{"componentChunkName":"component---src-templates-article-tsx","path":"/232026/rentenreform-der-demografische-stresstest/","result":{"data":{"allDatoCmsArticle":{"edges":[{"node":{"id":"DatoCmsArticle-On_j5RVjRcO1gQ3jTMrHIg-de","slug":"rentenreform-der-demografische-stresstest","articleType":"Normal","visibility":"Immer offen","deactivateAudio":false,"authors":[{"id":"DatoCmsAuthor-7812946-de","slug":"jan-priewe","name":"Jan Priewe","description":"<strong>Jan Priewe</strong> ist Professor für Volkswirtschaftslehre an der HTW Berlin von 1993 bis 2014, seitdem Senior Research Fellow beim Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) in der Hans-Böckler-Stiftung. Forschungsschwerpunkte in den letzten Jahren sind die Europäische Währungsunion und makroökonomische Aspekte der Entwicklungsökonomik.","shortDescription":"","picture":null,"books":[]}],"title":"Reformdebatte: Der demografische Stresstest","smallTitle":"Makroskop Science","publishDate":"2026-06-24T00:00:00+02:00","editDate":null,"seo":{"image":{"fixed":{"src":"https://www.datocms-assets.com/19658/1782291608-rentenpaket-debatte-edited.jpeg?auto=format&fit=crop&h=627&w=1200"}}},"image":{"title":null,"fluid":{"base64":"data:image/jpeg;base64,/9j/4AAQSkZJRgABAQAAAQABAAD/2wCEAAoHBwgHBgoUCAgLChURDhgQDg8NDhoVFR0YHRUZIhYfFiEmMSsjGh0qHRUeJDU9KC0vMjIyIiI4PTcwPDcxMi8BCgsLBQUFEAUFEC8cFhwvLy8vLy8vLy8vLy8vLy8vLy8vLy8vLy8vLy8vLy8vLy8vLy8vLy8vLy8vLy8vLy8vL//AABEIABIAGAMBIgACEQEDEQH/xAAYAAEAAwEAAAAAAAAAAAAAAAAABAUGA//EACUQAAAFAgYCAwAAAAAAAAAAAAABAgQFAyIGITFBUZEWoRESFf/EABUBAQEAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAC/8QAFBEBAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAP/aAAwDAQACEQMRAD8A0r2Lj6GH81EIrFlGVIkry1Fm/YN3WHD+tb2KuPhaSIvOtvyKSvHkNGKw0VxacgOrpk3RhovmttyADNNlK8cO4+wbqV+TqfYAAkyS1eOFcfYAAD//2Q==","aspectRatio":1.3333333333333333,"width":960,"height":720,"src":"https://www.datocms-assets.com/19658/1782291608-rentenpaket-debatte-edited.jpeg?auto=format","srcSet":"https://www.datocms-assets.com/19658/1782291608-rentenpaket-debatte-edited.jpeg?auto=format&dpr=0.21&w=960 200w,\nhttps://www.datocms-assets.com/19658/1782291608-rentenpaket-debatte-edited.jpeg?auto=format&dpr=0.42&w=960 400w,\nhttps://www.datocms-assets.com/19658/1782291608-rentenpaket-debatte-edited.jpeg?auto=format&dpr=0.84&w=960 800w,\nhttps://www.datocms-assets.com/19658/1782291608-rentenpaket-debatte-edited.jpeg?auto=format&dpr=1&w=960 960w","sizes":"(max-width: 800px) 100vw, 800px"},"customData":{}},"content":[{"__typename":"DatoCmsText","id":"DatoCmsText-JKYbhiTLTX6QGrmsF6V1mw-de","text":"<h3 class=\"MsoNormal\">Produktivitätswachstum kann vieles ausgleichen, aber nicht alles. Das Rentensystem steht vor Herausforderungen, die weder das Umlageverfahren noch die Kapitaldeckung allein lösen können. Eine Replik auf das MAKROSKOP-Rentenpaket.<span style=\"mso-ansi-language: DE;\"><o:p></o:p></span></h3>\n<p class=\"MsoNormal\">Das von <a href=\"https://www.datocms-assets.com/19658/1779807365-makroskop-rentenpaket.