{"componentChunkName":"component---src-templates-article-tsx","path":"/vorsorgen-durch-sparen/","result":{"data":{"allDatoCmsArticle":{"edges":[{"node":{"id":"DatoCmsArticle-9474948-de","slug":"vorsorgen-durch-sparen","articleType":"Normal","visibility":"Geschlossen","deactivateAudio":false,"authors":[{"id":"DatoCmsAuthor-5697487-de","slug":"heiner-flassbeck","name":"Heiner Flassbeck","description":"<p><strong>Heiner Flassbeck </strong>ist Mitbegr&uuml;nder von MAKROSKOP.<span> Er war Honorarprofessor an der Universit&auml;t Hamburg, Chef-Volkswirt der UNCTAD und Staatssekret&auml;r im BMF. Seine Hauptarbeitsgebiete sind die Globalisierung, die Theorie der wirtschaftlichen Entwicklung sowie Geld- und W&auml;hrungstheorie.</span></p>","shortDescription":"<p><strong>Heiner Flassbeck </strong>ist Mitbegr&uuml;nder von MAKROSKOP.<span> Er war Honorarprofessor an der Universit&auml;t Hamburg, Chef-Volkswirt der UNCTAD und Staatssekret&auml;r im BMF. 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Unsere Vorstellung vom Sparen ist offenbar ganz wesentlich geprägt vom Sparen im Sinne des Zurücklegens von konkreten Gütern, die wir später konsumieren, wie es etwa das Eichhörnchen vormacht. Wir legen aber keine Güter zurück, wenn wir versuchen zu sparen. Im Gegenteil, in einer modernen Marktwirtschaft mit Papiergeld sind wir darauf angewiesen, dass unsere Ersparnisse sofort verwendet werden, was heißt, dass jedem Sparer ein Schuldner gegenübersteht, der die Ersparnisse ausgibt. Dazu hier zur Auffrischung ein leicht modifizierter Ausschnitt aus meinem Buch „Die Marktwirtschaft des 21. Jahrhunderts“.</p>\n<p>Renten und Zukunft</p>\n<p>Die Rentendebatte dreht sich in erster Linie immer noch um die Frage, wie man eine Rente demographiefest macht. Unter Rot-Grün wurde dazu die Rentenversicherung „modernisiert“. Eine sozialdemokratisch geführte Bundesregierung mit einem Arbeitsminister namens Riester hat zu Beginn dieses Jahrtausends eine „Jahrhundertreform“ bei der Rente gemacht und damit bestätigt, was schon seit Jahren von Interessenvertretern und interessierten Wissenschaftlern in die Welt gesetzt worden war: Dass nämlich die deutsche Rente nicht sicher sei. Damit wurde die völlig richtige Aussage, die gesetzliche Rente sei sicher, mit der einst der Arbeitsminister unter Helmut Kohl, Norbert Blüm, berühmt/berüchtigt geworden war, von Sozialdemokraten zurückgewiesen und das wurde bis heute, trotz der schwersten Finanzkrise der Geschichte, auch nicht widerrufen.</p>\n<p>Der Ausgangspunkt einer solchen Reform ist immer der gleiche. Weil abzusehen ist, so die Argumentation, dass die Deutschen immer älter werden, sei das in den 50er Jahren eingeführte Umlageverfahren, der Generationenvertrag also, bei dem immer die heutige Generation für die Älteren aufkommt, nicht mehr haltbar. In diesem System würden die Rentenbeiträge spätestens 2030 bei 26 % liegen (oder 2060, wie jetzt gerade die Bundesbank feststellt, die gesamten Sozialabgaben bei 50 Prozent im Vergleich zu 40 Prozent heute) und das sei weder für die Arbeitnehmer noch für die Unternehmen zumutbar.</p>\n<p>Genau da wurde die Rentenpolitik in Deutschland zum wirtschaftspolitisch gefährlichen Unfug. Die Grundvorstellung einer Kapitaldeckung, dass eine Volkswirtschaft für die Zukunft ansparen könne, ist nämlich fundamental falsch. Allerdings haben viele Gegner der Kapitaldeckung häufig den taktischen Fehler gemacht, sich auf viele Detailfragen einer solchen Rentenumstellung einzulassen anstatt immer wieder auf diese eine Grundfrage zu kommen: Kann man erspartes Kapital (Geldkapital oder Geldvermögen, also den Saldo aus Einnahmen und Ausgaben jedes Haushaltes oder Unternehmens) in die Zukunft transportieren? Die eindeutige Antwort: Nein, niemals, das Geldvermögen der Welt ist immer, in jeder Sekunde also, genau gleich Null.</p>\n<p>Aber es ist in Wirklichkeit noch schlimmer: Der Versuch anzusparen ist nicht nur zum Scheitern verurteilt, sondern schadet der Volkswirtschaft direkt dort, wo sie es wegen Alterung am Dringendsten braucht, bei den Investitionen. Bei der Kapitaldeckung verzichtet der Arbeitnehmer nämlich schon in der Gegenwart auf mehr Konsum, um in 30 Jahren trotz der Alterung der Bevölkerung eine gleich hohe Rente zu erhalten. Er gibt daher sein Geld einer Bank oder einem Fonds. Was aber geschieht dann? Der Fonds leiht das Geld einem anonymen Schuldner. Der investiert das Geld in Sachanlagen und verspricht, in Zukunft Zinsen zu zahlen. Nur – und das ist der Knackpunkt – der Investor muss  heute und morgen Gewinne machen, will er überleben und soll er später Zinsen zahlen können. Versucht eine große Gruppe der Volkswirtschaft heute jedoch, mehr zu sparen als vorher, sinkt die Chance aller Investoren, ordentliche Gewinne zu machen.