{"componentChunkName":"component---src-templates-article-tsx","path":"/reallohnzuwachs-in-deutschland-fragt-sich-nur-fur-wen/","result":{"data":{"allDatoCmsArticle":{"edges":[{"node":{"id":"DatoCmsArticle-8887252-de","slug":"reallohnzuwachs-in-deutschland-fragt-sich-nur-fur-wen","articleType":"Normal","visibility":"Geschlossen","deactivateAudio":null,"authors":[{"id":"DatoCmsAuthor-5697487-de","slug":"heiner-flassbeck","name":"Heiner Flassbeck","description":"<p><strong>Heiner Flassbeck </strong>ist Mitbegr&uuml;nder von MAKROSKOP.<span> Er war Honorarprofessor an der Universit&auml;t Hamburg, Chef-Volkswirt der UNCTAD und Staatssekret&auml;r im BMF. Seine Hauptarbeitsgebiete sind die Globalisierung, die Theorie der wirtschaftlichen Entwicklung sowie Geld- und W&auml;hrungstheorie.</span></p>","shortDescription":"<p><strong>Heiner Flassbeck </strong>ist Mitbegr&uuml;nder von MAKROSKOP.<span> Er war Honorarprofessor an der Universit&auml;t Hamburg, Chef-Volkswirt der UNCTAD und Staatssekret&auml;r im BMF. 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Quartal</a> 2014: \"Stärkstes Plus seit 2011: Reallöhne steigen wieder\"</p>\n<p><em>\"Nach dem leichten Minus im vergangenen Jahr sind die Reallöhne in Deutschland zu Jahresbeginn wieder gestiegen. Sie lagen zwischen Januar und März um 1,3 Prozent über dem Vergleichswert des ersten Quartals 2013. Nach Berechnungen des Statistischen Bundesamts war dies der größte Zuwachs seit dem Jahr 2011.</em></p>\n<p><em>Die Entwicklung der Reallöhne zeigt, ob die Bürger de facto mehr oder weniger Geld zur Verfügung haben als in der Vergangenheit. Zu diesem Zweck ziehen die Statistiker vom Wert für die Lohnentwicklung die Inflationsrate desselben Zeitraums ab. Zwischen Januar und März kletterten die Löhne um rund 2,6 Prozent. (...) Die Verbraucherpreise zogen bundesweit lediglich um rund 1,2 Prozent an. Dank dieser Entwicklung stieg die Kaufkraft der Konsumenten deutlich.\"</em></p>\n<p>Solche Meldungen werden von unseren Medien nur zu gerne aufgegriffen und ins Land hinausposaunt. Der Zweck solcher Jubelmeldungen: Innerhalb Deutschlands soll positive Stimmung zu Gunsten der herrschenden Politik mobilisiert werden, und den Kritikern des seit Ende der 90er Jahre betriebenen deutschen Lohn- und Sozialdumpings und der dadurch ganz maßgeblich verursachten hohen deutschen Leistungsbilanzüberschüsse soll der Wind aus den Segeln genommen werden.</p>\n<p>Liest man jedoch das \"Kleingedruckte\" beim Statistischen Bundesamt, dann stellt man fest, dass es ein erhebliches Gefälle bei der Reallohnentwicklung der Spitzen-, Durchschnitts- und Geringverdiener gibt: Die leitenden Angestellten (im Extrem: die Vorstände der Dax-Konzerne) verzeichneten im 1. Quartal 2014 gegenüber dem Vorjahresquartal ein sattes Plus in Höhe von 2,9 Prozent, bei den Fachkräften betrug der Reallohnanstieg 1,0 Prozent, bei den angelernten Arbeitnehmern 0,3 Prozent und bei den ungelernten Arbeitnehmern gerade einmal 0,1 Prozent. Diese Informationen verschweigen jedoch sowohl \"<a href=\"http://tagesschau.de/\">Tagesschau.de</a>\" als auch jene Medien, deren Berichterstattung ich mir zu dieser Thematik angeschaut habe.</p>\n<p>Was ebenfalls unterschlagen wird: Ein Gutteil dieses Reallohnanstieges resultiert aus dem europaweit zu beobachtenden Trend hin zur Deflation ... . Denn in Deutschland wurde die Zielinflationsrate in Höhe von 1,9 Prozent (die von den Staaten der Eurozone weder über- noch unterschritten werden soll) im 1. Quartal 2014 mit 0,7 Prozentpunkten deutlich unterschritten, im 2. Quartal dürfte die Differenz zur  EZB-Zielinflationsrate weiter angestiegen sein (in den europäischen Krisenstaaten ist der Trend hin zur Deflation noch stärker ausgeprägt). Hätte die hiesige Inflationsrate auf EZB-Zielniveau gelegen, dann würden lediglich die leitenden Angestellten einen nennenswerten Reallohnanstieg (2,2 Prozent) verzeichnen. Bei Facharbeitern hätte der Reallohnanstieg lediglich 0,3 Prozent betragen, bei angelernten Arbeitnehmern hätte sich dieser um -0,4 Prozent und bei den ungelernten Arbeitnehmern sogar um -0,6 Prozent vermindert.</p>\n<p>Zum Reallohnanstieg im 1. Quartal 2014 setzt prompt die  Kritik des \"Experten\" Christoph Schröder vom arbeitgebernahen Institut der Deutschen Wirtschaft (IW) ein. Deutschland könne sich einen dauerhaft überdurchschnittlichen Anstieg der Arbeitskosten nicht leisten. <em>\"Wir müssen auf unsere Wettbewerbsfähigkeit achten.\" </em>Die Export-Industrie habe zwar einen starken Fokus auf Investitionsgütern, die weltweit gut verkauft werden könnten. <em>\"Der Preis bleibt im Markt aber immer ein wichtiges Argument.\"</em> Diese Äußerung des IW-Vertreters zeigt einmal mehr die Doppelzüngigkeit unserer neoliberalen \"Wirtschaftsexperten\": Sobald Kritik am seit Ende der 90er Jahre von Deutschland betriebenen Lohndumping geäußert wird, argumentieren diese \"Experten\", die massive Ausweitung der deutschen Exporte habe nichts mit der \"maßvollen\" deutschen Lohnentwicklung seit Ende der 90er Jahre zu tun, sondern sei eine Folge der innovativen und qualitativ hochwertigen deutschen Produkte. Diese hätten gegenüber der ausländischen Konkurrenz sozusagen ein \"Alleinstellungsmerkmal\". Zeigen die deutschen Reallöhne dann aber doch einmal nach oben, dann wird die Argumentation der hiesigen Neoliberalen um 180 Grad gewendet: <em>\"Wir müssen auf unsere Wettbewerbsfähigkeit achten.\" </em>Dann heißt es plötzlich: <em>\"Der Preis bleibt im Markt aber immer ein wichtiges Argument.“</em></p>\n"}]}}]},"allDatoCmsEdition":{"edges":[]},"allDatoCmsSpotlight":{"edges":[]}},"pageContext":{"id":"DatoCmsArticle-8887252-de","edition":"","spotlight":""}},"staticQueryHashes":["1132069882","1534434256","1810303247","2076357383","2564995746","3939919066","4078341254","826177454"]}