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">MAKROSKOP vorgelegte Rentenpaket</a> hat mich nicht überzeugt. Die Autoren argumentieren, das sogenannte Demografie-Problem begleite die gesetzliche Rentenversicherung seit mehr als einem Jahrhundert und habe ihre Funktionsfähigkeit bislang nicht grundlegend infrage gestellt. Zudem könne eine kapitalgedeckte Altersvorsorge die Herausforderungen des demografischen Wandels letztlich ebenfalls nicht lösen. Ob überhaupt von einem eigenständigen „Demografie-Problem“ gesprochen werden sollte, bleibt dabei offen.<o:p></o:p></p>\n<p class=\"MsoNormal\">Darüber hinaus kommen die Autoren zu dem Schluss, dass Umlageverfahren und kapitalgedeckte Systeme langfristig ähnlich leistungsfähig seien. Sie stützen sich dabei unter anderem auf die bekannte Aussage des Ökonomen Gerhard Mackenroth, wonach Renteneinkommen volkswirtschaftlich stets aus dem laufenden Volkseinkommen finanziert werden. Daraus leiten sie die These ab, dass es auf gesamtwirtschaftlicher Ebene letztlich „immer nur ein Umlageverfahren“ gebe.<o:p></o:p></p>\n<p class=\"MsoNormal\">Als entscheidenden Hebel für die Zukunftsfähigkeit der Alterssicherung identifiziert das Rentenpaket die Entwicklung der Arbeitsproduktivität. Steigende Produktivität könne demnach ein Rentenniveau von 64 Prozent bei einem Beitragssatz von bis zu 22 Prozent ermöglichen. Ergänzt um private oder betriebliche Vorsorge sei so ein Gesamtversorgungsniveau von rund 75 Prozent nach Steuern erreichbar.<o:p></o:p></p>\n<p class=\"MsoNormal\"><span style=\"mso-ansi-language: DE;\">Ich halte diese Analyse für unzureichend. Eine sinkende Relation von Beitragszahlern zu Rentenempfängern infolge des demografischen Wandels stellt den Sozialstaat sehr wohl vor erhebliche Herausforderungen. Ab einem bestimmten Punkt kann selbst ein kräftiges Produktivitätswachstum diesen Effekt nicht mehr vollständig kompensieren. Deshalb sollten auch andere Lösungsansätze ernsthaft geprüft werden. Kapitalgedeckte Verfahren können aus meiner Sicht mehr leisten, als ihnen im Rentenpaket zugetraut wird – auch wenn sie ihrerseits erhebliche Nachteile und Risiken aufweisen, die in der vorliegenden Analyse nur teilweise berücksichtigt werden.<o:p></o:p></span></p>\n<h3 class=\"MsoNormal\"><span style=\"mso-ansi-language: DE;\">Die Rolle der Arbeitsproduktivität<o:p></o:p></span></h3>\n<p class=\"MsoNormal\"><span style=\"mso-ansi-language: DE;\">Im deutschen System ist die durchschnittliche Rente der Lohnentwicklung angepasst: der sogenannte Eckrentner mit 45 Beitragsjahren und durchschnittlichem Verdienst erhält gemäß einer „Haltelinie“ einen festen Prozentsatz (h) des Durchschnittsentgelts der Beitragszahler. Bis 2031 gelten als Haltelinie 48 Prozent des Durchschnittsverdienstes. Dies ist das sogenannte Rentenniveau. Steigt die Produktivität, steigen die Durchschnittslöhne bei produktivitätsorientierter Lohnpolitik genauso, ebenso die Renten. Das Rentenniveau bleibt konstant, aber die absolute Höhe der Renten steigt. <o:p></o:p></span></p>\n<p class=\"MsoNormal\"><span style=\"mso-ansi-language: DE;\">Das Rentenniveau ist also unabhängig von der Produktivität. Steigen die Reallöhne langsamer oder schneller als die Produktivität, steigen auch die inflationsbereinigten Renten langsamer oder schneller als die Produktivität. <o:p></o:p></span></p>\n<p class=\"MsoNormal\">Wenn die Autoren das absolute Rentenniveau meinen, steigen die Renten natürlich je nach Lohnpolitik mit. In den meisten OECD-Ländern schwächt sich die Dynamik der Arbeitsproduktivität ab in Richtung ein Prozent pro Jahr. Dass Renten und Löhne nominal im Gleichschritt steigen ist ein Systemmerkmal und ein großer Vorteil des Umlageverfahren – nämlich Inflationssicherung und Generationengerechtigkeit.