{"componentChunkName":"component---src-templates-article-tsx","path":"/deutsche-reallohne-sinken-im-ersten-quartal-ein-fatales-zeichen-fur-ganz-europa/","result":{"data":{"allDatoCmsArticle":{"edges":[{"node":{"id":"DatoCmsArticle-9474558-de","slug":"deutsche-reallohne-sinken-im-ersten-quartal-ein-fatales-zeichen-fur-ganz-europa","articleType":"Normal","visibility":"Geschlossen","deactivateAudio":null,"authors":[{"id":"DatoCmsAuthor-5697487-de","slug":"heiner-flassbeck","name":"Heiner Flassbeck","description":"<p><strong>Heiner Flassbeck </strong>ist Mitbegr&uuml;nder von MAKROSKOP.<span> Er war Honorarprofessor an der Universit&auml;t Hamburg, Chef-Volkswirt der UNCTAD und Staatssekret&auml;r im BMF. Seine Hauptarbeitsgebiete sind die Globalisierung, die Theorie der wirtschaftlichen Entwicklung sowie Geld- und W&auml;hrungstheorie.</span></p>","shortDescription":"<p><strong>Heiner Flassbeck </strong>ist Mitbegr&uuml;nder von MAKROSKOP.<span> Er war Honorarprofessor an der Universit&auml;t Hamburg, Chef-Volkswirt der UNCTAD und Staatssekret&auml;r im BMF. 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Die Nominallöhne sind um 1,4 Prozent gestiegen, die Verbraucherpreise um 1,5 Prozent. Selbst wenn sich das im Laufe des Jahres noch etwas nach oben verschiebt, spricht vieles dafür, dass auch dieses Jahr keineswegs den Durchbruch nach oben bei der deutschen Lohnentwicklung bringt.</p>\n<p>Die Tabelle, die vom Bundesamt mitgeliefert wird, zeigt ein ziemlich klares Muster in der Lohnentwicklung. Unmittelbar vor der Krise, also 2008, stiegen die Nominallöhne um 3,1 Prozent. In der Rezession von 2009 fiel die Zuwachsrate auf 0,1 Prozent, um 2010 wieder auf 2,7 und 2011 auf 3,3 Prozent zuzulegen. Im vergangenen Jahr, dem ersten Jahr der konjunkturellen Flaute, schwächte sich das Tempo schon ab und erreichte nur noch 2,5 Prozent. Die erneute Verringerung des Tempos im ersten Quartal dieses Jahres deutet darauf hin, dass sich die Abschwächung der Löhne angesichts des konjunkturellen Stillstands und der Verschlechterung am Arbeitsmarkt  fortsetzt. In steigenden Reallöhnen könnten sich solche geringen Nominallohnzuwächse nur niederschlagen, wenn die Inflationsrate noch weiter unter die von der europäischen Zentralbank gesetzte Zielmarke von knapp 2 Prozent fiele, als es derzeit mit 1,5 Prozent bereits der Fall ist. Das ist zwar nicht ausgeschlossen, würde aber den Weg Europas in eine Deflation beschleunigen.</p>\n<p>Damit ist aber die von allen Seiten beschworene Erholung der Binnennachfrage fundamental in Frage gestellt. Woher soll diese Erholung kommen, wenn die Einkommen der Massen nicht steigen? Wenn schon die im Zuge der konjunkturellen Abschwächung eintretende leichte Machtverschiebung am deutschen Arbeitsmarkt erneut zu Lohnmindersteigerungen führt, ist es illusorisch zu erwarten, dass eine Belebung der Binnennachfrage in Deutschland – dem bisher am wenigsten der Krise ausgesetzten Land in Europa – den in tiefer Rezession befindlichen Ländern durch eine Zunahme seiner Importe Erleichterung verschaffen könnte. Damit bricht sozusagen der letzte Pfeiler der Hoffnung auf eine selbständige Stabilisierung der Situation aus den Märkten heraus in sich zusammen, die von den orthodoxen Vertretern der Austeritätspolitik bis zuletzt verbreitet wurde. Kommt es jetzt nicht zu einer raschen Kehrtwende in der Wirtschaftspolitik, also vor allem zu einem sofortigen Ende der restriktiven Fiskalpolitik, wird vermutlich eine zweite große Depression in ganz Europa mit Massenarbeitslosigkeit ungeahnten Ausmaßes nicht mehr zu vermeiden sein.</p>\n<p>Vollkommen klar wird aber jetzt die Richtigkeit unserer seit langem vertretenen Position, dass ohne eine direkte Intervention des Staates in die Lohnverhandlungen die europäische Krise nicht zu bewältigen ist. Es gibt eben keine Automatik, die am Arbeitsmarkt in einem relativ erfolgreichen Land wie Deutschland dafür sorgen würde, dass in einem Aufschwung die Löhne stark genug steigen, um nach einer schweren Verwerfung ein Wettbewerbsgleichgewicht für die Währungsunion wiederherzustellen und gleichzeitig eine Deflation zu vermeiden. Wer jetzt von Tarifautonomie redet, hat weder die Interventionen des deutschen Staates in den letzten zehn Jahren zur Kenntnis genommen, noch die Tatsache, dass der Arbeitsmarkt nicht funktioniert wie ein Kartoffelmarkt.</p>\n"}]}}]},"allDatoCmsEdition":{"edges":[]},"allDatoCmsSpotlight":{"edges":[]}},"pageContext":{"id":"DatoCmsArticle-9474558-de","edition":"","spotlight":""}},"staticQueryHashes":["1132069882","1534434256","1810303247","2076357383","2564995746","3939919066","4078341254","826177454"]}