{"componentChunkName":"component---src-templates-article-tsx","path":"/212026/baerbock-arroganz-ersetzt-keine-diplomatie/","result":{"data":{"allDatoCmsArticle":{"edges":[{"node":{"id":"DatoCmsArticle-BC8i6rADQQmki6UigaaVcg-de","slug":"baerbock-arroganz-ersetzt-keine-diplomatie","articleType":"Normal","visibility":"Immer offen","deactivateAudio":false,"authors":[{"id":"DatoCmsAuthor-EYLTzt7qQneT7i9IyMD-Eg-de","slug":"markus-knauff","name":"Markus Knauff","description":"<p><strong>Markus Knauff</strong> ist Inhaber des Lehrstuhls f&uuml;r Allgemeine Psychologie und Kognitionsforschung an der Justus-Liebig-Universit&auml;t Gie&szlig;en. Seine Forschung konzentriert sich auf menschliche Rationalit&auml;t, insbesondere auf vern&uuml;nftiges Denken und Entscheiden. Er leitete ein Schwerpunktprogramm der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG), war mehrfach Gastprofessor an der University of California in Santa Barbara (UCSB) und gab ein umfassendes <a href=\"https://doi.org/10.7551/mitpress/11252.001.0001\">Handbuch zur Rationalit&auml;t bei MIT Press</a> heraus.</p>","shortDescription":"<p><strong>Markus Knauff</strong> ist Inhaber des Lehrstuhls f&uuml;r Allgemeine Psychologie und Kognitionsforschung an der Justus-Liebig-Universit&auml;t Gie&szlig;en. 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Es ist ein Indikator daf&uuml;r, wie Deutschland in der Welt inzwischen wahrgenommen wird.<o:p></o:p></span></h3>\n<p class=\"MsoNormal\"><span style=\"mso-fareast-language: DE;\">Vor gut einem Jahr sicherte sich Annalena Baerbock mit einem umstrittenen politischen Man&ouml;ver die Pr&auml;sidentschaft der UN-Generalversammlung. Die erfahrene Diplomatin Helga Schmid, urspr&uuml;nglich f&uuml;r das Amt im Gespr&auml;ch und international hoch angesehen, wurde nicht nominiert. Schon damals stellte sich die Frage, welches Signal von diesem Vorgang ausgeht. Heute, nach Deutschlands Niederlage bei der Wahl zum UN-Sicherheitsrat, stellt sich diese Frage umso dringlicher.<o:p></o:p></span></p>\n<p class=\"MsoNormal\"><span style=\"mso-fareast-language: DE;\">Manchmal sagen Niederlagen mehr &uuml;ber ein Land aus als Erfolge. Das Scheitern Deutschlands bei der Wahl zum Sicherheitsrat ist mehr als eine diplomatische Schlappe. Es ist ein Indikator daf&uuml;r, wie Deutschland in der Welt inzwischen wahrgenommen wird.<o:p></o:p></span></p>\n<p class=\"MsoNormal\"><span style=\"mso-fareast-language: DE;\">Au&szlig;enminister Johann Wadephul erkl&auml;rte die Niederlage unter anderen durch m&ouml;gliche Gegenmobilisierung und mit Deutschlands au&szlig;enpolitischen Positionen im Nahostkonflikt. </span>Die Bundesregierung habe f&uuml;r ihre Haltung einen diplomatischen Preis bezahlt, lautete die Botschaft. Damit sollte wohl der Eindruck entstehen, Deutschland sei gewisserma&szlig;en Opfer seiner moralischen Konsequenz geworden. Doch das scheint allenfalls die halbe Wahrheit zu sein.<span style=\"mso-fareast-language: DE;\"><o:p></o:p></span></p>\n<p class=\"MsoNormal\"><span style=\"mso-fareast-language: DE;\">Denn es gibt Hinweise darauf, dass nicht nur politische Positionen, sondern auch der diplomatische Stil der vergangenen Jahre zu Deutschlands schwacher Unterst&uuml;tzung beigetragen haben k&ouml;nnte. Besonders deutliche Worte fand nach Medienberichten der ehemalige Pr&auml;sident Botswanas, Mokgweetsi Masisi. Am Rande eines Treffens afrikanischer Spitzenpolitiker soll er Baerbock ungew&ouml;hnlich scharf kritisiert haben. Sie h&auml;tte sich besser auf ihre Arbeit als deutsche Au&szlig;enministerin konzentrieren sollen, statt Nigerianern vorzuschreiben, wo sie ihre Toiletten bauen sollten, oder Afrikanern zu erkl&auml;ren, wie sie mit Elefanten umzugehen h&auml;tten. Masisi soll dabei von einem &bdquo;herablassenden und respektlosen Verhalten&ldquo; Deutschlands gesprochen haben.