<o:p></o:p></p>\n<p class=\"MsoNormal\">Das Rentenniveau, also die Haltelinie, war früher höher als heute. Am höchsten war sie 1977 mit 59,8 Prozent. Die demografischen Veränderungen haben zu einer Absenkung geführt, die einen erheblichen Teil der Renten ins Armutsrisiko führen, das bei 60 Prozent des Medianlohns liegt, was bei Alleinlebenden etwa 1.300-1.400 Euro im Monat sind. Das Armutsrisiko wird vom DIW auf 17,5 Prozent aller Rentenbezieher der Rentenversicherung (RV) geschätzt. Wenn der Medianlohn produktivitätsbedingt steigt und damit die Eckrente (Standardrente bei 45 Versicherungsjahren), würde die Armutsquote nicht sinken. Im deutschen System müsste das Bürgergeld die Einkommenslücke schließen bzw. mindern – überwiegend vom Bundeshaushalt finanziert. <o:p></o:p></p>\n<h3 class=\"MsoNormal\">Das Demografie-Problem<o:p></o:p></h3>\n<p class=\"MsoNormal\">Die Autoren des „Renten-Pakets“ erwähnen, dass das Umlageverfahren schon über 100 Jahre alt ist und sich bewährt habe. Dabei wird jedoch übersehen, dass die demografische Alterung mit stark sinkendem Verhältnis von Beitragszahlern zu Rentnern (br) neu ist. Frühere Senkungen konnten durch höhere Beitragssätze oder geringere Haltelinien oder zusätzliche Unterstützung aus dem Bundeshaushalt abgefedert werden. <o:p></o:p></p>\n<p class=\"MsoNormal\">In Phasen einer demografischen Verjüngung ist die Rentenfinanzierung indessen einfach und günstig. Als viele zusätzliche Erwerbspersonen auf den Arbeitsmarkt (in Westdeutschland) strömten – Flüchtlinge in den 1950er Jahren, Erwerbsimmigration seit Mitte der 1960er Jahre, steigende Frauenerwerbstätigkeit, Babyboomer wurden erwachsen – stieg br. Die Demografie erleichterte die Rentenfinanzierung. Massenarbeitslosigkeit und nachlassendes Wirtschaftswachstum wirkten entgegengesetzt. Bis 2026 schrumpfte br auf 1,85, was durch eine wachsende Lohnsumme, sowohl durch Stundenlöhne als auch durch das steigende Arbeitsvolumen (Gesamtzahl der Arbeitsstunden), und damit durch die Summe der Beiträge teilweise kompensiert werden konnte. Man sieht schnell, es kommt nicht nur auf das Verhältnis der Beitragszahler zu Rentnern an, aber es ist eine zentrale Größe. <o:p></o:p></p>\n<p class=\"MsoNormal\">Das Umlageverfahren der Rentenversicherung beruht im strengen Sinn darauf, dass die Einnahmen aus Rentenbeiträgen die Ausgaben vollkommen decken.<a style=\"mso-footnote-id: ftn1;\" href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\" title=\"\"><span style=\"mso-special-character: footnote;\"><!-- [if !supportFootnotes]-->[1]</span><!--[endif]--></a> Die Summe der Rentenbeiträge hängt, wie erwähnt, nicht nur von der Summe der Beitragszahler ab. Weil das reine Umlageverfahren erhebliche sozialpolitische Probleme aufwirft, bedarf es zwingend der komplementären staatlichen Finanzierung von sogenannten beitragsfremden Leistungen. Die Beitragssumme macht derzeit 6,8 Prozent des BIP aus, der Bundeszuschuss 2,1 Prozent. Letzterer ist seit 1957, als unser Rentensystem eingeführt wurde, nahezu konstant geblieben. Ein „reines“ Umlageverfahren kann viele Probleme allein nicht lösen.