{"componentChunkName":"component---src-templates-article-tsx","path":"/effizienz-versorgungssicherheit-und-klimanutzen-1/","result":{"data":{"allDatoCmsArticle":{"edges":[{"node":{"id":"DatoCmsArticle-8410482-de","slug":"effizienz-versorgungssicherheit-und-klimanutzen-1","articleType":"Normal","visibility":"Geschlossen","deactivateAudio":false,"authors":[{"id":"DatoCmsAuthor-7812824-de","slug":"norman-gerhardt","name":"Norman Gerhardt","description":"<strong>Norman Gerhardt</strong> studierte Erneuerbare Energien und Energieeffizienz an der Universität Kassel. Seit 2009 ist er wissenschaftlicher Mitarbeiter am Fraunhofer IWES (vormals ISET) und leitet dort seit 2012 die Gruppe Energiewirtschaft und Systemanalyse. Zu seinen Forschungsschwerpunkten zählen die Transformation des Energieversorgungsystems, Technologiebewertung im Strommarkt und Interaktion Strom-Wärme und Strom-Verkehr.","shortDescription":"","picture":null,"books":[]}],"title":"Effizienz, Versorgungssicherheit und Klimanutzen – 1","smallTitle":"Ökologie","publishDate":"2017-01-23T23:00:58+01:00","editDate":"2019-06-04T09:07:21+02:00","seo":null,"image":{"title":"istock.com/zhengzaishuru","fluid":{"base64":"data:image/jpeg;base64,/9j/4AAQSkZJRgABAQAAAQABAAD/2wCEAAoHBwgHBgoICAgLCgoXDhUQDg0QDhUdFRUOFxcbGBYVFiEmKysvGh0oHRUWJTUlKC0vMjIyGSI4PTcwPCsxMi8BCgsLAg0OHBAQHDsoIig7Lzs7Ozs7Ozs7Oy81Ly8vOzs1Ozs7Lzs7Oy8vLy8vLy8vOy8vOy8vLy8vLy8vLy8vL//AABEIABAAGAMBIgACEQEDEQH/xAAXAAADAQAAAAAAAAAAAAAAAAAABAUG/8QAHBAAAQUBAQEAAAAAAAAAAAAAAQACAwYRBCEF/8QAFwEAAwEAAAAAAAAAAAAAAAAAAwQGAv/EAB4RAAAFBQEAAAAAAAAAAAAAAAABBQYHAhIVIUEE/9oADAMBAAIRAxEAPwDMclYlmkzFUjp7mO9CT5Lc2HoGt8Vp9xhADiFVepwKVB6CZJMlGIP0qu+N+gFCa77rzvOBmoWKHMp2gmLkUuj/2Q==","aspectRatio":1.5,"width":2121,"height":1414,"src":"https://www.datocms-assets.com/19658/1611007945-istock-507105484.jpg?auto=format","srcSet":"https://www.datocms-assets.com/19658/1611007945-istock-507105484.jpg?auto=format&dpr=0.1&w=2121 200w,\nhttps://www.datocms-assets.com/19658/1611007945-istock-507105484.jpg?auto=format&dpr=0.19&w=2121 400w,\nhttps://www.datocms-assets.com/19658/1611007945-istock-507105484.jpg?auto=format&dpr=0.38&w=2121 800w,\nhttps://www.datocms-assets.com/19658/1611007945-istock-507105484.jpg?auto=format&dpr=0.57&w=2121 1200w,\nhttps://www.datocms-assets.com/19658/1611007945-istock-507105484.jpg?auto=format&dpr=0.76&w=2121 1600w,\nhttps://www.datocms-assets.com/19658/1611007945-istock-507105484.jpg?auto=format&dpr=1&w=2121 2121w","sizes":"(max-width: 800px) 100vw, 800px"},"customData":{}},"content":[{"__typename":"DatoCmsText","id":"DatoCmsText-8410481-de","text":"<h3>Auf Makroskop wurden mehrere Artikel veröffentlicht, die die Funktionsfähigkeit eines auf Wind- und Solarenergie basierenden Energieversorgungssystems sehr kritisch bewerteten (<a href=\"https://makroskop.eu/2016/11/schlechtes-wetter-fuer-die-energiewende/\">hier</a>). Was sagen dazu die wissenschaftlichen Erkenntnisse der letzten Jahre aus dem Bereich der Energiesystemanalyse?</h3>\n<h3>Der Ausbau von Windenergie und Photovoltaik spart Emissionen</h3>\n<p>Es ist richtig, dass sich die Emissionsentwicklung in Deutschland den Anschein erwecken könnte, dass zwar Milliarden in den Ausbau erneuerbarer Energien gesteckt werden, wir aber mit deren Reduktion nicht vorankommen. Richtig ist auch, dass durch den Kernkraftausstieg erst einmal emissionsintensive Kohlekraftwerke diese Position teilweise einnehmen.