{"componentChunkName":"component---src-templates-article-tsx","path":"/der-zins-und-der-deutsche-sparer-wer-bastelt-sich-die-welt-wie-es-ihm-gefallt/","result":{"data":{"allDatoCmsArticle":{"edges":[{"node":{"id":"DatoCmsArticle-9474466-de","slug":"der-zins-und-der-deutsche-sparer-wer-bastelt-sich-die-welt-wie-es-ihm-gefallt","articleType":"Normal","visibility":"Geschlossen","deactivateAudio":null,"authors":[{"id":"DatoCmsAuthor-5697487-de","slug":"heiner-flassbeck","name":"Heiner Flassbeck","description":"<p><strong>Heiner Flassbeck </strong>ist Mitbegr&uuml;nder von MAKROSKOP.<span> Er war Honorarprofessor an der Universit&auml;t Hamburg, Chef-Volkswirt der UNCTAD und Staatssekret&auml;r im BMF. Seine Hauptarbeitsgebiete sind die Globalisierung, die Theorie der wirtschaftlichen Entwicklung sowie Geld- und W&auml;hrungstheorie.</span></p>","shortDescription":"<p><strong>Heiner Flassbeck </strong>ist Mitbegr&uuml;nder von MAKROSKOP.<span> Er war Honorarprofessor an der Universit&auml;t Hamburg, Chef-Volkswirt der UNCTAD und Staatssekret&auml;r im BMF. 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Doch die Großinquisitoren der deutschen Wirtschaftspresse halten tapfer dagegen. Sie holen die schärfsten Wortwaffen heraus, um die andere, die gefährliche Seite aufzudecken: Den Verlust, den die deutschen Sparer wegen niedriger Zinsen und scheinbar hoher Inflation hinzunehmen haben. Sie fürchten um das Allerheiligste, den Spargroschen, den Hort deutscher Stabilität und Stärke.</p>\n<p><a href=\"http://www.zeit.de/2013/32/sparer-inflation-zinsen\">Uwe Jean Heuser</a> in der ZEIT und <a href=\"http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/wirtschaftspolitik/niedrigzinsen-euro-umverteiler-12538690.html\">Holger Steltzner von der FAZ</a> warfen sich Ende August  zeitgleich (vielleicht sogar koordiniert) in die Bresche, um die Inflation anzuprangern, die bei Nullzinsen den Sparer bluten lässt. „Wir basteln uns die Welt, wie sie uns gefällt“ klagt Steltzner und beschwört die „finanzielle Repression“, offenbar den Versuch von irgendwem, den deutschen Sparer zu zerquetschen. Fragt man, wer der Bösewicht sein könnte, kommt man rasch auf die Zentralbanken und ihre Chefs. Was denken sich diese Technokraten, denen wir doch nur völlige Unabhängigkeit gegeben haben, um die Inflation in Schach zu halten? Heuser sieht die Inflation mit 1,9 Prozent gar an der „Schwelle“, ab der die Europäische Zentralbank (EZB) die Preisstabilität generell gefährdet sehen müsste. Steltzner spricht von der „(noch) moderaten offiziellen Inflation“.</p>\n<p>Da geht, wie so oft bei diesen Herren, doch einiges durcheinander. Zunächst muss man zur Kenntnis nehmen, dass die von der EZB festgelegten 1,9 Prozent keine „Schwelle“ sind, ab der die Inflation beginnt, sondern ein Punktziel, unterhalb dessen in den Augen der EZB Deflationsgefahr herrscht und oberhalb dessen Inflationsgefahr. Das ist wichtig, weil für den Euroraum inklusive Deutschlands, abgesehen von einigen Sondereffekten, die offizielle Inflation tatsächlich für viele Monate schon unterhalb des Zieles liegt (und nach dem Ausreißer im Juli auch im August wieder), weswegen die EZB Deflation zu bekämpfen hat und nicht Inflation. Das tut man üblicherweise mit niedrigen Zinsen. Vielleicht weiß die EZB sogar, was die beiden Herren sicher nicht wissen, dass nämlich die Lohnstückkosten in der Gesamtwirtschaft die wichtigste Determinante der Inflationsrate sind und dass deren Entwicklung einen klar deflationären Bias in Europa hat, weil überall versucht wird, über Druck auf die Löhne die Wettbewerbsfähigkeit zu erhöhen.</p>\n<p>Darüber hinaus staunt man, wie klein die Welt ist, die den Chefkommentatoren als Referenz dient. Dass die USA ebenso wie Japan (schon seit zwanzig Jahren) und Großbritannien versuchen, ihre Wirtschaft mit Zinsen nahe Null anzukurbeln, ist bis in die Chefetagen der deutschen Leitmedien nicht vorgedrungen. Man könnte sogar auf die kühne Idee kommen zu fragen, ob der niedrige Zins vielleicht etwas mit Angebot und Nachfrage am globalen Kapitalmarkt zu tun hat. Kann es sein, dass überall die Investitionstätigkeit (ich meine dabei die richtigen Investitionen, die Investitionen in Sachanlagen, die neuen Kapitalstock schaffen, nicht den Kasinoverschiebebahnhof der Finanzmärkte) am Boden liegt? Kann es sein, dass die Weltwirtschaft es auch im fünften Jahre nach der großen Krise noch immer nicht geschafft hat, den Weg zu einem von Investitionen getragenen Aufschwung zu finden? Kann es sein, dass überall auf der Welt, aber ganz besonders in Europa, die Schuldner von den Gläubigern als treulose und faule Gesellen beschimpft werden? Kann es sein, dass auf der ganzen Welt kein Land und kein Mensch mehr Schuldner sein will, weil den Schuldnern immer die Schuld an jeder Misere zugeschrieben wird? Kann es sein, dass die globale wirtschaftliche Schwäche damit zu tun hat, dass es zu viele gibt, die Sparer und Gläubiger sein wollen, und zu wenige Investor und Schuldner?</p>\n<p>Wenn nur ein wenig von all dem sein kann, dann sollten die Herren die Schreibblöcke doch mal eine Zeit lang aus der Hand legen, sich von ihren Chefredakteuren einen Sonderurlaub genehmigen lassen und ein wenig durch die Welt reisen – auf der Suche nach dem verlorenen Schuldner sozusagen. Und wenn sie ihn gefunden haben, sollten sie ihm erklären, dass Nullzinsen nach den Gesetzen des Marktes die Zeit der Investoren und Schuldner einläuten sollen, nicht aber die der Sparer und Gläubiger. Wenn der potenzielle Schuldner sich aber auch dann noch nicht verschulden will, um zu investieren, dann sollten sie nach Hause kommen und dem deutschen Sparer ins Gewissen reden, damit auch er die Zeichen des großen Marktes versteht, die da lauten: Es gibt keinen Zins, weil einer spart, sondern nur, wenn einer (erfolgreich) investiert.</p>\n"}]}}]},"allDatoCmsEdition":{"edges":[]},"allDatoCmsSpotlight":{"edges":[]}},"pageContext":{"id":"DatoCmsArticle-9474466-de","edition":"","spotlight":""}},"staticQueryHashes":["1132069882","1534434256","1810303247","2076357383","2564995746","3939919066","4078341254","826177454"]}