<o:p></o:p></p>\n<p class=\"MsoNormal\">Gleichwohl ist die Rolle von sinkender br eine zentrale Größe, weil sie fünf Aspekte umfasst, wenn die Nettozuwanderung null ist: <o:p></o:p></p>\n<p class=\"MsoNormal\">a) sinkende Bevölkerungszahl, <o:p></o:p></p>\n<p class=\"MsoNormal\">b) sinkende Zahl der Erwerbstätigen (ergo langsameres Wachstum des Produktionspotenzials bei konstanter Arbeitsproduktivität, Arbeitskräfteknappheit), <o:p></o:p></p>\n<p class=\"MsoNormal\">c) steigender Anteil der Rentner an der Bevölkerung bei <o:p></o:p></p>\n<p class=\"MsoNormal\">d) längerer Rentenbezugsdauer wegen längerer Lebenserwartung, und <o:p></o:p></p>\n<p class=\"MsoNormal\">e) höhere Kosten für Gesundheit und Pflege bei den Älteren, wodurch zudem ein steigender Anteil von Erwerbstätigen absorbiert wird. <o:p></o:p></p>\n<p class=\"MsoNormal\">Bleibt die Geburtenrate dauerhaft unter 2,1 (derzeit etwa 1,3), sinkt die Bevölkerungszahl ohne Zuwanderung rapide, mathematisch Richtung null. Dies sind enorme Herausforderungen für jedwedes Alterssicherungssystem, das zunehmend mehr Umverteilung zugunsten der Älteren gewährleisten muss.</p>\n<h3 class=\"MsoNormal\">Kapitaldeckungssystem und Umlageverfahren: gleichwertig oder ähnlich?<o:p></o:p></h3>\n<p class=\"MsoNormal\">Schauen wir zunächst auf einen Arbeitnehmer A., der mit 25 Jahren ins Erwerbsleben eintritt, 3.000 Euro im Monat (inkl. SV-Beiträge des Arbeitgebers) verdient, 42 Jahre ohne Unterbrechung Rentenbeiträge in einzahlt, und – inflationsbereinigt – jährlich 1 Prozent mehr Einkommen bekommt.<o:p></o:p></p>\n<p class=\"MsoNormal\">Vergleichen wir A. mit einer Selbständigen B. mit gleichem Bruttoeinkommen, die anstelle der Rentenversicherungsbeiträge für eine kapitalgedeckte Rente spart. Beide gehen mit 67 in Rente und beziehen dann bis zum Alter von 87 Jahren ihre RV-Rente bzw. ihre kapitalgedeckte Rente, die am Ende des Lebens aufgezehrt ist. <o:p></o:p></p>\n<p class=\"MsoNormal\">A. wird inflationsbereinigt, also in heutigen Preisen, monatlich etwa 1.613 Euro netto (nach Abzug der KV- und PV-Beiträge), aber vor Steuern bekommen. B. legt ihre Ersparnisse in Höhe der Rentenbeiträge von A. in DAX-Aktienfonds an, die sich 3 Prozent real p.a. verzinsen. Im Alter von 60 Jahren sattelt sie um auf Staatsanleihen mit 1 Prozent realer Verzinsung. Mit 67 zahlt sie Abgeltungssteuer auf den Gewinnanteil ihres Vermögens, ferner – so wie A. – Beiträge zur KV und PV. Danach hat sie etwa 2.114 Euro monatlich, 31 Prozent mehr als A.. <o:p></o:p></p>\n<p class=\"MsoNormal\">Hätte sie eine reale Verzinsung von 4 statt 3 Prozent, wie es dem langfristigen Durchschnitt der DAX-Rendite entspricht, hätte sie eine wesentlich höhere monatliche Kapitalrente. Wenn keine Kapitalmarktrisiken auftreten, die größer sind als in der Vergangenheit, zeigt sich das Kapitaldeckungsverfahren dem Umlageverfahren überlegen, jedenfalls wenn wir persönliche Risiken wie Arbeitslosigkeit oder Krankheit ausklammern.