 Prozent erwartet (orange Linie). Aber auch das war noch zu optimistisch, inzwischen liegt die Zahl ex post bei minus 0,6 Prozent (grüne Linie). Für 2013 wurde noch im Jahr 2012 ein Wachstum von einem Prozent erwartet, während es nach allem, was wir jetzt wissen, ein absoluter Rückgang des BIP sein wird.</p>\n<p>Abbildung: Vorhersagen der Europäischen Kommission für das BIP in der Eurozone</p>\n<p><a href=\"http://www.flassbeck-economics.de/wp-content/uploads/2013/05/European-forecast-21-05-2013.gif\"><img class=\"aligncenter size-full wp-image-1323\" src=\"http://www.flassbeck-economics.de/wp-content/uploads/2013/05/European-forecast-21-05-2013.gif\" alt=\"European forecast 21-05-2013\" width=\"697\" height=\"303\" /></a></p>\n<p>Nicht nur, dass die Kommission systematisch zu hoch lag, also zu optimistisch war, der Verlauf ihrer Vorhersage zeigt das typische Kammmuster (das zweite Jahr in der Prognose ist immer besser), <a href=\"http://www.flassbeck-economics.de/prognosen-und-andere-irrtumer/\">das wir schon häufig beklagt haben</a>. Man rechnet sich glücklich, indem man einfach annimmt, es könne nicht weiter so schlecht gehen, wie es tatsächlich geht. So wird in der neuesten Prognose von diesem Frühjahr für 2013 mit einer leichten Besserung gegenüber 2012 gerechnet (nur noch minus 0,4 für 2013 nach minus 0,6 im Jahr 2012), die eigentliche Wende aber kommt – natürlich – im nächsten Jahr (+1,2%), über das wir heute fast nichts wissen.</p>\n<p>Das Fatale ist, dass die meisten dieser Prognostiker fest an die heilsame Wirkung von angebotspolitischen Maßnahmen glauben und deswegen dem Volk weiszumachen versuchen, man müsse nur ein wenig warten und schon würde dank der eingeleiteten Reformen alles besser. <a href=\"http://www.flassbeck-economics.de/angebotspolitik-als-ersatz-fur-nachfragepolitik-2/\">Das ist grundsätzlich falsch, wie wir erst kürzlich ausführlich gezeigt haben</a>. Es gibt keinen Mechanismus, der einer abgestürzten Wirtschaft mit irgendeiner Automatik den Rückweg auf einen Wachstumspfad erlauben würde, wie sie ihn vorher realisiert hat. Für die Wirtschaft in der EWU haben wir einmal den Trend aufgezeichnet, der sich aus dem Wachstumspfad ergeben hätte, den sie vor der Krise eingeschlagen hatte (von 2002 bis 2007). Vergleicht man diesen Trend mit dem tatsächlichen Verlauf, erkennt man sofort die gewaltigen Verluste an potenziellem Einkommen, die von der europäischen Gesellschaft seit der Krise 2008 zu verkraften sind.</p>\n<p>Diese Einkommensverluste sind aber nur ein Teil der Misere. Viel schwerwiegender sind die damit zusammenhängenden Verluste an Arbeitsplätzen. Eine Volkswirtschaft kann zwar sehr schnell Arbeitsplätze abbauen, aber die Rückgewinnung eines hohen Beschäftigungsstandes durch neue Arbeitsplätze ist sehr viel schwieriger und vor allem langwieriger. Eine Volkswirtschaft kann, wie Friederike Spiecker und ich in unserem Buch über die Massenarbeitslosigkeit gezeigt haben, immer nur unter bestimmten Umständen neue und zusätzliche Arbeitsplätze schaffen. Diese Umstände stellen sich nicht ohne weiteres und von allein ein, sondern nur im Zusammenspiel der verschiedenen Bereiche der Wirtschaftspolitik und auch nur dann, wenn die Wirtschaftspolitik insgesamt einem geeigneten theoretischen Ansatz folgt.</p>\n<p>&nbsp;</p>\n<p>Abbildung: Wachstum mit und ohne Krise (reales BIP, 2005 =100)</p>\n<p><a href=\"http://www.flassbeck-economics.de/wp-content/uploads/2013/05/European-forecast-trend-21-05-2013.gif\"><img class=\"aligncenter size-full wp-image-1325\" src=\"http://www.flassbeck-economics.de/wp-content/uploads/2013/05/European-forecast-trend-21-05-2013.gif\" alt=\"European forecast trend 21-05-2013\" width=\"699\" height=\"303\" /></a></p>\n<p>Genau an letzterem hapert es aber nunmehr seit 30 Jahren in Europa. Solange immer weiter der angebotspolitischen Linie gefolgt wird, solange sich die Geldpolitik doktrinär am Monetarismus ausrichtet und solange die Staaten per Schuldenbremsen in die vermeintliche Sparsamkeit gezwungen werden, gibt es für die bedauernswerten Arbeitslosen in Europas Süden keine positive Perspektive. Stattdessen werden noch viele Leute ihr Schicksal teilen, denen der Verlust des Arbeitsplatzes noch bevorsteht. Es gibt unter den genannten wirtschafts<i>politischen</i> Umständen für diese Menschen kaum eine Chance, jemals wieder vernünftig beschäftigt und angemessen dafür bezahlt zu werden. Es ist genau diese Art von Perspektivlosigkeit, die Europa früher oder später massiv erschüttern wird.</p>\n"}]}}]},"allDatoCmsEdition":{"edges":[]},"allDatoCmsSpotlight":{"edges":[]}},"pageContext":{"id":"DatoCmsArticle-9474900-de","edition":"","spotlight":""}},"staticQueryHashes":["1132069882","1534434256","1810303247","2076357383","2564995746","3939919066","4078341254","826177454"]}