{"componentChunkName":"component---src-templates-article-tsx","path":"/die-ruckkehr-des-rentiers/","result":{"data":{"allDatoCmsArticle":{"edges":[{"node":{"id":"DatoCmsArticle-8409565-de","slug":"die-ruckkehr-des-rentiers","articleType":"Normal","visibility":"Geschlossen","deactivateAudio":false,"authors":[{"id":"DatoCmsAuthor-7812816-de","slug":"hartmut-elsenhans","name":"Hartmut Elsenhans","description":"<strong>Hartmut Elsenhans</strong> ist Politikwissenschaftler und emeritierter Professor für Internationale Beziehungen in Leipzig. Sein letztes Buch erschien 2015 im amerikanischen Sage Verlag: Saving Capitalism from the Capitalists. World Capitalism and Global History. Er lehrte in Canada, Senegal, Indien, Pakistan und Portugal. Feldsforschungen führten ihn auch nach Algerien, Frankreich und Bangladesh.","shortDescription":"","picture":null,"books":[]}],"title":"Die Rückkehr des Rentiers?","smallTitle":"Theorie","publishDate":"2017-08-31T22:00:18+02:00","editDate":"2018-03-29T14:41:26+02:00","seo":null,"image":{"title":"istock.com/Bene_A","fluid":{"base64":"data:image/jpeg;base64,/9j/4AAQSkZJRgABAQAAAQABAAD/2wCEAAoHBwgHBgoICAgLChQLDhgVDhcWDhYVEQ4NFx0lHRYfFhUmIy0jGh0oKRUWJDUlKC0vMjIyGSI4PTcwPCsxMi8BCgsLAg0OHBAQHDsoIhw7Ozs7Ozs7OzsvOzsvOzs7LzsvOzs7Oy8vLy8vOzsvLzUvLy8vLy8vLy8vLy8vLy8vL//AABEIAA4AGAMBIgACEQEDEQH/xAAYAAACAwAAAAAAAAAAAAAAAAAGBwABBf/EACAQAAEDBAIDAAAAAAAAAAAAAAEAAgUDBAYxIUEREhP/xAAXAQADAQAAAAAAAAAAAAAAAAAEBQYD/8QAGxEAAQUBAQAAAAAAAAAAAAAAAQACAwUxIRH/2gAMAwEAAhEDEQA/AM0SLG3bSCNplwMm2pZsAPSQTbur9Wn2O0xcbk6zbVvPSTFt17qpZoakhEmaSIZajkK0AZ3M3Bphvnai1bHfEagSyoHCv//Z","aspectRatio":1.748427672955975,"width":3336,"height":1908,"src":"https://www.datocms-assets.com/19658/1610053393-istock-636341898.jpg?auto=format","srcSet":"https://www.datocms-assets.com/19658/1610053393-istock-636341898.jpg?auto=format&dpr=0.06&w=3336 200w,\nhttps://www.datocms-assets.com/19658/1610053393-istock-636341898.jpg?auto=format&dpr=0.12&w=3336 400w,\nhttps://www.datocms-assets.com/19658/1610053393-istock-636341898.jpg?auto=format&dpr=0.24&w=3336 800w,\nhttps://www.datocms-assets.com/19658/1610053393-istock-636341898.jpg?auto=format&dpr=0.36&w=3336 1200w,\nhttps://www.datocms-assets.com/19658/1610053393-istock-636341898.jpg?auto=format&dpr=0.48&w=3336 1600w,\nhttps://www.datocms-assets.com/19658/1610053393-istock-636341898.jpg?auto=format&dpr=0.72&w=3336 2400w,\nhttps://www.datocms-assets.com/19658/1610053393-istock-636341898.jpg?auto=format&dpr=1&w=3336 3336w","sizes":"(max-width: 800px) 100vw, 800px"},"customData":{}},"content":[{"__typename":"DatoCmsText","id":"DatoCmsText-8409564-de","text":"<h3>Ohne steigende Masseneinkommen wird es eine Rückkehr zur Rentenökonomie geben. Die Folgen wären gravierend. Dabei ist eine Wirtschaftspolitik, die sich an steigenden Realeinkommen orientiert, relativ „idiotensicher“.</h3>\n<p>Kapitalisten streben regelmäßig danach, sich den vom Mechanismus der Konkurrenz auferlegten Beschränkungen der Akkumulation zu entziehen. Sie wollen Geld verdienen. Die Art, wie das geschieht, also das „Wie“ der Aneignung vom \"Mehrwert\", ist ihnen prinzipiell gleichgültig. Auf den Konkurrenzmechanismus pochen sie nur, wenn sie darunter leiden, dass andere Unternehmen zum Zweck ihrer eigenen Bereicherung die Konkurrenz einschränken.