<o:p></o:p></p>\n<p class=\"MsoNormal\">Aber der Vergleich trügt noch aus einem anderen Grund. Für einen einzelnen Kapitalanleger mag die Rechnung so sein wie dargestellt. Wenn aber 33 Millionen Beitragszahler auf Kapitaldeckung umstellen würden, muss man komplexe makroökonomische Wirkungen beachten. Beim Umlageverfahren werden die Rentenbeiträge eingesammelt, sofort an die Rentner weitergeleitet und dort weitgehend oder vollständig für Wohnung und Konsum ausgegeben. Das sind derzeit fast 9 Prozent des BIP. <o:p></o:p></p>\n<p class=\"MsoNormal\">Wird der gleiche Betrag gespart und Aktien nur insoweit von Rentnern an Aktiensparer verkauft, wie sie sie zum Konsum brauchen, dann hat dies Auswirkungen auf die volkswirtschaftliche Sparquote und die Güternachfrage. So entsteht auch ein permanenter Druck auf die Aktienkurse nach oben, wodurch – neben anderen Gründen – die hohe Rendite gestützt wird. Nur ein geringer Teil der Einnahmen aus Aktienverkäufen an die jüngeren Aktiensparer wird investiv für reale Anlageinvestitionen verwendet (meist nur bei Emission neuer Aktien). <o:p></o:p></p>\n<p class=\"MsoNormal\">Der Übergang zum Kapitaldeckungsverfahren könnte auch zu starken Steigerungen der Aktienkurse führen, die größere Volatilität an der Börse mit Rückschlagrisiko erzeugt. Ein erheblicher Teil der Aktienkäufe fließt auch in die globalen Zentren der Finanzmärkte, vor allem in die USA. Dieser Kapitalexport kann Leistungsbilanzüberschüsse erzeugen, die in den Niederlanden bereits sehr ausgeprägt sind.<o:p></o:p></p>\n<p class=\"MsoNormal\">Da niemand den vollständigen Übergang vom Umlageverfahren auf das Kapitaldeckungsverfahren in Deutschland fordert, prüfen wir die Option, wie sie der Bundeskanzler kürzlich forderte: Rente nach Umlageverfahren als Basisrente, private Vorsorge qua Kapitalrente als Ergänzung. <o:p></o:p></p>\n<p class=\"MsoNormal\">Für private Haushalte oberhalb des Medianeinkommens dürfte dies längst die Regel sein. Unterhalb des Medianeinkommens, das nach Abzug der Sozialbeiträge bei 3.500 Euro liegt, nach Steuern in Steuerklasse 1 bei rund 3.000 Euro, wird sehr wenig gespart. Will man die spätere Rente um 1.000 Euro in heutiger Kaufkraft erhöhen und die Abschlagssteuer auf Gewinne berücksichtigen, muss man rund 208 Euro pro Monat sparen. Wobei unterstellt ist, dass die Sparrate jährlich mit dem Einkommen um ein Prozent real steigt. <o:p></o:p></p>\n<p class=\"MsoNormal\">Bei Haushalten bzw. Personen deutlich unterhalb des Medianeinkommens, erst recht bei Teilzeit-Beschäftigten, ist das kaum zu stemmen. Rechnet man mit dem weithin empfohlenen Sparschema 50:30:20, dann ist wenig Luft für Aktiensparen: 50 Prozent für die Grundbedürfnisse (inklusive Miete), 30 Prozent für besondere Wünsche (Auto, Urlaub, Kultur) und 20 Prozent für Notgroschen (3 Monatsgehälter) und Altersvorsorge. <span style=\"mso-spacerun: yes;\">&nbsp;</span><o:p></o:p></p>\n<p class=\"MsoNormal\">Das Hauptargument gegen den Vorschlag des Bundeskanzlers ist aber ein ganz anderes. Eine kapitalgedeckte Altersvorsorge ist nur sinnvoll, wenn man über einen sehr langen Zeitraum monatlich eine bestimmte Summe spart, und zudem eine gute Auswahl für die Anlage trifft. Man muss also zu Beginn der Erwerbstätigkeit anfangen, damit man in 45 Jahren eine Zusatzrente bekommt. Für diejenigen, die in den Jahren des großen demografischen Umbruchs bis etwa 2040 in Rente gehen, wäre die Zusatzrente ein Winzling.