{"componentChunkName":"component---src-templates-article-tsx","path":"/die-logik-der-flash-boys-und-warum-die-faz-schon-wieder-daneben-liegt/","result":{"data":{"allDatoCmsArticle":{"edges":[{"node":{"id":"DatoCmsArticle-8887375-de","slug":"die-logik-der-flash-boys-und-warum-die-faz-schon-wieder-daneben-liegt","articleType":"Normal","visibility":"Geschlossen","deactivateAudio":null,"authors":[{"id":"DatoCmsAuthor-5697487-de","slug":"heiner-flassbeck","name":"Heiner Flassbeck","description":"<p><strong>Heiner Flassbeck </strong>ist Mitbegr&uuml;nder von MAKROSKOP.<span> Er war Honorarprofessor an der Universit&auml;t Hamburg, Chef-Volkswirt der UNCTAD und Staatssekret&auml;r im BMF. Seine Hauptarbeitsgebiete sind die Globalisierung, die Theorie der wirtschaftlichen Entwicklung sowie Geld- und W&auml;hrungstheorie.</span></p>","shortDescription":"<p><strong>Heiner Flassbeck </strong>ist Mitbegr&uuml;nder von MAKROSKOP.<span> Er war Honorarprofessor an der Universit&auml;t Hamburg, Chef-Volkswirt der UNCTAD und Staatssekret&auml;r im BMF. 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Dass diese Zeitung, um welches Thema es auch immer geht, sogar gegen jede Logik das Dogma des immer effizienten Marktes verteidigt, ist seit Langem klar. Dass in dieser Zeitung aber nicht einmal bei einem neuen, in seinen Auswirkungen wirklich noch nicht voll verstandenen Phänomen reflexartig wieder das Marktergebnis als effizient angesehen und entsprechend verteidigt wird, ist eigentlich nur noch lächerlich.</p>\n<p>Ich beschäftige mich trotzdem erneut damit, weil es immens wichtig ist, dass viele Leute verstehen lernen, was da gespielt wird, wer profitiert und wer verliert unter den gegenwärtigen Spielregeln. Denn nur wer die Logik der Spielregeln und ihre Ergebnisse begreift, kann begründen, warum er diese Spielregeln für unsere Gesellschaft als schädlich ansieht und welche Änderungen er deshalb konkret fordert. Je mehr Menschen sich nicht durch das Fachchinesisch der Finanzbranche an der Nase herumführen oder gleich vom Mitdenken abhalten lassen, desto eher besteht die Chance, Mehrheiten für sinnvolle Regulierungen zu organisieren.</p>\n<p>Doch zurück zur FAZ. Sie verteidigt das Marktergebnis aktuell beim Thema Hochfrequenzhandel, der in einem gerade erschienenen Buch („Flash Boys“ von dem amerikanischen Reporter Michael Lewis) für massenhafte Manipulation des Marktes verantwortlich gemacht wird. Und wie fast immer hat die FAZ einen deutschen Professor zur Hand (meist von der verdächtig einseitigen Frankfurt School of Finance), der das wissenschaftliche Plazet für das Vorurteil der FAZ erteilt. Dieses Mal tut das Martin Hellmich, Professor für Financial Risk Management an dem besagten Institut.</p>\n<p>„Privatanleger erleiden durch den Hochgeschwindigkeitshandel nur dann einen messbaren Vermögensschaden, wenn es systematische, langfristige Preisverzerrungen gibt“, sagt Hellmich. „Das widerspricht aber dem Geist des Hochgeschwindigkeitshandels, der minimale Preisunterschiede ausnutzt.“ Bisher habe man systematische Verzerrungen nicht nachweisen können, wodurch sich die Aussage, der Hochfrequenzhandel raube den Privatanleger aus, nicht halten lässt“, <a href=\"http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/hochfrequenzhandel-keine-angst-vor-den-flash-boys-12911495.html?printPagedArticle=true\">so die FAZ</a>.</p>\n<p>Dass sich klar nachweisen lässt (<a href=\"http://www.flassbeck-economics.de/abo-preview-rohstoffspekulation-der-stand-der-dinge/\">siehe meinen Artikel über das Treffen bei der Deutschen Bank</a>), dass es auch im Hochfrequenzhandel die Korrelation von Rohstoffpreisen und Aktienkursen gegeben hat, die auf systematische Preisverzerrungen schließen lässt, hat Martin Hellmich offenbar noch nie gehört (der Artikel erschien in Algorithmic Finance 2 (2013) S. 233–239). Auch dass Nicolas Maystre, David Bicchetti und zwei andere Autoren von der ETH Zürich mit hochmodernen Methoden nachgewiesen haben, dass im Hochfrequenzhandel fast alle Informationen, auf die die Marktteilnehmer reagieren, endogen sind, also im Markt selbst entstehen und nicht von außen stammen, würde das einfache Weltbild, das man an der Frankfurt School of Finance entwirft, offensichtlich stören. (Das Papier der vier Autoren findet man <a href=\"http://papers.ssrn.com/sol3/papers.cfm?abstract_id=2237392.