{"componentChunkName":"component---src-templates-article-tsx","path":"/rohstoffspekulation-eine-befragung-von-foodwatch-bestatigt-unsere-position/","result":{"data":{"allDatoCmsArticle":{"edges":[{"node":{"id":"DatoCmsArticle-8887224-de","slug":"rohstoffspekulation-eine-befragung-von-foodwatch-bestatigt-unsere-position","articleType":"Normal","visibility":"Geschlossen","deactivateAudio":null,"authors":[{"id":"DatoCmsAuthor-5697487-de","slug":"heiner-flassbeck","name":"Heiner Flassbeck","description":"<p><strong>Heiner Flassbeck </strong>ist Mitbegr&uuml;nder von MAKROSKOP.<span> Er war Honorarprofessor an der Universit&auml;t Hamburg, Chef-Volkswirt der UNCTAD und Staatssekret&auml;r im BMF. Seine Hauptarbeitsgebiete sind die Globalisierung, die Theorie der wirtschaftlichen Entwicklung sowie Geld- und W&auml;hrungstheorie.</span></p>","shortDescription":"<p><strong>Heiner Flassbeck </strong>ist Mitbegr&uuml;nder von MAKROSKOP.<span> Er war Honorarprofessor an der Universit&auml;t Hamburg, Chef-Volkswirt der UNCTAD und Staatssekret&auml;r im BMF. 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Dabei ging es mehrfach auch um eine Meta-Studie von Professor Ingo Pies aus Halle, der Anhand einer Auswertung von Aufsätzen in wissenschaftlichen Journalen nachweisen wollte, dass es keine wissenschaftlich begründete Position geben könne, die zu dem Ergebnis kommt, das Finanzmarktgeschehen habe einen merklichen Einfluss auf die Preise von Rohstoffen.</p>\n<p>Nun hat Foodwatch, das sich früh in diese Diskussion eingeschaltet hatte, eine globale Umfrage unter Rohstoffhändlern in Auftrag gegeben, und das Ergebnis (<a href=\"http://www.foodwatch.org/uploads/media/2014-07-03_Hintergrundpapier_SIS-Umfrage_Rohstoffhaendler.pdf\">hier</a> zu finden und <a href=\"http://www.faz.net/aktuell/finanzen/devisen-rohstoffe/spekulanten-wir-erhoehen-die-lebensmittelpreise-13023561.html\">hier</a> in der FAZ kommentiert) ist eindeutig: Die überwiegende Mehrheit der Händler selbst sieht einen Einfluss der Finanzialisierung (oder Spekulation) auf die Preise, die Verbraucher und Industrie zu zahlen haben. Insbesondere zeigt die Befragung, dass die Preise für die Future-Kontrakte einen unmittelbaren Einfluss auf die Spot-Kontrakte haben, also die Preise, die wir alle täglich bezahlen.</p>\n<p>Ende April (siehe link oben) hatte ich dazu geschrieben (damals nur im Abonnement):</p>\n<p><em>„An den Rohstoffmärkten sind die drei Variablen, um die es geht, der heutige Preis des Rohstoffs (der Spotpreis), der zukünftig zu erwartende Preis (der Preis der futures, also von Kontrakten, die nicht heute, sondern zum Beispiel in drei Monaten bedient werden müssen) und, oft übersehen, die Entwicklung des Gesamtmarktes, also die Richtung, in die sich spot und futures Preis gemeinsam entwickeln.</em></p>\n<p><em>In Abbildung 4 (</em><a href=\"http://www.flassbeck-economics.de/wp-content/uploads/2013/01/commoditiesVienna.pdf\"><em>auf die wir schon vor einem Jahr zurückgegriffen haben</em></a><em>) kann man die drei Variablen für den Fall von Öl (WTI Qualität) gut erkennen. Es gibt eine Differenz zwischen Spot und Future (dargestellt als grüne Fläche) und es gibt die Bewegung beider Preise, die unabhängig von der Differenz ist. Der große Unterschied zum Devisenmarkt ist, dass die Differenz zwischen Spot und Future hier nicht stabil ist, sondern sehr stark schwankt. Erschwerend für den „Investor“ kommt hinzu, dass diese Differenz bei den Rohstoffen von Markt zu Markt unterschiedlich ist und in der Tat erheblich von vielen Einzelereignissen an den verschiedenen Märkten beeinflusst wird.</em></p>\n<p><em>Abbildung 4</em></p>\n<p><a href=\"http://www.flassbeck-economics.de/wp-content/uploads/2014/07/Future-Spot-Öl.jpg\"><img class=\"alignnone size-full wp-image-5451\" src=\"http://www.flassbeck-economics.de/wp-content/uploads/2014/07/Future-Spot-Öl.jpg\" alt=\"Future Spot Öl\" width=\"800\" height=\"452\" /></a></p>\n<p><em>Die Absicherungsgeschäfte, von denen immer die Rede ist und gegen die niemand etwas hat, vollziehen sich zwischen Spot und Future Preis. Erwarten einige Marktteilnehmer, dass die Preise – wegen ungünstiger Ernteaussichten zum Beispiel – in sechs Monaten höher als heute sein werden, versuchen die Kunden der Rohstoffproduzenten (etwa der Bauern) Future Kontrakte zu kaufen, die ihnen Schutz vor den unter Umständen steigenden Preisen bieten. Sind die Bauern