<o:p></o:p></p>\n<p class=\"MsoNormal\">Beide Rentensysteme, Umlageverfahren und Kapitaldeckung, entsprechen dem Mackenrothschen Gesetz: die Alterseinkünfte müssen aus dem laufenden Volkseinkommen der jeweiligen Periode erwirtschaftet werden (sieht man von Wohnungen mit langer Lebensdauer ab). Beim Umlageverfahren leuchtet das unmittelbar ein, bei der Kapitaldeckung erfolgt der Konsum erst, wenn das angesparte Vermögen peu à peu verkauft wird. <o:p></o:p></p>\n<p class=\"MsoNormal\">Der Vermögenszuwachs in der langen Ansparphase beruht nicht auf Wertschöpfung, soweit er aus Zins und Zinseszins resultiert (Aktienvermögen und dessen Zuwachs tauchen nicht in der Berechnung des Bruttoinlandsprodukts bzw. des Volkseinkommens auf). Erst wenn das Vermögen für den Kauf von Gütern und Dienstleistungen ausgegeben wird, entsteht die Wertschöpfung bei den Erzeugern der Güter und Dienstleistungen. In diesem Punkt liegt das „MAKROSKOP-Rentenpaket“ völlig richtig. Das führt aber nicht zu einer Gleichsetzung der beiden Systeme. Für die unteren Einkommensschichten bleibt nur eine deutlich bessere Rente im Umlageverfahren. <o:p></o:p></p>\n<h3 class=\"MsoNormal\">Erhöhung des Rentenniveaus auf 64 Prozent?<o:p></o:p></h3>\n<p class=\"MsoNormal\">Die im Renten-Paket von MAKROSKOP vorgeschlagene Rentenniveauerhöhung auf 64 Prozent des Durchschnittsverdienstes und die Erhöhung des Gesamtversorgungsniveaus auf 75 Prozent ist gut gemeint und sehr ambitioniert, aber rechtlich und auch ökonomisch kaum möglich – jedenfalls nicht kurz- oder mittelfristig. <o:p></o:p></p>\n<p class=\"MsoNormal\">64 Prozent beziehen sich in der vorgelegten Schätzung auf die Bruttorente des Eckrentners; davon werden (für das Jahr 2025) KV- und PV-Abgaben abgezogen, was vor Steuern zu einer Rente von 2.041 Euro führen würde. Finanziert werden soll dies <o:p></o:p></p>\n<p class=\"MsoNormal\">a) durch Lohnerhöhung in Höhe der Produktivitätssteigerung, <o:p></o:p></p>\n<p class=\"MsoNormal\">b) durch Anhebung des Beitragssatzes von derzeit 18,6 auf bis zu 22 Prozent, <o:p></o:p></p>\n<p class=\"MsoNormal\">c) durch Erweiterung des Umlageverfahrens auf alle Erwerbstätigen statt nur die Arbeitnehmer und <o:p></o:p></p>\n<p class=\"MsoNormal\">d) durch einen höheren Bundeszuschuss. <o:p></o:p></p>\n<p class=\"MsoNormal\">Die Autoren führen an, dass die Löhne seit den 1980er Jahren hinter der Produktivität zurückbleiben, so dass die Rückkehr zu produktivitätsorientierten Lohnzuwächsen das absolute Rentenniveau erhöhen würde. Jedoch war die Entwicklung differenzierter. In den 1980er Jahren gab es noch tendenziell den Gleichlauf in Westdeutschland, nach der Vereinigung setzte nach einem anfänglichem Lohn-Boom eine Lohnbremse ein, die in den Nullerjahren verstärkt wurde. Nach der Finanzkrise konnte man zum Gleichlauf zurückkehren, bis die Pandemie und ungünstige Weltmarktpreise (negative Terms of Trade) die Lohndynamik erneut bremsten. Selbst wenn die Löhne jetzt kräftig stiegen, würden die Renten folgen, sodass die relative Rentenhöhe nicht verändert würde. <o:p></o:p></p>\n<p class=\"MsoNormal\">Eine Beitragserhöhung würde nach Ansicht des Bundesrechnungshofes infolge einer Gesetzesänderung in 2025 als Lohndämpfung interpretiert und das Rentenniveau sogar sinken lassen.