</p>\n<p>Auf Krisentendenzen reagieren Kapitalisten deshalb mit dem Versuch, Marktunvollkommenheiten einzuführen oder von Regierungen einführen zu lassen.</p>\n<p>Weil aber Kapitalisten stets auch Renten anstreben, ist eine Umverteilung zu ihren Lasten durchaus möglich, ohne Wachstumsverluste zu verursachen. Renten, nämlich Ressourcen durch Zahlungen aus in Aktien oder Anleihen angelegtem Kapital oder der Vermietung von Immobilien, die Empfänger aufgrund genau dieser Marktunvollkommenheiten erhalten, würden Ihnen dann einfach entzogen werden.</p>\n<p>Renten werden für Investitionen nicht benötigt. Sie sind deshalb anders als Profite nicht durch den Mechanismus geschützt, dass ohne Investitionen die Produktionskapazitäten nicht zur Befriedigung der neuen Nachfragen ausreichen würden. Sie können deshalb anders als Profite umverteilt werden.</p>\n<h3>Wichtige ökonomische und gesellschaftliche Folgen</h3>\n<p>Aus dieser Unterscheidung zwischen Profit und Rente ergeben sich wichtige ökonomische und gesellschaftliche Folgen. Profite steigen nicht, wenn die Löhne sinken. Lohnsteigerungen erweitern aber die zu erwartende Nachfrage, so dass Unternehmer, die ihre Marktanteile halten wollen, Investitionen tätigen.</p>\n<p>Die Profite steigen aber nicht alleine deshalb, weil die Nachfrage steigt. Sondern erst, wenn die Nachfrage so stark steigt, dass Unternehmer mit einer Erweiterung der Produktionskapazitäten durch Investitionen reagieren.</p>\n<p>Umgekehrt schaffen Lohnsteigerungen nur dann keine Investitionen, wenn ein vorangegangener Nachfrageeinbruch im Vergleich zu den Kapazitäten so tief ist, dass es immer noch zu viele unausgelastete Kapazitäten gibt, auf die Unternehmer bei einer Nachfragesteigerung zugreifen könnten.</p>\n<p>Kann ein solcher Prozess – den ein Liberaler wie Wilhelm Röpke<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]</a> als Überwindung einer sekundären Krise darstellte und damit als Liberaler den Keynesianern recht gab – nicht in Gang gesetzt werden, dann bleibt den Neoklassikern nur die Möglichkeit des Kaputtsparens der Wirtschaft. Und zwar solange, bis die Produktionsanlagen derart heruntergekommen sind, dass auch für eine inzwischen sehr niedrige Nachfrage neue Produktionsmittel beschafft werden müssen. Insofern ist die Neoklassik, die genau diese Politik vertritt, nicht falsch, sondern unangemessen, weil sie sich auf eine irrelevante Konfiguration bezieht.</p>\n<p>Weil im Aufschwung Investitionen und Beschäftigung rasch steigen, steigen die Profite und im Regelfall die Löhne.<a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\">[2]</a> Umgekehrt gilt, dass in der Krise wegen sinkender Nettoinvestitionen Profite und Löhne sinken. Löhne und Profite entwickeln sich bis zur Vollbeschäftigung also parallel und nicht gegenläufig.</p>\n<p>Wäre der Profit etwas, das „übrig bleibt“, weil die gierigen Arbeiter seiner nicht habhaft werden konnten, dann würde die Regel gelten, dass Lohnsteigerungen Profite vermindern.