{"componentChunkName":"component---src-templates-article-tsx","path":"/die-kampagne-zur-nahrungsmittelspekulation-geht-weiter-noch-immer-ohne-jede-substanz/","result":{"data":{"allDatoCmsArticle":{"edges":[{"node":{"id":"DatoCmsArticle-9474923-de","slug":"die-kampagne-zur-nahrungsmittelspekulation-geht-weiter-noch-immer-ohne-jede-substanz","articleType":"Normal","visibility":"Geschlossen","deactivateAudio":null,"authors":[{"id":"DatoCmsAuthor-5697487-de","slug":"heiner-flassbeck","name":"Heiner Flassbeck","description":"<p><strong>Heiner Flassbeck </strong>ist Mitbegr&uuml;nder von MAKROSKOP.<span> Er war Honorarprofessor an der Universit&auml;t Hamburg, Chef-Volkswirt der UNCTAD und Staatssekret&auml;r im BMF. Seine Hauptarbeitsgebiete sind die Globalisierung, die Theorie der wirtschaftlichen Entwicklung sowie Geld- und W&auml;hrungstheorie.</span></p>","shortDescription":"<p><strong>Heiner Flassbeck </strong>ist Mitbegr&uuml;nder von MAKROSKOP.<span> Er war Honorarprofessor an der Universit&auml;t Hamburg, Chef-Volkswirt der UNCTAD und Staatssekret&auml;r im BMF. 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Mai</a> hat er (zusammen mit Thomas Glauben) erneut Stellung bezogen und allen, die einen Zusammenhang sehen zwischen bestimmten Arten spekulativer Finanzinvestitionen, vorgeworfen, wissenschaftliche Erkenntnisse zu ignorieren. Er beruft sich dabei in erster Linie auf eine Studie, die die internationale Forschungsliteratur auswertet und dabei zu dem klaren Ergebnis kommt, dass die erdrückende Mehrheit der Fachwelt nicht der Ansicht ist, dass spekulative Geschäfte im Bereich von Nahrungsmitteln für ein steigendes Preisniveau oder erhöhte Preisschwankungen und damit auch für zunehmenden Hunger  in der Welt verantwortlich sind. Dass die schiere Mehrheitsmeinung in Wissenschaftskreisen noch lange kein überzeugendes Argument gegen Überlegungen einiger weniger Leute sind, die sowohl theoretisch fundiert als auch empirisch eindeutig belegt sind, weiß man seit Galileos Zeiten. Der Unterschied zu heute ist hauptsächlich, dass es damals lebensgefährlich war, eine dem Mainstream widersprechende Meinung zu vertreten. Die Wahrung der Machtinteressen der Herrschenden und deren wissenschaftliche Bemäntelung ist hingegen ein offenbar langlebiges Motiv. Weil ich in dem Beitrag von Ingo Pies direkt angegriffen werde, will ich hier, obwohl ich <a href=\"http://www.flassbeck-economics.de/das-termingeschaft-als-synonym-fur-spekulation-mit-rohstoffen-ist-am-falschen-platz-2/\">dazu schon vor einiger Zeit Stellung genommen habe</a>, einiges noch einmal aufgreifen.</p>\n<p>Ingo Pies hat erkannt, dass es auf den Derivatemärkten offenbar Institutionen gibt, die da eigentlich nicht hingehören: Indexfonds, die auf nichts anderes setzen, als dass die Preise steigen, wie er selbst zugeben muss. Abgesehen davon, dass die große Zeit der Indexfonds an den Rohstoffmärkten schon seit längerem vorbei ist und sie von Money Managern und zuletzt von High Frequency Tradern abgelöst wurden, zeigt seine Argumentation doch sehr schön, wie man die Positionen so verdrehen kann, dass sie nur noch schwer zu entlarven sind.</p>\n<p>„Indexfonds sind auf diesem Kassamarkt gar nicht aktiv. Sie engagieren sich ausschließlich auf dem Terminmarkt. Hier ermöglichen sie, dass Landwirte sich gegen Preisrisiken absichern können. Daran ist nichts Unanständiges: Terminmärkte sind Versicherungsmärkte. Dort werden nicht Lebensmittel gehandelt, sondern Preisrisiken. Indexfonds operieren hier im Modus institutionalisierter Solidarität.