{"componentChunkName":"component---src-templates-article-tsx","path":"/die-lokomotive-die-ruckwarts-fuhr-und-andere-einfache-wahrheiten/","result":{"data":{"allDatoCmsArticle":{"edges":[{"node":{"id":"DatoCmsArticle-8887550-de","slug":"die-lokomotive-die-ruckwarts-fuhr-und-andere-einfache-wahrheiten","articleType":"Normal","visibility":"Geschlossen","deactivateAudio":null,"authors":[{"id":"DatoCmsAuthor-5697487-de","slug":"heiner-flassbeck","name":"Heiner Flassbeck","description":"<p><strong>Heiner Flassbeck </strong>ist Mitbegr&uuml;nder von MAKROSKOP.<span> Er war Honorarprofessor an der Universit&auml;t Hamburg, Chef-Volkswirt der UNCTAD und Staatssekret&auml;r im BMF. Seine Hauptarbeitsgebiete sind die Globalisierung, die Theorie der wirtschaftlichen Entwicklung sowie Geld- und W&auml;hrungstheorie.</span></p>","shortDescription":"<p><strong>Heiner Flassbeck </strong>ist Mitbegr&uuml;nder von MAKROSKOP.<span> Er war Honorarprofessor an der Universit&auml;t Hamburg, Chef-Volkswirt der UNCTAD und Staatssekret&auml;r im BMF. 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Kaum hat man es gesagt, schon ist es geschehen. Mehrfach <a href=\"http://www.flassbeck-economics.de/koalitionsverhandlungen-fuer-die-wirtschaft-oder-fuer-eine-wirtschaftliche-wende/\">(z. B. hier)</a> haben wir uns im Laufe des vergangenen Jahres lustig gemacht über die Aussage, Deutschland sei die Lokomotive in Europa, ja fast für die ganze Welt, weil es doch ein so dynamisches Wachstum gebe. Zuerst hat sich das mit dem Wachstum erledigt, nun auch noch das mit der Lokomotive.</p>\n<p class=\"MsoNormal\">Die deutschen Einfuhren sanken nämlich absolut im Jahr 2013, <a href=\"https://www.destatis.de/DE/PresseService/Presse/Pressemitteilungen/2014/02/PD14_040_51.html\">meldet das Statistische Bundesamt</a>. Wie kann das sein in einer Wirtschaft, die doch „brummt“ und von einem Rekord zum nächsten eilt? War es nicht sogar so, dass die anderen Länder froh sein mussten, dass es eine so kräftig brummende deutsche Wirtschaft gab, weil sie selbst dadurch mehr als Vorleistungen nach Deutschland exportieren konnten? Und war es nicht gerade in der Europäischen Währungsunion, dass Deutschland allen anderen mit seiner Dynamik half? Wie passt dazu der Satz des Bundesamtes: „<span style=\"mso-bidi-font-family: Arial; color: #202022;\">In die Länder der Eurozone wurden im Jahr 2013 Waren im Wert von 401,9 Milliarden  Euro (– 1,2 %) geliefert und Waren im Wert von 401,2 Milliarden  Euro (– 0,2 %) aus diesen Ländern bezogen.“</span></p>\n<p class=\"MsoNormal\">Irgendwie ist da etwas schiefgegangen, die Lokomotive ist rückwärts gefahren. Aber immerhin ist der deutsche Überschuss gestiegen. Die Exporte sind zwar auch zurückgegangen, aber weniger als die Importe. Das führt dazu, dass Deutschland den höchsten Überschuss aller Zeiten im Außenhandel vermeldet. Der Leistungsbilanzüberschuss hat die historische Marke von 200 Milliarden Euro überschritten, die Handelsbilanz liegt nur knapp darunter. Da freuen sich die Ausländer, dass Deutschland wieder so fleißig gespart hat. Damit hat es nämlich dem Ausland ermöglicht, für sage und schreibe 200 Milliarden Euro deutsche Produkte auf Pump zu kaufen. Danke, Deutschland!</p>\n<p class=\"MsoNormal\">Ansonsten gibt es aktuell nur zu vermelden, dass das auch 2014 wohl so weiter geht, denn das Einzige, was an der deutschen Konjunktur nach oben zeigt, ist die Nachfrage des Auslandes.