{"componentChunkName":"component---src-templates-article-tsx","path":"/auftragseingang-der-wichtigste-indikator-rutscht-weiter-ab-und-die-investitionen-gehen-erneut-zuruck/","result":{"data":{"allDatoCmsArticle":{"edges":[{"node":{"id":"DatoCmsArticle-9474560-de","slug":"auftragseingang-der-wichtigste-indikator-rutscht-weiter-ab-und-die-investitionen-gehen-erneut-zuruck","articleType":"Normal","visibility":"Geschlossen","deactivateAudio":null,"authors":[{"id":"DatoCmsAuthor-5697487-de","slug":"heiner-flassbeck","name":"Heiner Flassbeck","description":"<p><strong>Heiner Flassbeck </strong>ist Mitbegr&uuml;nder von MAKROSKOP.<span> Er war Honorarprofessor an der Universit&auml;t Hamburg, Chef-Volkswirt der UNCTAD und Staatssekret&auml;r im BMF. Seine Hauptarbeitsgebiete sind die Globalisierung, die Theorie der wirtschaftlichen Entwicklung sowie Geld- und W&auml;hrungstheorie.</span></p>","shortDescription":"<p><strong>Heiner Flassbeck </strong>ist Mitbegr&uuml;nder von MAKROSKOP.<span> Er war Honorarprofessor an der Universit&auml;t Hamburg, Chef-Volkswirt der UNCTAD und Staatssekret&auml;r im BMF. 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Im Mai sind die Aufträge weiter gesunken. Das allerdings war dem Großteil der deutschen Presse keine Meldung wert. Wenn man am Freitag „Auftragseingang Deutschland“ bei Google suchte, bekam man nur eine einzige Meldung aus den „deutschen Leitmedien“, nämlich von der <a href=\"http://www.welt.de/newsticker/bloomberg/article117755927/Auftragseingang-in-deutscher-Industrie-faellt-im-Mai-ueberraschend.html\">WELT</a>. Zwar wird jede noch so dubiose Umfrage, die Jubelmeldungen zulässt, breit aufgemacht, eine ernsthafte Information ihrer Leser streben die Medien allerdings nicht an, es genügt ja, die richtige Stimmung zu verbreiten.</p>\n<p><a href=\"http://www.flassbeck-economics.de/wp-content/uploads/2013/07/Auftragseingang-Juli-2013.jpg\"><img class=\"aligncenter size-full wp-image-1752\" alt=\"Auftragseingang-Juli 2013\" src=\"http://www.flassbeck-economics.de/wp-content/uploads/2013/07/Auftragseingang-Juli-2013.jpg\" width=\"994\" height=\"617\" /></a></p>\n<p>Seit Mitte 2011 (2011 ist kein Druckfehler!) geht es, wie die Graphik anschaulich zeigt, mit der deutschen Konjunktur schon seitwärts bis bergab, aber die deutsche Öffentlichkeit hat das noch nicht erreicht. Besonders beeindruckend ist das bei der Reihe, die eigentlich das Herzstück der deutschen Wirtschaft repräsentiert, den Auftragseingängen der Investitionsgüterproduzenten aus dem Inland. Es handelt sich deshalb um das Herzstück, weil sich hier zeigt, wie sich der deutsche Kapitalstock entwickelt, der unsere gegenwärtige und zukünftige Produktivität wesentlich bestimmt. Bei diesem Index (normiert auf 2010 = 100) lag der Hochpunkt im Sommer 2011 bei 115 Punkten und ist mittlerweile abgerutscht auf unter 100. Das heißt nichts anderes, als dass in der deutschen Wirtschaft gerade ein Einbruch bei der Investitionstätigkeit stattfindet.