</p>\n<hr />\n<p><a href=\"https://makroskop-assets.fra1.digitaloceanspaces.com/wp/web/app/uploads/2017/01/20170120_Gerhardt_Abb05.png\"><img class=\"alignnone size-full wp-image-21718\" src=\"https://makroskop-assets.fra1.digitaloceanspaces.com/wp/web/app/uploads/2017/01/20170120_Gerhardt_Abb05.png\" alt=\"\" width=\"824\" height=\"712\" /></a></p>\n<hr />\n<p>Jedoch muss man sich vor Augen führen, dass Deutschland in einen europäischen Strommarkt eingebunden ist und deswegen der Bilanzrahmen der Emissionen auch nur Europa sein kann. So ist der Nettostromexport von Deutschland in seine Nachbarländer von 6 TWh im Jahr 2011 (Atom-Moratorium) auf 48 TWh in 2015 angestiegen (siehe <a href=\"http://bmwi.de/DE/Themen/Energie/Energiedaten-und-analysen/energiedaten.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">hier</a>).</p>\n<p>Dies führt dazu, dass in Deutschland mehr Emissionen anfallen, aber dafür auch im Ausland eingespart werden. Für die EU-28 in Summe kann man eine kontinuierliche Reduktion der Emissionen feststellen (hier als relative Entwicklung dargestellt seit dem Jahr 2010).</p>\n<hr />\n<p><a href=\"https://makroskop-assets.fra1.digitaloceanspaces.com/wp/web/app/uploads/2017/01/201701_Gerhardt01_Abb01.png\"><img class=\"alignnone size-full wp-image-21686\" src=\"https://makroskop-assets.fra1.digitaloceanspaces.com/wp/web/app/uploads/2017/01/201701_Gerhardt01_Abb01.png\" alt=\"\" width=\"1516\" height=\"893\" /></a></p>\n<hr />\n<p>Grundsätzliche Kritik gibt es oft an der Nicht-Funktionsfähigkeit des europäischen Emissionshandelssystems, welches Großkraftwerke und weite Teile der Industrie erfasst. Richtig ist, dass hier durch die europäische Wirtschaftskrise Überkapazitäten im Markt vorhanden sind. Deswegen kann man zwar nicht grundsätzlich unterstellen, dass die Emissionen derzeit gedeckelt werden. Dennoch führt jede weitere Kilowattstunde aus Wind- und Solarstrom, die mit dem EEG gefördert wird, dazu, dass eine Kilowattstunde weniger mit fossilem Strom bereitgestellt werden kann. Je nachdem welches Grenzkraftwerk dadurch verdrängt wird, wird auch entsprechend CO2 eingespart.</p>\n<h3>Wir brauchen zukünftig viel Strom und müssen dies in der heutigen Infrastrukturplanung berücksichtigen und im Ausbau antizipieren</h3>\n<p>Um Klimaziele überhaupt erreichen zu können, bedarf es einer hohen Stromkapazität. Denn nur Wind- und Solarenergie stehen mit hohen Flächenpotenzialen zu vertretbaren Kosten zur Verfügung. Und Strom muss zukünftig stark dazu eingesetzt werden, auch die Energieverbräuche im Bereich Gebäudewärme, Verkehr und Industrieprozesswärme zu dekarbonisieren. Dies bedeutet aber auch, dass man nicht alles, was man heute versäumt, später wieder aufholen kann. Ein Ausbau von Wind- und Solarenergie bedarf einer Anpassung der Infrastruktur (Stromnetze, Fertigungskapazitäten, Personal, Häfen und Schiffe, …). Langfristig ist diese Infrastruktur zudem durch den Ersatz von Altanlagen gebunden, so dass der Ausbau nicht mehr beliebig gesteigert werden kann. Der Bereich der Gebäudewärme weist lange Lebensdauern und Investitionszyklen auf (Sanierung, Austausch von Heizungen, Bau von Wärmenetzen). Um überhaupt mittelfristig handlungsfähig zu bleiben, darf das Ausbautempo heute nicht verlangsamt, sondern muss in den meisten Bereichen gesteigert werden.</p>\n<p>Auch zu den Kosten der Energiewende gibt es mehrere Untersuchungen (z.B. <a href=\"https://www.ise.fraunhofer.de/de/veroeffentlichungen/veroeffentlichungen-pdf-dateien/studien-und-konzeptpapiere/studie-was-kostet-die-energiewende.