<a style=\"mso-footnote-id: ftn2;\" href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\" title=\"\"><span style=\"mso-special-character: footnote;\"><!-- [if !supportFootnotes]-->[2]</span><!--[endif]--></a> Auch wenn der Rechnungshof nicht Recht haben sollte, würde die Beitragserhöhung um 3,4 Prozentpunkte sicherlich teilweise zulasten der Nettolöhne gehen. <o:p></o:p></p>\n<p class=\"MsoNormal\">Dann bliebe der an sich sehr vernünftige Übergang zur Erwerbstätigenrente, der allerdings nur schrittweise erfolgen kann. Die Gesamtversorgungsrente auf 75 Prozent hochzuhieven, soll durch Betriebsrenten und private Vorsorge geschehen, wie von Friedrich Merz und vielen anderen gefordert – allerdings für alle Arbeitnehmer. Die unteren Einkommensgruppen werden das nicht schaffen können. Ein Ausbau der Betriebsrenten wäre sinnvoll, wird aber nur bei jüngeren Erwerbstätigen substanzielle Verbesserung bringen, wenn sie das Rentenalter erreichen. Dann bliebe nur ein höherer Bundeszuschuss, der durch höhere Steuern oder geringere Ausgaben finanziert werde muss. <o:p></o:p></p>\n<p class=\"MsoNormal\">Im internationalen Vergleich gibt es einige Modelle der Alterssicherung, die deutlich besser als das deutsche sind.<a style=\"mso-footnote-id: ftn3;\" href=\"#_ftn3\" name=\"_ftnref3\" title=\"\"><span style=\"mso-special-character: footnote;\"><!-- [if !supportFootnotes]-->[3]</span><!--[endif]--></a> Nirgendwo ist das Umlageverfahren ausgeprägter als in Österreich. Hier liegen die Nettorenten bei 87 Prozent des letzten Nettoeinkommens. Nahezu alle Erwerbstätigen zahlen Beiträge in Höhe von 22,8 Prozent (aber es gibt keine Pflegeversicherung). Über 14 Prozent des BIP gehen in die Alterssicherung. Betriebliche und private Systeme der Altersvorsorge spielen keine große Rolle.<a style=\"mso-footnote-id: ftn4;\" href=\"#_ftn4\" name=\"_ftnref4\" title=\"\"><span style=\"mso-special-character: footnote;\"><!-- [if !supportFootnotes]-->[4]</span><!--[endif]--></a><o:p></o:p></p>\n<p class=\"MsoNormal\">In den Niederlanden wird ein Rekord-Rentenniveau von 97 Prozent erreicht, das auf einer niedrigen Grundrente für alle nach dem Umlageverfahren beruht und sich an 70 Prozent des Mindestlohns orientiert; wichtiger ist jedoch das System der quasi-obligatorischen kapitalgedeckten Betriebsrenten – die Beiträge werden als Lohnkosten betrachtet und tariflich verhandelt. Für den Median-Vollzeitbeschäftigten machen sie etwa 20 Prozent des Bruttolohns aus, wovon der Arbeitnehmer ein Drittel trägt. Die Verwaltungskosten sind extrem niedrig. Die holländischen Nettolöhne beim Median-Gehaltsempfänger (vollzeit) sind etwas höher als in Deutschland. Private Vorsorge spielt eine geringe Rolle. <o:p></o:p></p>\n<p class=\"MsoNormal\">Mein Vorschlag wäre, die Erbschaftssteuer zu erhöhen und zur Finanzierung des demografischen Wandels heranzuzuziehen. Oder die Vermögensteuer von 1997 in veränderter Form zum Leben zu erwecken. Aber auch innerhalb des jetzigen Rentensystems lässt sich zugunsten der niedrigen Renten umverteilen.