</p>\n<p class=\"MsoNormal\"><span style=\"mso-no-proof: yes;\"><a href=\"http://www.flassbeck-economics.de/wp-content/uploads/2014/02/10.02._AE.png\"><img class=\"aligncenter size-full wp-image-4205\" alt=\"10.02._AE\" src=\"http://www.flassbeck-economics.de/wp-content/uploads/2014/02/10.02._AE.png\" width=\"726\" height=\"444\" /></a></span></p>\n<p class=\"MsoNormal\">Wie schon im Vormonat erkennbar, ist die Inlandsnachfrage absolut flach, nur die Auslandsaufträge beleben sich leicht. Die Auftragseingänge insgesamt sind aber im Dezember leicht zurückgegangen – genauso wie die Industrieproduktion.</p>\n<p class=\"MsoNormal\">Ein nettes Detail am Rande ist, dass der Bundesminister für Wirtschaft (BMWI), der diese Zahlen als erster veröffentlicht, seit neuestem auf der ersten Seite seines Internetauftritts immer den Zweimonatsvergleich bringt, der in der eigentlichen Pressemitteilung erheblich weiter hinten steht. Aber ist ja klar, zuletzt war der Zweimonatsvergleich positiv, während der Einmonatsvergleich negativ war. Da hat sich sicher ein pfiffiger Pressemensch gedacht, wir wollen doch die Leute und unsere Freunde in den Medien nicht verunsichern und schreiben mal vorneweg das Positive. Ich bin mal gespannt, was die machen, wenn der Zweimonatsvergleich und der Einmonatsvergleich negativ sind? Dann werden die bestimmt irgendeinen Vergleich finden, der positive Zahlen anzeigt.</p>\n<p class=\"MsoNormal\">Noch viel bedenklicher als die deutschen Zahlen sind Zahlen zum Einzelhandelsumsatz in Europa. Wie schlecht der deutsche Einzelhandel war, haben wir ja schon gemeldet, für die Eurozone ist ein solcher Absturz aber viel bedenklicher, weil sie eine viel weniger offene Volkswirtschaft als Deutschland ist (ihr Außenhandelsanteil ist viel niedriger). Hier gab es im Dezember einen regelrechten Einbruch <a href=\"http://epp.eurostat.ec.europa.eu/cache/ITY_PUBLIC/4-05022014-AP/EN/4-05022014-AP-EN.PDF\">(hier das Originalbild von EUROSTAT</a>), der alle Meldungen widerlegt, wonach das Schlimmste überwunden ist.<span style=\"mso-spacerun: yes;\">  </span></p>\n<p class=\"MsoNormal\"><span style=\"mso-no-proof: yes;\"><a href=\"http://www.flassbeck-economics.de/wp-content/uploads/2014/02/10.02._Retail-Trade.png\"><img class=\"aligncenter size-full wp-image-4206\" alt=\"10.02._Retail Trade\" src=\"http://www.flassbeck-economics.de/wp-content/uploads/2014/02/10.02._Retail-Trade.png\" width=\"1016\" height=\"743\" /></a></span></p>\n<p class=\"MsoNormal\">Das alles ist an den deutschen Medien natürlich wieder weitgehend vorbeigegangen, denn die wollen sich ja nicht mit solchen unangenehmen Fragen befassen.</p>\n<p class=\"MsoNormal\">Wie man auf intelligente Weise die globale Lage im die im Euroraum kommentieren kann, zeigt beispielhaft wieder einmal <a href=\"http://www.telegraph.co.uk/finance/comment/ambroseevans_pritchard/10620608/Insular-ECB-is-playing-dangerous-game-of-chicken-with-deflationary-world-forces.html\">Ambrose Evens-Pritchard im englischen Telegraph</a>. Er schreibt, es gäbe die „Illusion einer Erholung im Euroraum“, obwohl die Investitionstätigkeit permanent rückläufig ist. Und er beklagt die Tatenlosigkeit der EZB, die zugesehen habe, wie das Deflationsrisiko immer größer wurde, ohne energisch dagegen vorzugehen (das muss man im Lichte der in Deutschland grassierenden Angst vor einer zu aktiven EZB sehen!). Und er stellt auch fest, dass die vom Bundesverfassungsgericht zu behandelnde Frage, ob die EZB ‚Quantitative Easing‘ in gleicher Weise wie die anderen großen Notenbanken durchführen kann, eine Nebelbombe ist. Könnte die EZB nicht jede Art von Assets jederzeit kaufen, Rotwein und Grüner Käse eingeschlossen, wäre sie eben keine funktionierende Notenbank. Wollten das die deutschen Kläger vor dem Bundesverfassungsgericht erreichen? Die letzten beiden Absätze dieses Artikels sollten sie selbst lesen!