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">hier</a>), wobei sich die Mehrkosten (auch ohne Gutschriften durch externe Effekte beim Klimaschutz) im Rahmen halten. Zudem bestehen grundsätzlich positive volkswirtschaftliche Wirkungen durch die Investition in produktive Infrastruktur. Grundsätzlich ist die Kostendiskussion vor allem eine Verteilungsfrage. So tragen vor allem Haushalten, Gewerbe und Mittelständler die Kosten und die energieintensive Industrie profitiert von Ausnahmeregelungen im Bereich EEG-Umlage und Netzentgelte und gefallenden Börsenpreisen. Welche Rolle hier bestehende Kernkraftwerke auf kürzere oder längere Sicht spielen, ist eine Frage der Sicherheit und muss von entsprechenden Fachleuten beantwortet werden. Es gibt aber keine technische oder ökonomische Notwendigkeit, die Laufzeiten zu verlängern, um Klimaziele einzuhalten.</p>\n<h3>Sektorenkopplung (Strom für Wärme und Verkehr) ist der Schlüssel für ein effizientes Gesamtsystem</h3>\n<p>Kritisch wurde diskutiert, inwiefern eine wetterabhängige Energieversorgung überhaupt funktionieren kann, wenn sie in Zeiten mit wenig Wind und Solarstrahlung (Dunkelflaute) immer auf thermische Kraftwerke angewiesen ist. Hier muss man sich aber Folgendes verdeutlichen.</p>\n<p>Wenn man sich auf eine Extremsituation bezieht, geht es dabei um Leistung. Da diese Extremsituation aber selten auftritt, sind die Auswirkungen auf die Energiebilanz (also das Jahresmittel) gering. Um den Klimanutzen bzw. den CO2-Ausstoß der Stromerzeugung zu bewerten, geht es um Energie (also das Jahresmittel) und nicht um Leistung. Es ist also fachlich grundlegend falsch eine Extremsituation (Leistung) zu bemühen, um generelle Auswirkungen (im Sinne von Energie) zu beurteilen. Und wenn man dennoch den Anspruch hat, die Leistungsbereitstellung langfristig emissionsfrei bereit zu stellen, dann ist grundsätzlich mit der Technologie Power-to-Gas auch die Nutzung von erneuerbaren und strombasiertem Gas mit konventionellen Gasturbinen möglich.</p>\n<p>Grundsätzlich ist Versorgungssicherheit auch ein europäisches Thema und kann nicht isoliert nur für Deutschland auf Basis historischer Daten zu Last und Erzeugung bewertet werden. Im europäischen Strommarkt ergeben sich große Ausgleichseffekte durch Wetterlagen (insbesondere bei Wind) oder Speicherwasserkraft. Und man sollte sich auch darüber im Klaren sein, dass die Kosten für zusätzliche Gasturbinen nicht ins Gewicht fallen im Vergleich zu den Stromgestehungskosten des Gesamtsystems.</p>\n<p>Mittlerweile bestehen in der Wissenschaft Systemmodelle, welche auf Basis historischer Wetterdaten für ein komplettes Jahr in stündlicher Auflösung eine mögliche und kostenminimale Transformation des deutschen und europäischen Energieversorgungssystem berechnen können. Im Rahmen des Projektes „Interaktion EE-Strom, Wärme und Verkehr“ (Fraunhofer IWES und IBP, IFEU, SUER (2015): Interaktion EE-Strom, Wärme und Verkehr. Kassel; <a href=\"https://www.iee.fraunhofer.de/content/dam/iwes-neu/energiesystemtechnik/de/Dokumente/Veroeffentlichungen/2015/Interaktion_EEStrom_Waerme_Verkehr_Endbericht.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Endbericht</a>, <a href=\"https://www.iee.fraunhofer.de/content/dam/iwes-neu/energiesystemtechnik/de/Dokumente/Veroeffentlichungen/2015/Interaktion_EEStrom_Waerme_Verkehr_Kurzfassung.