{"componentChunkName":"component---src-templates-article-tsx","path":"/der-iwf-zu-spanien-planwirtschaft-bitte-jetzt-sofort-einfuhren/","result":{"data":{"allDatoCmsArticle":{"edges":[{"node":{"id":"DatoCmsArticle-9474602-de","slug":"der-iwf-zu-spanien-planwirtschaft-bitte-jetzt-sofort-einfuhren","articleType":"Normal","visibility":"Geschlossen","deactivateAudio":null,"authors":[{"id":"DatoCmsAuthor-5697487-de","slug":"heiner-flassbeck","name":"Heiner Flassbeck","description":"<p><strong>Heiner Flassbeck </strong>ist Mitbegr&uuml;nder von MAKROSKOP.<span> Er war Honorarprofessor an der Universit&auml;t Hamburg, Chef-Volkswirt der UNCTAD und Staatssekret&auml;r im BMF. Seine Hauptarbeitsgebiete sind die Globalisierung, die Theorie der wirtschaftlichen Entwicklung sowie Geld- und W&auml;hrungstheorie.</span></p>","shortDescription":"<p><strong>Heiner Flassbeck </strong>ist Mitbegr&uuml;nder von MAKROSKOP.<span> Er war Honorarprofessor an der Universit&auml;t Hamburg, Chef-Volkswirt der UNCTAD und Staatssekret&auml;r im BMF. 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A significant increase in employment and reduction in inflation will be critical so that household purchasing power in the aggregate does not suffer. The challenges for all involved are enormous, and it will be crucial to avoid that the approach is watered down or needed structural reforms delayed.”</p>\n<p>Das ist einfach unglaublich: Die Institution, die mehr als alle anderen auf der Welt den Neoliberalismus gepredigt und durchgesetzt hat, erkennt das Versagen der eigenen Rezepte im Falle Spaniens, sagt das aber nicht laut und deutlich, sondern versucht das, was total schief gelaufen ist, mit der planwirtschaftlichen Brechstange zu reparieren. Das ist mehr als ein Offenbarungseid, das ist eine schamlose Dreistigkeit, die eigentlich  zum sofortigen Rauswurf der gesamten IWF Spitze führen müsste.</p>\n<p>Wenn der IWF eine Verpflichtungserklärung (\"commitment\") der Arbeitgeber verlangt, mehr Arbeitskräfte einzustellen, wenn die Arbeitnehmer auf Lohnzuwächse verzichten oder Lohnsenkungen zustimmen, hat er immerhin erkannt, was wir hier seit Monaten predigen und Friederike Spiecker und ich in unserem Buch über „Massenarbeitslosigkeit“ im Jahre 2007 ganz klar gesagt und gezeigt haben: Lohnsenkungen vernichten Arbeitsplätze. Angesichts der Evidenz kann selbst der IWF nicht mehr an dieser Erkenntnis vorbei.</p>\n<p>Mit der Entscheidung des Europäischen Rates und der Troika, im Zuge „struktureller Reformen“ von den Krisenländern Lohnsenkungen zu verlangen, damit sie ihre Wettbewerbsfähigkeit wiedergewinnen, haben diese Institutionen die Weichen auf Arbeitsplatzvernichtung gestellt. Nach einem ersten Schub an Arbeitslosigkeit im Gefolge der Rezession von 2008 und 2009 und dem Beginn der restriktiven Finanzpolitik gibt es einen zweiten Schub (von etwa 18 auf 27 Prozent bei der Arbeitslosenquote), der genau mit dem Lohnkürzungsprogramm zusammenfällt (vgl. Abbildung).</p>\n<p><a href=\"http://www.flassbeck-economics.de/wp-content/uploads/2013/06/Spanien-AL-Reallohn.jpg\"><img class=\"aligncenter size-full wp-image-1654\" src=\"http://www.flassbeck-economics.de/wp-content/uploads/2013/06/Spanien-AL-Reallohn.jpg\" alt=\"Spanien AL Reallohn\" width=\"1071\" height=\"666\" /></a></p>\n<p>Der Mechanismus, wie es dazu kam, muss hier nicht noch einmal im Detail erläutert werden, aber es ist offensichtlich, dass der außenwirtschaftlich motivierte Kurs der Lohnzurückhaltung oder Lohnsenkung in einem Land wie Spanien mit einem Anteil der Binnenwirtschaft am Bruttoinlandsprodukt von 75 Prozent zu einem Einbruch der Binnennachfrage führt, der potenzielle Erfolge bei der Verbesserung der internationalen Wettbewerbsfähigkeit weit in den Schatten stellt. Weil eine Lohnsenkung unmittelbar die Nachfrage der privaten Haushalte vermindert, kommt der neoklassische Mechanismus, der auf eine Substitution von Kapital durch Arbeit wegen der Veränderung der Faktorpreisrelationen setzt, überhaupt nicht zum Zuge. Die von den Unternehmen gezahlten Löhne pro Beschäftigten sinken zwar, aber das wird nicht durch Mehreinstellungen, wie die Neoklassik verspricht, so kompensiert, dass die Lohnsumme wenigstens konstant bliebe. Vielmehr führt die fallende Binnennachfrage unmittelbar zu Entlassungen von Arbeitskräften und steigender Arbeitslosigkeit.