“</p>\n<p>Das ist einfach und schlicht falsch und, wenn es jemand mit wissenschaftlichem Anspruch so hinschreibt, ist es unglaublich unverfroren. Weil die Fonds nur long operieren, wie Ingo Pies einräumt (siehe Zitat unten), können sie ja gar nicht in einer Weise spekulieren, dass sie zum Beispiel einem Landwirt das Risiko, dass die Preise fallen, abnehmen. Die \"echten\" Rohstoff-Spekulanten, die das tun, operieren in beiden Marktrichtungen, d.h., sie spekulieren auf steigende oder fallende Preise, je nachdem, wie sich ihre Einschätzung von der der Landwirte unterscheidet. Gegen diese Art der Spekulation hat auch kein vernünftiger Mensch etwas einzuwenden, es gibt sie seit mehr als hundert Jahren und niemand hat gefordert, sie zu verbieten.</p>\n<p>Die unglaublichen Mengen an Geld, die aber in die Derivatemärkte geflossen sind, haben mit dieser Art von Spekulation und mit Absicherung überhaupt nichts zu tun. Sie sind „investment“, versuchen also in der Tat, billig zu kaufen und teuer zu verkaufen (dies mittlerweile im Millisekundenbereich, sie gehen also \"long\" über beliebig kurze Zeit). Zu sagen, das sei „institutionalisierte Solidarität“, ist an Chuzpe nicht mehr zu überbieten.</p>\n<p>Das ist aber noch nicht genug, das Tollste kommt noch: „Hierzu sind folgende Klarstellungen angebracht: \"Long-only\"-Indexfonds sind keine aktiven Trendsetter. Vielmehr verhalten sie sich passiv und zeichnen mit ihrem Portfolio lediglich den Markttrend nach. Hierbei verfolgen sie eine Handelsstrategie, die billiger gewordene Anlagen zukauft und teurer gewordene Anlagen verkauft. Dies trägt tendenziell zur Preisstabilisierung bei und versorgt den Markt auch in schwierigen Zeiten mit Liquidität, wenn traditionelle Marktteilnehmer eher zurückhaltend sind, Preisrisiken zu übernehmen. Indexfonds stärken also die Versicherungsfunktion des Terminmarkts und verbessern damit zugleich die volkswirtschaftliche Risikoallokation.“</p>\n<p>Wenn einer oder viele also auf einen fahrenden Zug aufspringen, dann sind sie keine Trendsetter laut Ingo Pies. Wenn morgen halb Deutschland Aktien kauft, weil alle Leute an der Hausse teilhaben wollen, dann wird das laut Ingo Pies keinen Einfluss auf den Aktienkurs haben, weil man dann lediglich den \"Markttrend nachzeichnet\". Wenn hunderte von Milliarden zusätzlich an bestimmten Derivatemärkten „investiert\" werden, dann erhöht das nicht die Nachfrage und den Preis, nicht wahr? Was ist das für ein Markt, auf dem eine massive Zunahme der Nachfrage den Preis nicht über jenen Preis hinaus erhöht, der sonst gegolten hätte?! Auf welche Weise soll das zur \"Preisstabilisierung\" beitragen? Hat Ingo Pies jemals eine Vorlesung in Mikro II gehört? Der nächste Satz ist schon wieder falsch, weil die Indexfonds unter den „Investoren“ ja gerade kein Preisrisiko übernehmen wollen, sondern in ihrer long-Strategie ausschließlich auf die Preiserhöhungen setzen, die sie durch ihr Herdenverhalten selbst zustande bringen.</p>\n<p>Bezeichnend ist, dass sich Ingo Pies noch nie zu den Korrelationen der Preise <i>über verschiedene Finanzmärkte hinweg</i> geäußert hat, die eindeutig die Finanzialisierung von Rohstoffmärkten belegen, also die Beherrschung dieser Märkte durch die Finanzinstrumente, mit denen auf ihnen operiert wird, und nicht durch die realen Gütermengen, die ihre eigentliche Handelsbasis sind. Auch hat er noch nie gesagt, wie man Herdenverhalten, das <a href=\"http://www.flassbeck-economics.de/spekulation-mit-rohstoffen-aus-unhaltbaren-argumenten-wird-niemals-ein-haltbarer-standpunkt/\">inzwischen empirisch eindeutig nachgewiesen ist</a>, mit Marktwirtschaft in Einklang bringt. Aber warum sollte er sich mit solchen Dingen auseinandersetzen, wo es doch um das Große und Ganze geht, nämlich den Kampf gegen die vermeintlichen Feinde des Marktes? Es ist eben viel mehr eine Glaubensfrage, als dass es um Wissenschaft geht. Dass uns das ausgerechnet ein Wirtschafts<i>ethiker</i> vorführt, ist amüsant und bedrückend zugleich.</p>\n"}]}}]},"allDatoCmsEdition":{"edges":[]},"allDatoCmsSpotlight":{"edges":[]}},"pageContext":{"id":"DatoCmsArticle-9474923-de","edition":"","spotlight":""}},"staticQueryHashes":["1132069882","1534434256","1810303247","2076357383","2564995746","3939919066","4078341254","826177454"]}