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Kurzfassung</a>) wurde beispielsweise der Nachweis angetreten, wie ein europäisches Klimaziel im Jahr 2050 mit sehr hohen Leistungen fluktuierender erneuerbarer Energien funktionieren kann. Hierbei kommen neben dem bestehenden Stromverbrauchsanwendungen viele neue Stromverbraucher in das System, um auch die Emissionen in den Bereichen Gebäudewärme, Verkehr und Industrieprozesswärme reduzieren zu können. Gerade durch neue Sektorkopplungsanwendungen in Verbindung mit mobilen elektrischen oder thermischen Speichern sowie durch Hybridtechnologien, welche bei geringer EE-Erzeugung auf ein thermisches Back-Up-Aggregat zurückgreifen können, ergibt sich die Flexibilität, um auch sehr hohe Anteile von Wind- und PV in das System zu integrieren und effizient zu verwenden. Beispiele hierfür sind dezentrale Wärmepumpen in Gebäuden, Großwärmepumpen in Wärmenetzen, Elektrodenkessel im Bereich Industriedampf, elektrische Autos, Lkws und Busse oder neue elektrische Verfahren in der Industrie.</p>\n<p>Wenn man aus dieser Simulation einmal den Blick auf einen Ausschnitt von 2 Wochen wirft, wird dieses Zusammenwirken von Wind- und Solarstrom mit der Sektorkopplung zu einem effizienten Gesamtsystem deutlich (der gesamte Jahresverlauf in stündlicher Auflösung ist <a href=\"http://www.energieversorgung-elektromobilitaet.de/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">hier</a> zu finden).</p>\n<hr />\n<p><a href=\"https://makroskop-assets.fra1.digitaloceanspaces.com/wp/web/app/uploads/2017/01/201701_Gerhardt01_Abb03.png\"><img class=\"alignnone size-full wp-image-21693\" src=\"https://makroskop-assets.fra1.digitaloceanspaces.com/wp/web/app/uploads/2017/01/201701_Gerhardt01_Abb03.png\" alt=\"\" width=\"1713\" height=\"989\" /></a></p>\n<p>Quelle: Gerhardt, N. (2016): Die Rolle von Sektorkopplung und Flexibilisierung zur kosteneffizienten Zielerreichung. <a href=\"https://www.bmwi.de/BMWi/Redaktion/PDF/P-R/praesentation-sektorkopplung-03-gerhardt-iwes,property=pdf,bereich=bmwi2012,sprache=de,rwb=true.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Vortrag</a> im Rahmen der Plattform Strommarkt, BMWi. 21.11.2016, Berlin.</p>\n<hr />\n<p>Durch die Sortierung dieser einzelnen Jahreszeitreihen zu Jahresdauerlinien (der Höhe nach aber zeitlich unabhängig zueinander) wird deutlich, dass Wind und PV den herkömmlichen unflexiblen Stromverbrauch in bestehenden Anwendungen massiv überspeisen. Zudem ergibt sich durch den europäischen Ausgleich eine weitere Reduktion der verbleibenden Erzeugungslücken, also dem Bereich der positiven Residuallast. Durch den neuen Stromverbrauch kommt es aber in Zeiten mit wenig EE-Einspeisung nur zu einem geringen Anstieg des Stromverbrauchs, so dass relativ wenig thermische Kraftwerke benötigt werden. Stattdessen nimmt der neue Stromverbrauch vorwiegend erneuerbaren Strom auf, so dass sehr wenig Wind-und Solarstrom abgeregelt werden muss (ca. 2%).</p>\n<hr />\n<p><a href=\"https://makroskop-assets.fra1.digitaloceanspaces.com/wp/web/app/uploads/2017/01/201701_Gerhardt01_Abb04.png\"><img class=\"alignnone size-full wp-image-21694\" src=\"https://makroskop-assets.fra1.digitaloceanspaces.com/wp/web/app/uploads/2017/01/201701_Gerhardt01_Abb04.png\" alt=\"\" width=\"1401\" height=\"918\" /></a></p>\n<p>Quelle: Gerhardt, N. (2016): Die Rolle von Sektorkopplung und Flexibilisierung zur kosteneffizienten Zielerreichung. <a href=\"https://www.bmwi.de/BMWi/Redaktion/PDF/P-R/praesentation-sektorkopplung-03-gerhardt-iwes,property=pdf,bereich=bmwi2012,sprache=de,rwb=true.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Vortrag</a> im Rahmen der Plattform Strommarkt, BMWi. 21.11.2016, Berlin.</p>\n<hr />\n<p><strong> </strong></p>\n"}]}}]},"allDatoCmsEdition":{"edges":[]},"allDatoCmsSpotlight":{"edges":[]}},"pageContext":{"id":"DatoCmsArticle-8410482-de","edition":"","spotlight":""}},"staticQueryHashes":["1132069882","1534434256","1810303247","2076357383","2564995746","3939919066","4078341254","826177454"]}