</p>\n<p>Vor zwanzig Jahren noch hätte man sich darüber jede Menge Gedanken gemacht und überlegt, warum so viele deutsche Unternehmen, die nach der Exportexplosion der letzten zehn Jahre immer noch in Geld schwimmen müssen, nicht in mehr Ausrüstungen und Sachanlagen investieren. Der Wirtschaftsminister müsste jede Woche mit neuen Analysen und Vorschlägen kommen, die sich diesem Schicksalsproblem widmen. Heute interessiert das niemanden mehr. Man hat das Wort Investition offenbar so missbraucht, dass die meisten Beobachter glauben, dass, wenn man Geld irgendwo \"investiert\", dann auch automatisch in neue Sachanlagen investiert wird. Das ist aber keineswegs so. Das allermeiste dessen, was heute Investition oder Investment genannt wird, ist nur das Hin- und Herschieben von schon vorhandenem Sachkapital bzw. von Papieren, die dieses Kapital repräsentieren sollen. Wer aber so viel Zeit und Energie wie die modernen Banken darauf verwendet, Gewinn aus diesem Hin- und Herschieben zu schlagen, der hat einfach keine Möglichkeit mehr, Unternehmen zu suchen, die in reale Anlagen investieren würden.</p>\n<p>Das liegt aber nicht nur, wie viele vermuten werden, daran, dass unsere Politiker wieder einmal nicht kapieren, worum es geht. Es liegt auch sehr stark an der Ausrichtung der Volkswirtschaftslehre, die in den letzten dreißig Jahren die Effizienz der Allokation der Ressourcen über alles gestellt hat. Da die moderne Volkswirtschaftslehre über keine Theorie der wirtschaftlichen Entwicklung und der Investitionen verfügt (weil sie die Schumpeterianische Theorie angesichts mangelnder Formschönheit nicht zur Kenntnis genommen hat), ist aus ihrer Sicht die Verbesserung der Allokation die einzige Möglichkeit, den Wohlstand zu erhöhen, wenn nicht technologischer Fortschritt vom Himmel fällt.</p>\n<p>Deswegen hat sie auch die vollkommene Freiheit des Kapitalverkehrs, der Banken und anderer Finanzinstitutionen als entscheidend für wirtschaftlichen Erfolg angesehen. Sehr klar kommt das zum Beispiel in dem <a href=\"http://ec.europa.eu/economy_finance/publications/european_economy/2013/pdf/ee2_en.pdf\">Vorwort zum Ausdruck, das Marco Buti</a> (ein sicher sehr guter moderner Ökonom und Generaldirektor Wirtschaft und Finanzen bei der Europäischen Kommission) zur Frühjahrsprognose der Kommission schreibt: “Therefore, it is of the utmost importance to press ahead with the implementation of the Banking Union in order to overcome financial fragmentation as part of completing the architecture of EMU, facilitate structural adjustment and unlock domestic demand. By moving forward with the necessary reforms, the EU and the Member States can create the conditions for the improved financial market situation to feed through to growth in the real economy and set in motion virtuous circles between growth, declining debt levels and more stable financial conditions.”</p>\n<p>Man muss also nur den Finanzsektor reformieren, die Bankenunion voranbringen und schon wird das die Binnennachfrage, die eigentlich vorhanden ist, „freischalten“ oder entriegeln (to unlock). Klar, müsste man hinzufügen, weil man in dem allgemeinen Gleichgewichtsmodell, das Herr Buti im Hinterkopf hat, ja nur ein kleines hakendes institutionelles Teil (wie die sogenannte Bankenunion) einfügen oder ersetzen muss, um den Rest der Maschine ohne weiteres wieder ganz normal zum Laufen zu bringen. In der größten Krise der Investitionstätigkeit in Europa, die man sich denken kann, arbeitet der höchste dafür verantwortliche europäische Beamte mit einem Modell, in dem es eine solche Krise eigentlich gar nicht geben kann.</p>\n"}]}}]},"allDatoCmsEdition":{"edges":[]},"allDatoCmsSpotlight":{"edges":[]}},"pageContext":{"id":"DatoCmsArticle-9474560-de","edition":"","spotlight":""}},"staticQueryHashes":["1132069882","1534434256","1810303247","2076357383","2564995746","3939919066","4078341254","826177454"]}