<a href=\"#_ftn3\" name=\"_ftnref3\">[3]</a> Bei Vollbeschäftigung kommt es zu inflationären Spannungen. Diese können jedoch relativ problemlos durch die Geldpolitik der Zentralbank gelöst werden.</p>\n<p>Das Wachstum der Profitmasse (nicht der Profitrate) ist durch die Nachfrage nach Investitionsgütern begrenzt, die wiederum vom Wachstum der Gesamtnachfrage abhängt. Weil die Akkumulation von Investitionsgütern nur im Rahmen der Steigerung von Produktion und/oder Produktivität (steigende Stückkosten bei konstanten Reallöhnen und unveränderten Umweltauflagen sind ausgeschlossen, siehe oben) möglich ist, gibt es für die Kapitalakkumulation eine Grenze.</p>\n<p>Der technische Fortschritt führt zur permanenten Entwertung des Kapitalstocks. Er spiegelt sich wider im konstanten Kapitalkoeffizienten (der auch mit einer relativ konstanten Lohnquote einhergeht). Dieser Entwertungsprozess wird sowohl durch den Wertverlust nicht verwertbarer Überkapazitäten (Überakkumulation) als auch durch die Entwertung bestehender durch leistungsfähigere Investitionsgüter realisiert.</p>\n<p>Diese Zusammenhänge bedeuten nichts anderes, als dass eine zum Wachstum des Volkseinkommens überproportionale Anhäufung von Reichtum (durch Renten) nur außerhalb des durch Konkurrenz geprägten Teils der Wirtschaft möglich ist.</p>\n<p>Logischerweise hat deshalb Piketty den Kapitalbegriff auf alle Elemente von Reichtum ausgedehnt.<a href=\"#_ftn4\" name=\"_ftnref4\">[4]</a> Während Mancur Olson zuvor die Krise kapitalistischer Gesellschaften daraus abgeleitet hat, dass es den Reichen gelingt, immer größere Wettbewerbsbeschränkungen durchzuführen, um ihre Reichtümer als Renten zu sichern.<a href=\"#_ftn5\" name=\"_ftnref5\">[5]</a></p>\n<p>Für die Steigerung der Renten gibt es als Grenze nur die Überlebensfähigkeit der für den Produktionsapparat notwendigen Arbeitskräfte (vielleicht bei niedrigstem Versorgungsniveau).</p>\n<p>Weil der Kapitalismus kurzfristig über kompensierende, letztlich eben auf Rentenaneignung beruhenden Strategien gesichert werden kann, ergibt sich ein ideologischer Raum, indem vorkapitalistische Vorstellungen über Wachstum begründet werden können. So etwa die These, Wachstum hänge von der Konzentration immer größerer Ressourcen in den Händen der Reichen ab.</p>\n<p>Dies ist von Bedeutung, weil Ressourcen, die nicht durch den Nachfragedruck von Arbeit und darauffolgende Investitionsausgaben entstehen, nicht einfach verschwinden. Sie existieren oder sie könnten existieren, wenn jemand ihre Nutzung erzwingen kann.</p>\n<p>Dazu muss im Regelfall die Wirtschaft politisiert werden, um die infrage kommenden Ressourcen vor ihrer Entwertung zu retten: Bei vollständiger Konkurrenz sinken die Preise. Nicht benötigte Ersparnisse kann der Anbieter nicht für sich behalten. Er behält diese, wenn er und seine Konkurrenten für ihr wirtschaftliches Überleben notwendige Käufe tätigen (müssen), ohne die auch ein Konkurrent nicht wirtschaftlich überleben könnte. Eine Nutzung, allerdings ohne Nachfrage für die reale Wirtschaft, ist die Anlage auf Finanzmärkten.