{"componentChunkName":"component---src-templates-article-tsx","path":"/aufgelesen-bei-volker-wieland/","result":{"data":{"allDatoCmsArticle":{"edges":[{"node":{"id":"DatoCmsArticle-8887268-de","slug":"aufgelesen-bei-volker-wieland","articleType":"Normal","visibility":"Geschlossen","deactivateAudio":null,"authors":[{"id":"DatoCmsAuthor-5697487-de","slug":"heiner-flassbeck","name":"Heiner Flassbeck","description":"<p><strong>Heiner Flassbeck </strong>ist Mitbegr&uuml;nder von MAKROSKOP.<span> Er war Honorarprofessor an der Universit&auml;t Hamburg, Chef-Volkswirt der UNCTAD und Staatssekret&auml;r im BMF. Seine Hauptarbeitsgebiete sind die Globalisierung, die Theorie der wirtschaftlichen Entwicklung sowie Geld- und W&auml;hrungstheorie.</span></p>","shortDescription":"<p><strong>Heiner Flassbeck </strong>ist Mitbegr&uuml;nder von MAKROSKOP.<span> Er war Honorarprofessor an der Universit&auml;t Hamburg, Chef-Volkswirt der UNCTAD und Staatssekret&auml;r im BMF. 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Wenn die EZB etwa Anleihen aufkauft und damit die Geldmenge erhöht, dann führt das irgendwann zu Inflation. Und die kann die EZB nicht beliebig hochtreiben. Im Moment ist das kein Problem. Aber wenn wir einmal fünf oder sechs Prozent Inflation hätten, könnte die EZB eine solche Politik nicht mehr fortführen. Sie würde unter massiven öffentlichen Druck kommen, wenn sie ihr Mandat so klar verfehlen würde.“</p>\n<p>Ökonomen wollen einfach nicht lernen. <a href=\"http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/inflationsprognosen-eine-wette-auf-die-inflation-12010017-bg6.html\">Wir haben schon in unserem letzten Aufgelesen-Stück vor einigen Tagen darauf hingewiesen</a>, dass angesichts der deflationären Tendenzen im Euroraum einige Ökonomen ihren Titel zurückgeben müssten, weil sie unentwegt eine Inflation vorhersagen, die nicht kommen will. Volker Wieland sagt jetzt, „irgendwann“ werde es Inflation geben, wenn man die Geldmenge erhöht. Das kann man nicht ausschließen. Man kann aber nach diesen Worten ausschließen, dass dann, wenn eine Inflation kommt, sie etwas mit der Geldpolitik in einer relativ klar festgelegten Vorperiode zu tun hat.</p>\n<p>Wenn man seine wissenschaftliche Expertise selbst so weit herunterschraubt, dass man zu dem Ergebnis kommt, ein Ereignis (nach Wielands Auffassung die Expansion einer Geldmenge) werde „irgendwann“ danach zu einem anderen Ereignis, nämlich zu Inflation, führen, dann kann man den wissenschaftlichen Anspruch gleich aufgeben. Man tummelt sich dann nämlich auf dem Niveau von Thilo Sarrazin, der in der oben erwähnten Wette zu dem Ergebnis kommt: „Weiterhin gilt der Satz von Milton Friedman, dass Inflation stets ein monetäres Phänomen ist. Das Inflationspotential gleicht aber der Gewitterdrohung an einem schwülen Sommertag: Es bauen sich Spannungen auf, die irgendwann zur Entladung kommen und umso heftiger sind, je länger der Vorlauf ist. Aber die Stunde und den Ort der Entladung weiß man nicht im Vorhinein.“</p>\n<p>Wenn ein bekannter Meteorologe erklären würde, dass sich über Europa in den nächsten Tagen große Gewitterspannungen aufbauen, er wisse aber nicht, wo sie sich genau entladen, würde ihn jeder beim tatsächlichen Auftreten der Gewitter loben für seine Vorhersagekraft, weil jeder Mensch weiß, dass man den Ort und die Zeit nicht genau vorhersehen kann. Wenn aber nach der Vorhersage der Gewitterspannungen gar nichts passiert, wenn nicht einmal Wolken am Himmel erscheinen, würde man ihn zu Recht einen Scharlatan nennen. Und das würde man selbst dann weiter sagen, wenn es 14 Tage später tatsächlich zu Gewittern kommt, weil wiederum jeder vernünftige Mensch weiß, dass diese Gewitter nichts mit den angekündigten Spannungen zwei Wochen davor zu tun haben.</p>\n<p>In einem Artikel für Capital habe ich im Frühjahr 2012 geschrieben: „Zwar gibt es keine Geldmengenexpansion, die der Monetarismus in den Vordergrund einer solchen Vorhersage geschoben hätte, auch gibt es keinen belastbaren empirischen Zusammenhang zwischen einer Zinssenkungspolitik der Zentralbank und einer inflationären Beschleunigung, aber das tut dem Eifer des Ökonomen keinen Abbruch. Er besinnt sich einfach der historischen Tatsache, dass es noch niemals eine Inflation ohne eine Finanzierung durch die Geldpolitik gegeben hat und folgert daraus haarscharf, dass dauerndes Geldschaffen durch die Zentralbank nur in Inflation enden kann.