{"componentChunkName":"component---src-templates-article-tsx","path":"/der-verlierer-der-grossen-koalition-heisst-europa/","result":{"data":{"allDatoCmsArticle":{"edges":[{"node":{"id":"DatoCmsArticle-8887760-de","slug":"der-verlierer-der-grossen-koalition-heisst-europa","articleType":"Normal","visibility":"Geschlossen","deactivateAudio":null,"authors":[{"id":"DatoCmsAuthor-5697487-de","slug":"heiner-flassbeck","name":"Heiner Flassbeck","description":"<p><strong>Heiner Flassbeck </strong>ist Mitbegr&uuml;nder von MAKROSKOP.<span> Er war Honorarprofessor an der Universit&auml;t Hamburg, Chef-Volkswirt der UNCTAD und Staatssekret&auml;r im BMF. Seine Hauptarbeitsgebiete sind die Globalisierung, die Theorie der wirtschaftlichen Entwicklung sowie Geld- und W&auml;hrungstheorie.</span></p>","shortDescription":"<p><strong>Heiner Flassbeck </strong>ist Mitbegr&uuml;nder von MAKROSKOP.<span> Er war Honorarprofessor an der Universit&auml;t Hamburg, Chef-Volkswirt der UNCTAD und Staatssekret&auml;r im BMF. 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Da ist es klar, dass unmittelbar nach so „bedeutenden“ Entscheidungen jeder Journalist ganz genau weiß, dass Sigmar Gabriel der neue Supermann ist und wie ein „Superministerium“ aussieht. Dass die SPD zur „Wirtschaftsmacht“ wird, <a href=\"http://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/gabriels-neue-macht-der-wirtschafts-schreck/9223704.html\">konstatiert gar das Handelsblatt</a>. Ob das Superministerium auch Superpersonal hat und Superkompetenzen in Sachfragen, schert sie nicht weiter (rühmliche Ausnahme ein Kommentar im Münchner Merkur, der in der <a href=\"http://www.deutschlandfunk.de/presseschau-aus-deutschen-zeitungen.433.de.html?drn:date=2013-12-16\">Presseschau des Deutschlandfunks</a> zu Wort kommt). Auch die nicht unwichtige Frage, ob ein Minister von seinen persönlichen Kompetenzen her zu dem Ministerium passt, wird am Rande noch bei der neuen Verteidigungsministerin diskutiert; beim Justizminister wird immerhin noch gefragt, ob er wenigstens Jurist ist; bei Wirtschaft und Finanzen fragt keiner mehr, weil man ja von vornherein weiß: Das kann jeder, der bis drei zählen kann.</p>\n<p>Die sachlich schwerwiegendste Personalie ist zweifellos die, dass die CDU im Finanzministerium sachlich und personell unverändert weitermachen wird und im Kanzleramt zumindest sachlich ebenfalls keine Änderungen zu erwarten sind. Das ist fatal, weil die SPD damit noch klarer als im Koalitionsvertrag deutlich macht, dass sie nicht vor hat, die katastrophale Europapolitik der Regierung auch nur im Ansatz zu korrigieren. Da könnte der neue „Superminister“ für Wirtschaft noch so superkompetent sein, gegen die Front von Finanzministerium und Kanzleramt hätte er keinerlei Chance. Noch schlimmer aber ist, dass er die offensichtlich auch nicht haben wollte, sonst hätte er nicht auf der Ausweitung der Zuständigkeiten des Wirtschaftsministeriums auf das Themenfeld Energie, sondern auf das Themenfeld Europa bestanden.</p>\n<p>Überhaupt ist der Verzicht der SPD auf das Finanzministerium das klare Eingeständnis, dass wir es hier nicht mit einer wirklich großen Koalition zu tun haben, sondern mit einer kleinen, in der keine Rede davon sein kann, dass die sachlich wichtigen Fragen auf der berühmten „Augenhöhe“ entschieden werden. Nur, was hätte eine SPD ohne jede Kompetenz in gesamtwirtschaftlichen Fragen auch fordern sollen? Sie hat ja bisher schon die Politik der Austerität und des Merkelschen Merkantilismus ohne jeden Widerstand durchgewunken. Weil das so ist, wird die SPD froh sein, dass sich auch „ihr“ Außenminister in Zukunft aus allen wichtigen globalen Fragen heraushält und sie dem Finanzminister überlässt. Nicht nur Europa, auch der Internationale Währungsfonds und die G 20, das einzige globale Gremium, das halbwegs funktionsfähig in der globalisierten Wirtschaft ist, gehen den Außenminister so wenig wie den Wirtschaftsminister an.</p>\n<p>Global wird es dafür aber immerhin im Arbeitsministerium zugehen, wo mit Jörg Asmussen jetzt ein beamteter Staatssekretär bestellt wird, der sich in globalen Fragen auskennt und dort gut vernetzt ist. Dass er etwas über die Besonderheiten des Arbeitsmarktes wüsste, über Löhne, Sozialleistungen und Renten zum Beispiel, hat er bisher noch nicht zum Besten gegeben, aber er wird sich auch da sicher schnell und gut vernetzen. Zudem kennt er im Finanzministerium die meisten Beamten so gut, dass er einfach anrufen kann, wenn er einen sachlichen Rat braucht. Das wird überhaupt das wichtigste Kennzeichen der Sozialdemokraten im Kabinett sein: Sie werden sich so gut vernetzen, dass sie über die Entscheidungen der Kanzlerin und des Finanzministers immer schon früh Bescheid wissen.</p>\n<p>Die wichtigste Entscheidung vergisst man bei so vielen „wichtigen“ Ministern leicht. Wenn es stimmt, dass Deutschland erneut die wichtigste Personalie, über die es in Europa zu entscheiden hat, sang- und klanglos vergeigt, kann man sich jedes weitere Nachdenken über dieses Kabinett schenken. Wenn tatsächlich Frau Lautenschläger Nachfolgerin von Jörg Asmussen wird, dann ist das der letzte Beweis dafür, dass eine europäische Währungsunion mit Deutschland niemals funktionieren kann. Schon die Art und Weise, wie man das jetzt diskutiert, zeigt, dass Deutschland mit dem Projekt \"Euro\" überfordert ist.</p>\n<p>Nichts gegen Frau Lautenschläger, aber wer jetzt nicht begreift, dass in das sechsköpfige Direktorium der europäischen Zentralbank Makroökonomen gehören, die etwas von Geldpolitik verstehen und einen kritischen Geist haben, der sie dazu befähigt, die Eurokrise zu durchdringen und unorthodoxe Geldpolitik zu installieren, dem ist nicht mehr zu helfen. Auch als Stellvertreter für die Bankenaufsicht (wo eine französische Chefaufseherin schon bestimmt ist und ein Stellvertreter aus dem Direktorium kommen soll) braucht man nicht einen weiteren Aufseher wie Frau Lautenschläger, sondern einen Ökonomen, der die Finanzmärkte versteht und kritisch hinterfragt.</p>\n<p>Doch jede Hoffnung auf ein Umdenken ist wohl fehl am Platze. Der Zug rast weiter ungebremst auf die Wand zu, deren Umrisse, wenn ich mich nicht sehr irre, schon zu erkennen sind.</p>\n"}]}}]},"allDatoCmsEdition":{"edges":[]},"allDatoCmsSpotlight":{"edges":[]}},"pageContext":{"id":"DatoCmsArticle-8887760-de","edition":"","spotlight":""}},"staticQueryHashes":["1132069882","1534434256","1810303247","2076357383","2564995746","3939919066","4078341254","826177454"]}