oder andere Marktteilnehmer anderer Meinung hinsichtlich der Preisentwicklung (erwarten also fallende, konstante oder nur wenig steigende Preise), verkaufen sie gerne solche Kontrakte, weil sie dann schon heute in etwa wissen, was sie bei einer bestimmten Erntemenge in der Kasse haben werden. Da sie das Risiko wesentlich höherer Preise gering einschätzen, ist mit diesen Verträgen beiden Seiten gedient, obwohl am Ende eine Seite verloren hat (sind die Preise nach sechs Monaten wirklich hoch, haben die Bauern verloren, weil sie ohne Future Kontrakte mehr verdient hätten), aber das können sie vielleicht wegen des geringeren Risikos, das sie hatten, akzeptieren. Werden viele Future Kontrakte nachgefragt, steigt deren Preis, das heißt, die Differenz zwischen Future und Spot steigt (der Markt ist dann in Contango, sagt man). Fragt kaum jemand Future Kontrakte nach, kann es auch umgekehrt sein: die Future Preise liegen dann unter den Spot Preisen (der Markt ist in Backwardation, sagt man dazu). Die Differenzen zwischen Future und Spot bleiben aber, wie das Bild zeigt, in der Regel relativ gering, weil bei Unsicherheit über die Zukunft keine Seite eine ganz große Abweichung wagt.</em></p>\n<p><em>Was aber passiert an einem solchen Markt, wenn plötzlich große Mengen von „Investoren“ auftreten, die gar keine Ahnung von den konkreten Marktverhältnissen haben, sondern nur in der Erwartung vereint sind, mit dem Kauf von Derivaten, hier also Future Kontrakten (die sie halten wollen, in die sie also long gehen, wie es im Marktslang heißt), Erträge dadurch zu erzielen, dass sie günstig kaufen und bei höheren Preisen verkaufen? Diese Investoren sind offenbar von der Erwartung getrieben, dass die Rohstoffpreise generell steigen werden, weil, wie sie sich das ausmalen, China so viel verbraucht und so wenig produziert, dass die Rohstoffpreise über Jahre nur eine Richtung kennen, nämlich nach oben. Und weil es viele mit großen Geldsummen sind, die das erwarten und entsprechend handeln, geschieht genau das auch. Wie an allen Finanzmärkten sind das sich selbst treibende Entwicklungen, die die Preise weit über den Wert hinaus erhöhen, den sie ohne die Finanzialisierung (ohne die Investoren) gehabt hätten.</em></p>\n<p><em>Und dann passiert, genau wie am Devisenmarkt, das, was nicht passieren dürfte: Dann steigt der Future Preis so stark, dass auch der Spot Preis mit nach oben gezogen wird. Denn jeder Produzent sagt sich dann, dass bei einer halbwegs normalen Differenz zwischen Spot und Future Preis er heute schon seine Preise erhöhen kann, weil auf der anderen Seite jeder – im Lichte der von den Investoren hochgetriebenen wesentlich höheren Future Preise – bereit sein wird, das zu zahlen. Auf diese Weise schiebt sich dann, wie 2008 in klassischer Weise geschehen, das ganze System der Spot und Future Preise nach oben, obwohl der Öl-Markt in Abbildung 4 gleichzeitig jahrelang in Backwardation war, die Future Preise als unter den Spot Preisen lagen. In der nächsten Phase allgemein steigender Preise nach der Finanzkrise war es genau umgekehrt: der Öl-Markt war in Contango. Das heißt, die Konstellation zwischen Spot- und Future-Preisen sagt nichts über die allgemeine Preisentwicklung auf dem Markt aus.“</em></p>\n<p>Es zeigt sich wieder, was ich gerade in diesem Zusammenhang schon einmal geschrieben habe: Nichts, aber auch gar nichts ersetzt eigenes Nachdenken, schon gar nicht Literaturstudien in wissenschaftlichen Journalen. Die meisten Ökonomen sind eben nicht neutrale Wissenschaftler, die sich unvoreingenommen neuen Phänomenen zuwenden, um sie im Sinne der Aufklärung der Gesellschaft zu analysieren und wirtschaftspolitische Ratschläge zu geben. Die allermeisten gehen mit dem Vorurteil in eine solche Analyse, dass ihr Dogma gilt, wonach die Märkte und insbesondere die Finanzmärkte effizient sind. Phänomene, die nicht in das Dogma passen (wie die falschen Preise, die systematisch an den Devisenmärkten produziert werden), werden ignoriert oder solange zurechtgebogen, bis das Dogma wieder stimmt. Daher sind Literaturstudien das Papier nicht wert, auf das sie gedruckt werden.</p>\n"}]}}]},"allDatoCmsEdition":{"edges":[]},"allDatoCmsSpotlight":{"edges":[]}},"pageContext":{"id":"DatoCmsArticle-8887224-de","edition":"","spotlight":""}},"staticQueryHashes":["1132069882","1534434256","1810303247","2076357383","2564995746","3939919066","4078341254","826177454"]}