</p>\n<p>Das aber ist ein schwerwiegender logischer Fehler. Hier wird eine von niemandem bestrittene <em>notwendige </em>Bedingung zur Entstehung von Inflation kurzerhand für <em>hinreichend </em>erklärt. Das ist so, als ob jemand behauptet, die Ursache für zu schnelles Fahren und die Unfälle, die sich daraus ergeben, sei in der Tatsache begründet, dass man den Fahrern ein Auto zur Verfügung gestellt hat. Das aber wird kein vernünftiger Mensch akzeptieren. Er wird zwar zugeben, dass die Existenz des Autos eine notwendige Bedingung für die Unfälle war. Er wird jedoch einwenden, dass die Existenz eines Autos nicht zwingend zu Unfällen führt, so dass es regelmäßig falsch oder irrelevant ist, zu sagen, es sei die Existenz des Autos gewesen, die für den Unfall verantwortlich war.</p>\n<p>So ist es mit dem Geld und der Inflation. Geld ist die notwendige, aber keineswegs die hinreichende Bedingung. Selbst wenn der Satz über die Finanzierung von Inflation richtig ist, folgt daraus nicht, dass immer dann, wenn es in irgendeinem Sinn »viel Geld« gibt (»zu viel Geld« ist keine sinnvolle Aussage, es ist eine Tautologie, also eine Aussage, die sich selbst bestätigt, weil sie nichts anderes zulässt, als den von ihr beschriebenen Zusammenhang), Inflation die Folge ist. Den Ökonomen ist es mit diesem Verstoß gegen einen zentralen Satz der Logik jedoch gelungen, der großen Mehrheit der Bürger weiszumachen, man müsse einfach mehr Geld ins System geben, und schon spränge die Inflation hinter dem nächsten Busch hervor.</p>\n<p>Inflation hat nämlich jenseits des monetaristischen Dogmas genau zwei Ursachen bzw. eine Kombination aus beiden: hohe Nachfrage und stark steigende Kosten. Beides können Zentralbanken initiieren, wenn es ihnen gelingt, die Nachfrage anzuregen und in deren Gefolge die Löhne stark steigen. Ohne diese beiden Faktoren gibt es keine Inflation. Die Weltwirtschaft ist aber davon unglaublich weit entfernt. Daher kann von Inflation nicht die Rede sein. Weil die herrschende Lehre der Ökonomen das Dogma der ausschließlich die Inflation steuernden Zentralbank jedoch für ihren ideologischen Überbau braucht, kann sie den populären Vorurteilen nicht entgegentreten. Stattdessen beklagt sie die Tatsache, dass die „unabhängige“ Zentralbank in politische Abhängigkeit gerät. Und da passt die Inflationsgefahr besser als jedes andere Thema, selbst wenn es dafür keinerlei sachliche Grundlage gibt.</p>\n<p>Die eigentlich relevante und empirisch hervorragend bestätigte Inflationstheorie, die zur Aufklärung einen riesigen Beitrag leisten würde, „darf“ der Mainstream-Ökonom nicht benutzen, weil sie zentrale Mythen in Frage stellen würde. Es lässt sich nämlich ohne weiteres zeigen, dass in allen modernen Volkswirtschaften in den letzten 60 bis 70 Jahren die Inflationsrate eindeutig und stabil von dem sog. Lohnstückkostenwachstum erklärt wird, also der Marge, um die der Zuwachs der gesamten Lohnkosten den der Arbeitsproduktivität übersteigt. In der Physik und jeder ernsthaften Wissenschaft würden die Forscher über einen solch stabilen Zusammenhang jubeln, weil er die Basis schafft für ein relevantes Modell, mit dem man gute Vorhersagen machen kann. Brechts Galilei sagt zu den Vertretern des herrschenden Dogmas: „Sie schauen einfach durch das Fernrohr und überzeugen sich“. Doch so einfach ist es in der Ökonomie nicht.</p>\n<p>Kein empirischer Zusammenhang wird mit größerer Konsequenz ignoriert als dieser. Würde man ihn zur Kenntnis nehmen, brächen nämlich gleich zwei zentrale Bausteine aus der herrschenden Ideologie heraus: der flexible und sich selbst regulierende Arbeitsmarkt und die unabhängige, nur der Preisstabilität verpflichtete Zentralbank. Wenn die Preise den Lohnstückkosten folgen, kann man mithilfe sinkender Löhne eben nicht zum Gleichgewicht am Arbeitsmarkt zurückfinden, sondern erzeugt Deflation. Wenn die Lohnstückkosten entscheidend für die Inflationsrate sind, braucht man die Notenbank nicht mehr systematisch und permanent zur Inflationskontrolle, was Tür und Tor öffnet für Wünsche der Politik, die Notenbank auch zur Stimulierung der Investitionstätigkeit einzusetzen. Beides muss aus der Sicht des herrschenden Ökonomen verhindert werden, weil es den Mythos der Selbststabilisierung des marktwirtschaftlichen Systems, das nur eines geldpolitischen Rahmens, nicht aber des Eingreifens des Staates bedarf, grundsätzlich fragwürdig macht.“</p>\n"}]}}]},"allDatoCmsEdition":{"edges":[]},"allDatoCmsSpotlight":{"edges":[]}},"pageContext":{"id":"DatoCmsArticle-8887268-de","edition":"","spotlight":""}},"staticQueryHashes":["1132069882","1534434256","1810303247","2076357383","2564995746","3939919066","4078341254","826177454"]}