</p>\n<p class=\"MsoNormal\"><b style=\"mso-bidi-font-weight: normal;\">Ein Leser merkt zu den deutschen Außenhandelszahlen an:</b></p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"mso-pagination: none; mso-layout-grid-align: none; text-autospace: none;\"><span style=\"mso-bidi-font-family: Verdana;\">Unter der Teilüberschrift \"Geschönte Zahlen\" </span><a href=\"http://www.fr-online.de/schuldenkrise/exporte--problematischer-rekord-,1471908,26119688.html\"><span style=\"mso-bidi-font-family: Verdana;\">schreibt die FR</span></a><span style=\"mso-bidi-font-family: Verdana;\">:</span></p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"mso-pagination: none; mso-layout-grid-align: none; text-autospace: none;\"><i><span style=\"mso-bidi-font-family: Verdana;\">\"Laut den am Freitag veröffentlichten Zahlen, ist der politisch brisante Überschuss Deutschlands mit den Ländern der Euro-Zone fast verschwunden: Er betrug nur noch 700 Millionen Euro.  Der Bundesverband der deutschen Industrie lobte daher: ‚Der deutsche Außenhandel war 2013 eine Triebkraft für die allmähliche Belebung der Konjunktur in der Europäischen Union. Die deutschen Einfuhren aus diesen Ländern haben deutlich stärker zugenommen als die Ausfuhren in diese Länder‘.</span></i></p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"mso-pagination: none; mso-layout-grid-align: none; text-autospace: none;\"><em>Doch so rosig ist die Lage nicht. Denn die aktuelle Statistik beruht auf dem Versendungsland-Prinzip. Das bedeutet: Eine chinesische Ware, die über die Niederlande nach Deutschland geliefert wird, zählt als niederländischer Export. Aussagekräftiger ist das so genannte Ursprungsland-Prinzip, in dem diese Ware als chinesische Lieferung gezählt wird.</em></p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"mso-pagination: none; mso-layout-grid-align: none; text-autospace: none;\"><em>Nach dieser Statistik – die erst für die ersten elf Monate 2013 vorliegt – sieht es so aus: Deutlich mehr nach Deutschland exportieren konnten 2013 nur die Niederlande, Portugal und Belgien. Spanien gelang ein moderates Plus. Aus Frankreich, Griechenland, Irland und Italien bezog Deutschland weniger Importe. Das Defizit dieser Länder im Handel mit Deutschland schrumpfte nur, weil ihre Einfuhren aus Deutschland noch stärker sanken. Gegenüber Griechenland konnte Deutschland seinen Überschuss im vergangenen Jahr sogar ausweiten.</em></p>\n<p class=\"MsoNormal\"><em>Fazit: Trotz einigen Verbesserungen erzielt Deutschland gegenüber den EU-Krisen- und  Wackelstaaten weiter hohe Handelsüberschüsse. Berechnet nach dem Ursprungsland-Prinzip lag der Überschuss mit der Euro-Zone 2013 bei 56 Milliarden Euro.\"</em></p>\n"}]}}]},"allDatoCmsEdition":{"edges":[]},"allDatoCmsSpotlight":{"edges":[]}},"pageContext":{"id":"DatoCmsArticle-8887550-de","edition":"","spotlight":""}},"staticQueryHashes":["1132069882","1534434256","1810303247","2076357383","2564995746","3939919066","4078341254","826177454"]}