\">hier</a>.)</p>\n<p>Denkt man kritisch nach, kann man auch selbst darauf kommen, dass in Sekundenbruchteilen die Informationen, die Marktteilnehmer bzw. ihre Computer nutzen, nicht zur Effizienz eines Marktes beitragen können. Natürlich kann man mit superschnellen Computern Preisdifferenzen schneller erkennen und schneller darauf reagieren als ohne sie. Es spricht aber nichts dafür, dass die Hochfrequenzhändler nur das tun und nicht auch, wiederum schneller als alle anderen, auf schon bestehende Trends aufspringen. Im Sekundentakt gibt es ja keine neuen Informationen von den realen Märkten, die man verarbeiten könnte. Also bleibt nichts, als sich an den ohnehin schon existierenden Informationen zu orientieren und diese auszunutzen. Das kann die Ausnutzung einer Preisdifferenz sein, es kann aber auch die massenhafte Ausnutzung von kurzfristig vorhandenen Trends sein, die dann durch die Hochfrequenzhändler verstärkt werden, was die Preise eindeutig verzerrt.</p>\n<p>Das ist dann klassisches Herdenverhalten bzw. Fischschwarmverhalten, von dem noch niemand nachweisen konnte, dass es Märkte effizient macht. Das Gegenteil ist der Fall: Herdenverhalten zerstört die Effizienz von Märkten, weil es zu sich selbst verstärkenden Prozessen führt, die in der Regel ein Überschießen von Preisen zur Folge haben, also genau das bewirken, was der Frankfurter Professor „Preisverzerrungen“ nennt. Und die können in der Tat systematisch und langfristig sein, jedenfalls lang genug andauern, um den wirklich produktiv Arbeitenden auf den realen Märkten das Leben schwer zu machen.</p>\n<p>Wollen wir zur dienenden Funktion der Finanzmärkte gegenüber der Realwirtschaft zurückkehren, müssen diese Auswüchse unproduktiver Finanzakrobatik abgestellt werden. Bevor es die technischen Möglichkeiten gab, die Voraussetzung des Hochfrequenzhandels sind, hat sich die Realwirtschaft mindestens ebenso gut, wenn nicht sogar stabiler und damit erfolgreicher entwickelt. Das ist auch nicht erstaunlich, weil die Zeithorizonte, mit denen auf realwirtschaftlichen Märkten gearbeitet wird, niemals im Millisekunden- oder auch nur Minutenbereich angesiedelt sind. Ein Acker lässt sich nicht im Handumdrehen bestellen, Früchte wachsen und reifen nicht über Nacht, eine Fabrikhalle kann nicht innerhalb weniger Tage geplant und aufgestellt werden, selbst ein Auto kann bei aller Automatisierung der Fertigung nicht in einer Stunde hergestellt werden.</p>\n<p>Es liegt auf der Hand, dass eine Dominanz der Realwirtschaft gegenüber der Finanzwirtschaft nicht zu erreichen ist, ohne dass die Zeithorizonte der Realwirtschaft den Takt vorgeben und nicht umgekehrt die Finanzmärkte ihr Tempo der Realwirtschaft aufdrücken. Schließlich liefert die Realwirtschaft doch die Informationen, die auf den Finanzmärkten angeblich effizient verarbeitet werden sollen. Also muss ihr Rhythmus Vorrang haben. Was also spricht für den Einsatz des Hochfrequenzhandels? In meinen Augen lediglich der Profit derjenigen, die ihn einsetzen, und zwar auch zu Lasten der übrigen Marktteilnehmer und der Realwirtschaft.</p>\n<p>Wenn man den Sumpf trocken legen will, darf man nicht die Frösche fragen.</p>\n"}]}}]},"allDatoCmsEdition":{"edges":[]},"allDatoCmsSpotlight":{"edges":[]}},"pageContext":{"id":"DatoCmsArticle-8887375-de","edition":"","spotlight":""}},"staticQueryHashes":["1132069882","1534434256","1810303247","2076357383","2564995746","3939919066","4078341254","826177454"]}