</p>\n<p>Wenn aufgrund mangelnder Massennachfrage Investitionen und Profite langsamer wachsen als es angesichts des technischen Fortschritts möglich wäre, erweitert sich der Spielraum für politisch angeeignete Einkommen. Potentiell erwerbbare Überschüsse werden verfügbar. Weil sie mangels Nachfrage von den Unternehmen nicht investiert werden, können sie nur als Renten angeeignet werden. Sie werden dann zur Beute politisch mächtiger Teile der Privilegierten, die dazu Monopolsituationen oder staatliche Hilfen einsetzen. Ohne Nachfrage nach zusätzlichen Kapazitäten führen die Ressourcen nicht zu Investitionen.</p>\n<p>Kommt es nicht zu einer solchen politischen Zuweisung von Ressourcen, dann werden die zusätzlichen Verteilungsspielräume nicht genutzt. Es entsteht dann mehr Arbeitslosigkeit. Werden sie genutzt, unterstreichen die Kritiker, dass das betreffende Konjunkturprogramm verpufft wäre, weil die mangelnde Nachfrage nicht durch bloße Verbesserung der Versorgung mit Kredit geschaffen werden könne.</p>\n<h3>Wenn Gott keine Arbeit gibt</h3>\n<p>In der Diskussion, ob Wachstum durch Lohnsteigerungen oder durch Verfügbarkeit von finanziellen Ressourcen hervorgerufen wird, dem sogenannten Marglin-Bhaduri-Modell<a href=\"#_ftn6\" name=\"_ftnref6\">[6]</a>, zeigt sich inzwischen, dass Wachstum nur im Fall kleiner Länder auf die Verfügbarkeit von Ressourcen zurückgeführt werden kann: Niemand hat bestritten, dass exportorientierte kleine Länder nicht von ihrer Binnennachfrage, sondern von ihrer äußeren Nachfrage abhängen. Aufgrund der Exporterlöse sind ihre Einnahmen so hoch, dass sie die notwendigen Investitionen nicht über interne Kreditschöpfung, sondern über Devisenerlöse finanzieren können.<a href=\"#_ftn7\" name=\"_ftnref7\">[7]</a></p>\n<p>Kapitalismus ist deshalb „wage-led“. Krisen sind Folge unzureichender Nachfrage und nicht zu geringer Ressourcen für Investitionen. Frühzeitig werden deshalb Krisen mit öffentlicher Beschäftigung bekämpft. Es ist keine Erfindung von Keynes, auf Beschäftigungsmangel mit öffentlichen Arbeitsprogrammen zu reagieren. Selbst in dem nicht besonders kapitalistischen Mogulenfürstentum Awadh wurde Ende des 18. Jahrhunderts die Regierungspraxis eines verschwenderischen Wezirs mit Namen Asaf-du-Daulah, der teure Bauten errichtete, von der Bevölkerung mit folgendem Sprichwort charakterisiert:</p>\n<blockquote><p>«Wem Gott keine Arbeit gibt, dem gibt Asaf-du-Daulah Arbeit.»<a href=\"#_ftn8\" name=\"_ftnref8\">[8]</a></p></blockquote>\n<p>Trotz dieser Praxis, auch in Europa und den USA im 19. Jahrhundert, hat die Neoklassik auf die wirtschaftspolitische Diskussion vor allem deshalb Einfluss gewinnen können, weil der wirtschaftspolitisch schwache Staat des 19. Jahrhunderts sie gar nicht anwenden konnte. Im Krisenfall reagierte er auf politische Bedrohungen entgegen den Empfehlungen der Neoklassik mit ad hoc beschlossenen Programmen öffentlicher Arbeiten zur sozialpolitischen Stabilisierung.