<a style=\"mso-footnote-id: ftn5;\" href=\"#_ftn5\" name=\"_ftnref5\" title=\"\"><span style=\"mso-special-character: footnote;\"><!-- [if !supportFootnotes]-->[5]</span><!--[endif]--></a> Dazu könnte auch gehören, „Armutsrenten“ aufzustocken zulasten hoher Renten bzw. Renten von Personengruppen mit überdurchschnittlicher Lebenserwartung. Betriebsrenten – ähnlich wie in Holland – als zweite Säule wären sinnvoll, aber bedürften gesetzlicher Grundlagen und können nur langfristig entsprechend der Einzahlungsdauer wirksam werden. <o:p></o:p></p>\n<p class=\"MsoNormal\">-----</p>\n<div style=\"mso-element: footnote;\" id=\"ftn1\">\n<h6 class=\"MsoFootnoteText\"><a style=\"mso-footnote-id: ftn1;\" href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\" title=\"\"><span style=\"mso-special-character: footnote;\"><!-- [if !supportFootnotes]-->[1]</span><!--[endif]--></a> F.Helmedag (2024): Das Umlageverfahren: Idee und Wirklichkeit. Wirtschaftsdienst, Heft 2, S.92-97</h6>\n</div>\n<h6 class=\"MsoFootnoteText\"><a style=\"mso-footnote-id: ftn2;\" href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\" title=\"\"><span style=\"mso-special-character: footnote;\"><!-- [if !supportFootnotes]-->[2]</span><!--[endif]--></a> Bundesrechnungshof: Bericht nach § 88 Absatz 2 BHO an das Bundesministerium für Arbeit und Soziales. Finanzielle Entwicklung der gesetzlichen Rentenversicherung – Auswirkungen der neuen Rentenanpassungsformel, 23. Mai 2025 Geschäftszeichen: IX 2 – 0003011.</h6>\n<h6 class=\"MsoFootnoteText\"><span style=\"mso-special-character: footnote;\"><!-- [if !supportFootnotes]-->[3]</span><!--[endif]--> EcoAustria (2024): <a href=\"https://ecoaustria.ac.at/wp-content/uploads/2024/09/Pensionsystems_in-Europe.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Pension systems in Europe: challenges and best practices</a>.</h6>\n<h6 class=\"MsoFootnoteText\"><a style=\"mso-footnote-id: ftn3;\" href=\"#_ftnref3\" name=\"_ftn3\" title=\"\"></a><a style=\"mso-footnote-id: ftn4;\" href=\"#_ftnref4\" name=\"_ftn4\" title=\"\"><span style=\"mso-special-character: footnote;\"><!-- [if !supportFootnotes]-->[4]</span><!--[endif]--></a> F. Blank, C. Logeay, E. Türk, J. Wöss, R. Zwiener (2021): Renten in Deutschland und Österreich - Fragen und Antworten. WSI Policy Brief Nr. 64, Düsseldorf<o:p></o:p></h6>\n<h6 id=\"ftn4\"></h6>\n<div style=\"mso-element: footnote;\" id=\"ftn5\">\n<h6 class=\"MsoFootnoteText\"><a style=\"mso-footnote-id: ftn5;\" href=\"#_ftnref5\" name=\"_ftn5\" title=\"\"><span style=\"mso-special-character: footnote;\"><!-- [if !supportFootnotes]-->[5] </span><!--[endif]--></a>F.Helmedag, a.a.O.</h6>\n</div>"},{"__typename":"DatoCmsRelatedArticlesBox","id":"DatoCmsRelatedArticlesBox-brK98ckESMGMrcd_9m5Y7Q-de","articles":[{"title":"Reformdebatte: Falsche Richtung, falscher Tritt","publishDate":"2026-06-24T00:00:00+02:00","id":"DatoCmsArticle-EsXK840KQjKBR6o1raeMxQ-de","slug":"reformdebatte-falsche-richtung-falscher-tritt","articleType":"Normal","authors":[{"name":"Hartmut 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