</p>\n<p>Kapitaldeckung behindert folglich die einzige Form des „Sparens“, die es für eine Volkswirtschaft insgesamt gibt, nämlich das Investieren in Sachkapital. Gelingt die Kapitaldeckung und steigt die Sparquote der Arbeitnehmer bei dem Versuch, Eigenvorsorge zu betreiben, sinken die Gewinne der Unternehmen, also deren „Sparen“. Das kostet unmittelbar Investitionen und Arbeitsplätze. Bleibt dagegen die Sparquote der Arbeitnehmer konstant, subventioniert man mit den staatlichen Hilfen lediglich einen Teil des bisherigen Sparens. Eine größere Vorsorge gibt es dann nicht einmal der Idee nach.</p>\n<p>Mögen Interessenvertreter und Professoren auch gebetsmühlenartig das Gegenteil verkünden, es bleibt eine unumstößliche Wahrheit, dass eine Volkswirtschaft als Ganzes nicht Geld ansparen kann. Immer muss jemand hier und heute das angesparte Geld aufnehmen, sich also verschulden, um zu investieren, soll in Zukunft eine Zinszahlung möglich sein. Wenn es in 30 Jahren mehr Alte als Junge gibt, wird die wirtschaftliche Leistungskraft sinken und folglich weniger Zinserträge oder Rentenbeiträge hergeben. In Zukunft müssen daher in jedem System die Renten geringer sein oder der dann  zu zahlende Rentenbeitrag größer sein. Heute mehr zu sparen, erspart uns das nicht. Es mindert sogar unsere Chance, die Belastung mit einem hohen Einkommen erträglich machen zu können.</p>\n<p>Was wieder nur zeigt, dass es in der Ökonomie nichts umsonst gibt. Es wäre das Schlaraffenland mit den gebratenen Tauben, wenn man mehr Geld sparen könnte, also auf Konsum heute verzichtete, und dennoch die Unternehmen fröhlich weiter investierten, als wäre nichts geschehen. Wenn das so wäre, bräuchten wir uns überhaupt keine Gedanken über das Investieren zu machen, weil die Unternehmen unabhängig von ihrer wirtschaftlichen Situation immer genügend Zukunftsvorsorge betrieben.</p>\n<p>Bezieht man den Staat mit ein, gilt grosso modo das Gleiche. Legen wir unser Geld zur Altersversorgung in Staatsanleihen an statt es in die Rentenversicherung einzuzahlen, kann der Staat nur dann soviel Rentenzahlung leisten wie vorher, wenn er sich höher verschuldet. Die Kapitaldeckung ist dann nur eine teure, weil mit hohen Transaktionskosten verbundene Umlage. Gibt der Staat weniger Geld als vorher aus, kommt auch weniger Geld bei den Unternehmen an, mit den gleichen Folgen wie bei höherem Sparen der Privaten.</p>\n<p>Wir sorgen durch das Sparen also gerade nicht für die Zukunft vor, sondern tun das Gegenteil. Die Volkswirtschaft als Ganzes kann nicht wie eine Kleinfamilie sparen. Sie kann kein Geldvermögen in die Zukunft transportieren, sondern nur Realkapital. Dessen Bildung wird aber durch den Versuch einer Gruppe, mehr Geldvermögen zu bilden, behindert. Damit erweist sich die ganze Debatte als Schimäre. Jede Rente ist kapitalgedeckt. Sie ist gedeckt von dem Sachkapital, das über Generationen aufgebaut wurde und genau zu dem Zeitpunkt Erträge abwirft, wo die Rente oder der Zins auf eine Anlage gezahlt werden soll. Eine andere Kapitaldeckung gibt es nicht. Wenn wir in 30 Jahren sehr viel mehr Rentner als Aktive im Vergleich zu heute haben, und die Rentner eine gleich gute Absicherung wie heute genießen sollen, dann müssen wir das auf die eine oder andere Weise bezahlen.</p>\n<p>Wir können die daraus entstehenden Lasten nur dadurch relativieren, dass wir heute viel in Sachkapital investieren und folglich in 30 Jahren so reich sind, dass Unternehmen und Arbeitnehmer einen höheren Rentenbeitrag gut verkraften. Wollen wir das dennoch nicht, müssen wir das mit den zukünftigen Rentnern ausmachen und ihnen erklären, dass sie mit weniger Rente im Vergleich zum Einkommen auskommen müssen als die heutigen Rentner, also trotz größere Wohlstands relativ arm sein werden. Das ist eine Verteilungsfrage und – wie alle Verteilungsfragen – schwer befriedigend zu lösen. Heute den Menschen jedoch zu sagen, sie könnten diese Verteilungsfrage umgehen, indem sie ihre Groschen zusammenhalten, ist Scharlatanerie. Dass es gerade eine rot-grüne Regierung war, die den Arbeitnehmern diesen Humbug unterjubelte, ist tragisch.</p>\n"}]}}]},"allDatoCmsEdition":{"edges":[]},"allDatoCmsSpotlight":{"edges":[]}},"pageContext":{"id":"DatoCmsArticle-9474948-de","edition":"","spotlight":""}},"staticQueryHashes":["1132069882","1534434256","1810303247","2076357383","2564995746","3939919066","4078341254","826177454"]}