</p>\n<p>An der Rolle des Staates als Arbeitsbeschaffer lässt sich der grundsätzliche Unterschied zwischen Neoklassikern und Keynesianern aufzeigen, allerdings auch ihre Nähe. Die staatlichen Defizitausgaben dienen bei Keynes der Steigerung der Beschäftigung. Ihr möglicher Beitrag zum Wachstum auf Grund der Steigerung der Produktivität wird nicht diskutiert, weil die Krise nicht Ausdruck eines Mangels an Ressourcen ist. Sobald von der Nachfrageseite Vollbeschäftigung herrscht, kommen Wachstum und Innovation ohne staatliches Deficit Spending wieder in Gang.</p>\n<p>Bei Keynes gilt also, dass der Kapitalismus bei Vollbeschäftigung mikroökonomisch weitgehend entsprechend den Beschreibungen der Neoklassik funktioniert. Viele Keynesianer haben aber darüber hinaus in ihrer Kritik der Neoklassik darauf bestanden, dass die derzeitige real existierende, stark oligopolistisch verfasste und vermachtete kapitalistische Wirtschaft auch mikroökonomisch nicht nach den Vorstellungen der Neoklassik funktioniert.</p>\n<p>Allerdings bringt der Nachweis solcher Abweichungen für den grundlegenden Dissens zwischen Keynesianern und Neoklassik keinen bedeutenden Beitrag: dieser besteht nämlich darin, dass Keynesianer zeigen, dass in einer Geldwirtschaft diejenigen, die Geld besitzen, dieses nicht nachfragewirksam verwenden müssen. Vollbeschäftigung ist deshalb ein „Schönwetterzustand“, der grundsätzlich nicht von den Marktkräften herbeigeführt wird.</p>\n<p>Zweifel der Keynesianer am neoklassischen Preisbildungsmechanismus (Monopole, oligopolistische Konkurrenz) hegen auch die Neoklassiker. Sie beschränken sich nicht darauf, diese festzustellen, sondern wollen diese beseitigen.</p>\n<p>Monetaristisch orientierte Keynesianer glauben, dass diese Defizite mit den Instrumenten von Geldpolitik und Fiskalpolitik anzugehen sind. Je tiefer die Ungleichgewichte, desto weniger wirksam sind die hier vorgeschlagenen kompensierenden Maßnahmen auf der Ebene der Staatsausgaben, der Stärkung der Nachfrage aus hohen Einkommen und auch Exportüberschüsse. Ohne Nachfrage führt erhöhte Kreditversorgung nicht zu Wachstum, wie die europäische Zentralbank derzeit demonstriert. Zusätzliche Ausgaben führen demnach nur dann zur Wiederherstellung des kapitalistischen Wachstumsprozesses, wenn sie die Unternehmer zwingen, neue Produktionskapazitäten durch Investitionen zu schaffen.</p>\n<p>Wenn Nachfrage fehlt, führt die Verbesserung der Geldversorgung nicht zu mehr Beschäftigung. Ein Beharren auf der alten Strategie in der Form des dann eben „Mehr-der-gleichen-Medizin-Verabreichens“ läuft Gefahr, langfristig zur Potenzierung der Ungleichgewichte und zur Vertiefung späterer Krisen zu führen. Ebenso wie der Markt der Neoklassik nicht Stabilität schafft, trifft dies auch für die fiskal- und finanzpolitischen Maßnahmen der Keynesianer zu, so dass der entscheidende Punkt das gesellschaftliche Kräftegleichgewicht zwischen Lohnarbeit und Kapital ist.</p>\n<p>Wenn Arbeit über Verhandlungsmacht verfügt, dann können die Überschüsse in den Händen der Unternehmer allein durch eine konsequente Politik der Lohnsteigerungen so begrenzt werden, dass sie gerade für Investitionen ausreichen, für die es zahlungsfähige Wachstumsmärkte gibt. Dann gibt es keine Rest-Überschüsse, die die Wirtschaft als Renten destabilisieren, weil sie als Kosten auftreten ohne gleichzeitig zu Nachfrage nach produzierten Gütern und Dienstleistungen, also Arbeitsplätzen führen.