{"componentChunkName":"component---src-templates-article-tsx","path":"/die-germanisierung-griechenlands-und-ihre-folgen/","result":{"data":{"allDatoCmsArticle":{"edges":[{"node":{"id":"DatoCmsArticle-9474310-de","slug":"die-germanisierung-griechenlands-und-ihre-folgen","articleType":"Normal","visibility":"Geschlossen","deactivateAudio":null,"authors":[{"id":"DatoCmsAuthor-5697487-de","slug":"heiner-flassbeck","name":"Heiner Flassbeck","description":"<p><strong>Heiner Flassbeck </strong>ist Mitbegr&uuml;nder von MAKROSKOP.<span> Er war Honorarprofessor an der Universit&auml;t Hamburg, Chef-Volkswirt der UNCTAD und Staatssekret&auml;r im BMF. Seine Hauptarbeitsgebiete sind die Globalisierung, die Theorie der wirtschaftlichen Entwicklung sowie Geld- und W&auml;hrungstheorie.</span></p>","shortDescription":"<p><strong>Heiner Flassbeck </strong>ist Mitbegr&uuml;nder von MAKROSKOP.<span> Er war Honorarprofessor an der Universit&auml;t Hamburg, Chef-Volkswirt der UNCTAD und Staatssekret&auml;r im BMF. 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Athener Biennale teilzunehmen. Ich hätte es lieber nicht tun sollen, denn dann hätte ich nicht die letzte Hoffnung verloren, dass die Europäische Währungsunion noch zu retten ist.</p>\n<p>Man kann sich so eine Diskussion ganz gut als Theaterstück vorstellen. Es treten also auf: Ein italienischer Ökonom, der eigentlich die Aufgabe hat, die europäische Krise zu erklären, es aber nicht tut, weil in seinem Weltbild überhaupt keine Krise auftreten kann, die nicht allein durch das Versagen staatlicher Institutionen verursacht ist. Deswegen vergleicht er die USA und Europa und fragt, welche Institutionen Europa noch brauche, um so zu werden wie die USA. Eine irische Ökonomin, die über Irland redet, aber vergisst, dass das Thema eigentlich Europa war. Zwei im Ausland ausgebildete und arbeitende griechische Ökonomen, die lang und breit darlegen, warum ihr Land eigentlich die schlechteste Wirtschaft der ganzen Welt hat und warum ohne eine vollständige Germanisierung Griechenlands die ganze Sache mit Sicherheit den Bach runter geht. Zu allem Überfluss wird aus den USA noch ein Ökonom per Video zugeschaltet, der viel über Griechenland und nichts über Europa weiß. Ein deutscher Ökonom tritt auf, von dem alle im Publikum erwarten, dass er den Griechen erklärt, dass das mit ihrem Schlendrian nicht so weiter geht, der aber komischerweise vor allem über Deutschland und Frankreich redet und den Griechen sagt, sie sollten aufhören zu jammern und ihr gutes Wetter, das Meer und den Wein genießen, so weit sie nach der bisherigen „Sanierung“ des Landes dazu noch in der Lage sind.</p>\n<p>Dann nimmt das Drama seinen Lauf, weil der deutsche Ökonom ungebremst auf den italienischen Professor prallt, dass die Fetzen nur so fliegen und die griechischen Professoren – als Kollateralschaden – schwer getroffen werden. Zum Erstaunen des Publikums sind sich die Ökonomen selbst über das scheinbar Einfachste total uneinig, weil es eigentlich nur um die Frage geht, woher die Inflation kommt und welche Rolle die nationale Produktivität spielt, wenn man in einer Währungsunion ist. Richtig begreifen tut das Publikum auch nicht, warum der Deutsche immer auf ein Bild mit Inflation und Lohnstückkosten wie einst Galilei auf seine Sterne zeigt, während sich die anderen bemühen, da genau nicht hinzugucken. Nach vier Stunden hin- und herwogender Diskussion (oder das, was die Ökonomen scheinbar für eine Diskussion halten) sind alle total abgeschlafft, und das Publikum ahnt, dass das Stück mit dem Namen Europa, über das die da geredet haben, ein schlimmes Ende nehmen wird.</p>\n<p>Ja, das Einfachste ist offenbar das Schwerste. Die drei kleinen logischen Schritte von der Frage, was bei einer Währungsunion harmonisiert wird (die Inflationsraten), über die Frage, welche Größen die Inflationsraten vorwiegend bestimmen (die Lohnstückkosten) bis hin zu der Schlussfolgerung, dass man die Lohnstückkostenentwicklung harmonisieren muss, wenn die Währungsunion von Dauer sein soll, sind für einen normal (neoklassisch) ausgebildeten Ökonomen nicht hinzukriegen. Weil sie das wegen ihrer neoklassischen Denkblockade (wenn die Lohnstückkosten die Inflation bestimmen, können die Löhne ja nicht für die Arbeitslosigkeit verantwortlich sein) nicht nachvollziehen können, fallen sie immer wieder auf die Position zurück, die Produktivitätsunterschiede in Europa seien in einer Währungsunion nicht zu überbrücken. Deswegen müsse Griechenland deutscher werden, um überleben zu können. Dass der Lohn das Scharnier zwischen unterschiedlichen Produktivitätsniveaus und Produktivitätsentwicklungen ist, verstehen sie in Italien und Griechenland ebenso wenig wie in Deutschland. Auch die Rolle, die Währungen spielen als Scharniere zwischen unterschiedlichen Lohnstückkostenentwicklungen in verschiedenen Ländern, ist der Mehrzahl der Ökonomen nicht klar (wenn das so ist, dann bedrohen uns die chinesischen Billiglöhne ja plötzlich nicht mehr).</p>\n<p>Und genau deswegen geht es nicht mit der gemeinsamen Währung. Wer zusammen ein Gebäude bauen will, muss sich vorab über die Art der Nutzung  verständigen und die Hausordnung entsprechend gestalten. Wenn man nach Einzug feststellt, dass der eine dort in Ruhe wohnen und der andere eine Kneipe betreiben will, ist der Ärger vorprogrammiert, denn für so unterschiedliche Ziele gibt es keine passende Hausordnung. Aber auch die Technik muss stimmen. Wenn sich \"die Experten\" nicht einmal auf die Grundprinzipien der Statik einigen können, wird es mit dem Hausbau auch nichts.</p>\n<p>Die armen Griechen. Sie müssten nicht germanisiert werden. Sie dürften Griechen bleiben. Sie müssten sich nur, genau wie die deutschen, an ihre eigenen Verhältnisse anpassen und das gemeinsam beschlossene Inflationsziel respektieren. Nicht mehr und nicht weniger.</p>\n<p>Dass mir dann beim späten Abendessen in Athen aber die anderen Ökonomen unisono erklärten, ich habe ja eigentlich Recht und sie würden mir schon im Grundsatz zustimmen, konnte ich nur noch mit einem großen Glas Ouzo verdauen.</p>\n"}]}}]},"allDatoCmsEdition":{"edges":[]},"allDatoCmsSpotlight":{"edges":[]}},"pageContext":{"id":"DatoCmsArticle-9474310-de","edition":"","spotlight":""}},"staticQueryHashes":["1132069882","1534434256","1810303247","2076357383","2564995746","3939919066","4078341254","826177454"]}