{"componentChunkName":"component---src-templates-article-tsx","path":"/konnen-wir-wohlstand-messen-ohne-etwas-uber-die-welt-zu-wissen/","result":{"data":{"allDatoCmsArticle":{"edges":[{"node":{"id":"DatoCmsArticle-9474583-de","slug":"konnen-wir-wohlstand-messen-ohne-etwas-uber-die-welt-zu-wissen","articleType":"Normal","visibility":"Geschlossen","deactivateAudio":null,"authors":[{"id":"DatoCmsAuthor-5697487-de","slug":"heiner-flassbeck","name":"Heiner Flassbeck","description":"<p><strong>Heiner Flassbeck </strong>ist Mitbegr&uuml;nder von MAKROSKOP.<span> Er war Honorarprofessor an der Universit&auml;t Hamburg, Chef-Volkswirt der UNCTAD und Staatssekret&auml;r im BMF. Seine Hauptarbeitsgebiete sind die Globalisierung, die Theorie der wirtschaftlichen Entwicklung sowie Geld- und W&auml;hrungstheorie.</span></p>","shortDescription":"<p><strong>Heiner Flassbeck </strong>ist Mitbegr&uuml;nder von MAKROSKOP.<span> Er war Honorarprofessor an der Universit&auml;t Hamburg, Chef-Volkswirt der UNCTAD und Staatssekret&auml;r im BMF. 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Dabei wird erstaunlicherweise über Messkonzepte jenseits von Zeit und Raum geredet und vollkommen unabhängig von der Frage, ob man das, was bei viel komplexeren Indizes als dem BIP am Ende herauskommt, überhaupt noch erklären kann und wie man daraus wirtschaftspolitische Empfehlungen ableiten kann.</p>\n<p>Die Diskussion war bestimmt von der Frage, ob es nicht Dinge gibt, die Menschen zufrieden oder unzufrieden machen, die aber im herkömmlichen Messkonzept für unser Einkommen – nichts anderes ist das BIP – nicht enthalten sind. Also wurde z.B. die Frage gestellt, ob man nicht schon in einem ganz einfachen Index andere Ergebnisse unserer Aktivitäten wie Ungleichheit, Arbeitslosigkeit und Inflation mit berücksichtigen müsse. Das wurde weitgehend bejaht, es stellt sich nur die Frage, wie man es macht und welche Lehren sich daraus ziehen lassen, wenn man berücksichtigt, dass sich die Umstände im Zeitablauf und auch im Raum ständig ändern. Wenn man noch das außenwirtschaftliche Gleichgewicht hinzufügt, hätte man mit einem solchen Index übrigens sehr gut das abgebildet, was das deutsche Stabilitäts- und Wachstumsgesetz von 1963 wollte, nämlich die Regierung zwingen, ein umfassendes Bild der wirtschaftlichen Entwicklung darzulegen.</p>\n<p>Während Letzteres eine ausgesprochen gute Idee war, scheint mir die Suche nach einem umfassenden Index dafür allerdings nicht hilfreich zu sein. Man stelle sich einmal vor, was ein umfassender Index im Zeitverlauf der letzten zehn Jahre über Deutschland und den Rest der Währungsunion ausgesagt hätte. Deutschland hatte nach Beginn der Währungsunion eine Phase sehr schwachen Wachstums, hoher Arbeitslosigkeit und zunehmender Ungleichheit bei allerdings geringer Inflation durchzustehen. Der Index wäre wahrscheinlich noch schwächer ausgefallen als die BIP-Zuwachsrate allein. Im Rest der Währungsunion war es in etwa umgekehrt: Hohe Wachstumsraten, abnehmende Arbeitslosigkeit und abnehmende Ungleichheit bei etwas höherer Inflation als in Deutschland, aber historisch geringen Inflationsraten. Was hätte man der Politik in Deutschland im Jahre 2005 empfohlen? Vermutlich, es genau so zu machen wie die anderen Europäer.</p>\n<p>Offenbar wäre im Jahr 2010 der Index für Deutschland gestiegen und für die anderen gefallen und man hätte allmählich begonnen, die politischen Empfehlungen genau umzukehren. Wäre aufgrund des Index jemals eine andere Politik empfohlen worden als aufgrund des Wachstums alleine? Wären diese Empfehlungen besser gewesen als ohne Index? Vermutlich nicht, weil ohnehin jeder, der ernsthafte Empfehlungen machen will, mehrere Indikatoren zu Rate zieht und nicht nur das Einkommen allein. Weder beim Wachstum allein noch bei einem umfassenderen Index kommt man ohne ein geeignetes Verständnis der Zusammenhänge aus, wenn man Schlussfolgerungen für politisches Handeln ziehen will.</p>\n<p>Das ist das unausweichliche Dilemma der neuen Messungsversuche: Macht man den Index viel komplizierter, indem man ihn ausweitet, kann man ihn (was heißt, die Zusammenhänge zwischen den verschiedenen Einzelindikatoren) immer weniger verstehen und immer weniger erklären. Wenn man die Bewegungen des Index aber nicht mehr erklären kann, ist er für die Politik sinnlos und man ist zurückgeworfen auf nachvollziehbare Zusammenhänge und kausale Beziehungen. Der Index wird ignoriert. Das ist übrigens das Schicksal, das dem <a href=\"http://hdr.undp.org/en/statistics/hdi/\">Human Development Index (HDI) von United Nations Development Programme (UNDP</a>) beschieden ist. Für einen Tag im Jahr bestimmt er die Schlagzeilen, weil alle Journalisten es interessant finden, das Ranking ihres oder anderer Länder zu kommentieren, aber dann verschwindet er sofort wieder in der Versenkung, weil er für die Politikberatung überhaupt nicht taugt.</p>\n"}]}}]},"allDatoCmsEdition":{"edges":[]},"allDatoCmsSpotlight":{"edges":[]}},"pageContext":{"id":"DatoCmsArticle-9474583-de","edition":"","spotlight":""}},"staticQueryHashes":["1132069882","1534434256","1810303247","2076357383","2564995746","3939919066","4078341254","826177454"]}