</p>\n<p>Wenn nun der IWF ein „commitment“ verlangt, das dazu führen soll, dass die Kaufkraft der privaten Haushalte nicht fällt, müssen er oder die spanische Regierung die Unternehmen dazu zwingen, je nach Lohnsenkung so viele Neueinstellungen vorzunehmen, dass die Lohnsumme in jedem Unternehmen unverändert bleibt. Das ist in höchstem Maße absurd und richtet sich gegen alle bis jetzt hoch gehaltenen Prinzipien der Marktwirtschaft. Das Ziel, die Wettbewerbsfähigkeit zu erhöhen, kann so nicht erreicht werden, weil die Arbeitskosten ja unverändert bleiben und mangels Nachfrage auch nicht mehr produziert wird. Zwar sinken die Lohnkosten pro Kopf, aber die Produktivität sinkt dank Zwangseinstellungen gleichzeitig, so dass die Lohnstückkosten unverändert bleiben.</p>\n<p>Es steigt allerdings die Zahl der Beschäftigten bei unveränderter Binnennachfrage und bei unverändertem Export. Das ist so wie früher in den Planwirtschaften: Wenn die Wirtschaft nicht genügend Eigendynamik hatte, verteilte man den Mangel und erlegte den Unternehmen auf, eigentlich überzählige Beschäftigte weiter zu beschäftigen oder gar neue einzustellen. In einer solchen durchgeplanten Wirtschaft könnte man auch Arbeitszeitverkürzung statt Lohnkürzung zu betreiben und es würde sicher besser, d.h. effizienter gelingen (weil die Arbeitskräfte immerhin entsprechend ihrem geringeren Lohn weniger arbeiten), die vorhandene Arbeitslosigkeit so lange umzuverteilen, bis sie statistisch nicht mehr sichtbar ist.</p>\n<p>Was aber passiert mit Unternehmen, die ihre Lohnsumme wirklich senken müssten, weil sie bisher ineffizient gewirtschaftet haben? Und wieso werden Unternehmen mit Lohnkürzung belohnt, die auch ohne diese Maßnahme neue Arbeitsplätze geschaffen hätten, weil ihr Geschäft gut läuft? Man kann das commitment ja nicht differenzieren je nach der Lage der Unternehmen, sondern muss es über alle Unternehmen und für jedes einzelne Unternehmen durchsetzen. Es kann ja nur die Regel geben, dass die Lohnsumme in jedem Fall konstant bleiben muss. Wie lange aber gilt eine solche Regel und wie lange will man die Produktivität auf diese Weise reduzieren? Bis die Beschäftigung aller Köpfe, ganz gleich zu welchem Lohn, erreicht ist? Wenn man in die Steinzeit zurückgeht, sind auch sicher alle Menschen beschäftigt, weil sie von morgens bis abends schuften müssen, um zu überleben. Kann das ein sinnvolles Ziel der Wirtschaftspolitik sein?</p>\n<p>Man sieht, es ist so absurd, dass sich kaum ein Gewerkschaftsführer trauen würde, so etwas zu fordern. Die Gewerkschaften machen solche Koppelungen von Löhnen und Beschäftigung auf der Ebene einzelner Unternehmen in „Beschäftigungssicherungsverträgen“. Schon das ist sehr umstritten. Würden sie es für die Gesamtwirtschaft fordern, würden die Unternehmen fast überall auf der Welt Zeter und Mordio schreien und das Ende der Marktwirtschaft ausrufen. Und mit einem gewissen Recht. Bisher haben viele die Marktwirtschaft für ein überlegenes System gehalten, weil es Fortschritte in der Produktivität bringt, die es bei einer geeigneten Lohnpolitik ermöglichen, einen hohen Beschäftigungsstand mit steigenden Einkommen zu verbinden. Gilt das nicht mehr, weil unter Anleitung des IWF und der Troika zuerst unsinnige neoklassische Lohnsenkung ausprobiert wird und dann deren Scheitern durch das Aushebeln des Kerns der Marktwirtschaft vertuscht werden soll, braucht man gar keine Marktwirtschaft mehr.</p>\n<p>Es ist immer das Gleiche: Niemand schafft es zu sagen, dass er sich geirrt habe. Der IWF hätte sagen müssen: Die Lohnsenkung in Spanien war ein gewaltiger Fehler, den wir sofort korrigieren müssen. Um das zu verschleiern, beginnt die Oberideologieschmiede des Neoliberalismus damit, ohne Rücksicht auf Verluste das System Marktwirtschaft zu demontieren.</p>\n"}]}}]},"allDatoCmsEdition":{"edges":[]},"allDatoCmsSpotlight":{"edges":[]}},"pageContext":{"id":"DatoCmsArticle-9474602-de","edition":"","spotlight":""}},"staticQueryHashes":["1132069882","1534434256","1810303247","2076357383","2564995746","3939919066","4078341254","826177454"]}