</p>\n<p>Eine Wirtschaftspolitik, die sich vorrangig am Interesse der Arbeiter an steigenden Realeinkommen orientiert, ist also relativ „idiotensicher“, weil Lohnforderungen der Arbeiter nur die Renten, nicht aber den Profit bedrohen.</p>\n<p>Profite stellen eine besondere Form der Aneignung von wirtschaftlichem Überschuss dar. Sie sind Ausdruck von Fortschrittlichkeit von Kapitalismus. Weil zum ersten Mal unabhängig von ihrem Gutdünken die Privilegierten ihr Bereicherungsstreben nur durch Berücksichtigung der Interessen der unteren Schichten befriedigen können. Wenn sie sich von dieser Bindung befreien, zerstören sie den Kapitalismus und werden selbst zu neuen Rentiers.</p>\n<hr />\n<h5><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1] </a>Roepke, Wilhelm: <em>Crises and Cycles</em> (London et al.: William Hodge, 1936): 119.</h5>\n<h5><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]</a> außer wenn wegen hoher Beschäftigung Produktionsfaktoren für die Verwirklichung von Investitionsausgaben nicht verfügbar sind. Dies führt wiederum dazu, dass die Produktion nicht angemessen erhöht werden kann, mit der Fole einer Erhöhung der Inflationsrate führt: Zwangssparen, Keynes, John Maynard: <em>A Treatise on Money</em> (London: Macmillan, 1930): 182.</h5>\n<h5><a href=\"#_ftnref3\" name=\"_ftn3\">[3]</a> So verhalten sich Renten und Masseneinkommen: Während der großen Pest im 14. Jh.  steigen die Landarbeitereinkommen. Die die Bodenrenten sinken.</h5>\n<h5><a href=\"#_ftnref4\" name=\"_ftn4\">[4] </a>Piketty, Thomas: <em>Capital in the Twenty-First Century (Electronic Version)</em> (Cambridge: Belknap, 2014): 50.</h5>\n<h5><a href=\"#_ftnref5\" name=\"_ftn5\">[5]</a> Olson, Mancur: <em>The Rise and Decline of Nations: Economic Growth, Stagflation, and Social Rigidities</em> (New Haven, Conn.: Yale University Press, 1982): 124.</h5>\n<h5><a href=\"#_ftnref6\" name=\"_ftn6\">[6]</a> Bhaduri, Amit; Marglin, Stephen: \"Unemployment and the Real Wage: the Economic Basis for Contesting Political Ideologies\", in: <em>Cambridge Journal of Economics</em>, 14, 4 (1990): 375-393</h5>\n<h5><a href=\"#_ftnref7\" name=\"_ftn7\">[7]</a> Stockhammer, Engelbert; Onaran, Özlem: \"Wage-led Growth: Theory, Evidence, Policy\", in: <em>Review of Keynesian Economics</em>, 1, 1 (Frühjahr 2013);  61-78. Onaran, Özlem: \"Wage- versus Profit-led Growth in the Context of Globalization and Public Spending: the Political Aspects of Wage-led Recovery\", in: <em>Review of Keynesian Economics</em>, 4, 4 (Winter 2016):646.</h5>\n<h5><a href=\"#_ftnref8\" name=\"_ftn8\">[8]</a> <em>Asaf-ud-Dala</em> (Wikipedia, 2017), &lt;&lt;http://https://en.wikipedia.org/wiki/Asaf-ud-Daula&gt; (28/06/2017)</h5>\n"}]}}]},"allDatoCmsEdition":{"edges":[]},"allDatoCmsSpotlight":{"edges":[]}},"pageContext":{"id":"DatoCmsArticle-8409565-de","edition":"","spotlight":""}},"staticQueryHashes":["1132069882","1534434256","1810303247","2076357383","2564995746","3939919066","4078341254","826177454"]}