<o:p></o:p></span></p>\n<p class=\"MsoNormal\"><span style=\"mso-fareast-language: DE;\">Solche Stimmen sollte man ernst nehmen. Denn sie stammen, sofern sie in den Medien korrekt wiedergegeben wurde, nicht von einem politischen Gegner in Berlin, sondern von einem ehemaligen Staatsoberhaupt eines Kontinents, dessen Stimmen Deutschland dringend ben&ouml;tigte. Seine Worte verweisen auf ein Problem, das bereits die deutsche Au&szlig;enpolitik unter Baerbock immer wieder begleitet hat: die Neigung, moralische &Uuml;berlegenheit mit diplomatischer &Uuml;berzeugungskraft zu verwechseln.<o:p></o:p></span></p>\n<p class=\"MsoNormal\"><span style=\"mso-fareast-language: DE;\">Annalena Baerbock hat ihre Amtszeit als Au&szlig;enministerin mit dem Anspruch verbunden, eine wertegeleitete Au&szlig;enpolitik zu vertreten. Daran ist zun&auml;chst nichts auszusetzen. Au&szlig;enpolitik braucht Werte. Aber es stellte sich schon damals die Frage, wessen Werte das sein sollten. Zudem ersetzen Werte kein diplomatisches Geschick. Und vor allem ersetzen sie nicht die F&auml;higkeit, auch die eigenen Positionen zu hinterfragen.<o:p></o:p></span></p>\n<p class=\"MsoNormal\"><span style=\"mso-fareast-language: DE;\">Genau daran scheint es nun wieder gefehlt zu haben. Wer Baerbocks &ouml;ffentliche Auftritte &uuml;ber Jahre verfolgt hat, konnte h&auml;ufig den Eindruck gewinnen, dass sie Diplomatie mit moralischer Unterweisung verwechselt. Kaum eine Gelegenheit wurde ausgelassen, anderen Staaten Lektionen &uuml;ber Werte, Verantwortung und die richtige Haltung zu erteilen. Der Ton war oft der einer Lehrerin, nicht der einer Diplomatin.<o:p></o:p></span></p>\n<p class=\"MsoNormal\"><span style=\"mso-fareast-language: DE;\">Besonders problematisch ist eine solche Haltung gegen&uuml;ber L&auml;ndern des Globalen S&uuml;dens. Dort erwartet man keine Vortr&auml;ge und Belehrungen, sondern Respekt und Zusammenarbeit auf Augenh&ouml;he. Wer anderen st&auml;ndig erkl&auml;rt, was sie zu tun und zu lassen haben, darf sich nicht wundern, wenn dies als &Uuml;berheblichkeit wahrgenommen wird. Viele Staaten wollen Partner sein, keine Sch&uuml;ler. <o:p></o:p></span></p>\n<p class=\"MsoNormal\">Die Psychologie nennt das Overconfidence &ndash; die Tendenz, die eigene Urteilskraft zu &uuml;bersch&auml;tzen und Kritik vor allem bei den anderen zu verorten. Wer von der moralischen Richtigkeit der eigenen Position &uuml;berzeugt ist, untersch&auml;tzt leicht, wie der eigene Ton auf andere wirkt. Ablehnung wird dann nicht als Anlass zur Selbstreflexion verstanden, sondern als Beleg daf&uuml;r, dass die anderen falsch liegen oder es noch nicht verstanden haben. Aus &Uuml;berzeugung wird Selbstgewissheit, aus Selbstgewissheit dann Belehrung.<o:p></o:p></p>\n<p class=\"MsoNormal\">Auf der anderen Seite kommt dann ein weiterer Mechanismus hinzu, den die Psychologie als Reaktanz bezeichnet. Menschen reagieren oft mit Widerstand, wenn sie den Eindruck haben, bevormundet zu werden. Das gilt nicht nur f&uuml;r Individuen, sondern auch f&uuml;r Staaten. Wer anderen st&auml;ndig erkl&auml;rt, was sie zu tun haben, provoziert leicht genau die Ablehnung, die er eigentlich &uuml;berwinden m&ouml;chte. Selbst gut gemeinte Botschaften verlieren ihre Wirkung, wenn sie als Ausdruck vermeintlicher &Uuml;berlegenheit wahrgenommen werden. Wahrscheinlich hat auch das beim Wahlverhalten gegen Deutschland in der UN eine Rolle gespielt.<o:p></o:p></p>\n<p class=\"MsoNormal\"><span style=\"mso-fareast-language: DE;\">Wer st&auml;ndig erkl&auml;rt, warum er recht hat, aber immer seltener erlebt, dass andere zustimmen, sollte also ernsthaft &uuml;ber sich selbst und den eigenen Stil nachdenken. Deutschlands Niederlage im Sicherheitsrat ist deshalb mehr als ein verlorener Wahlgang. Sie ist eine Erinnerung daran, dass man Partner nicht gewinnt, indem man sie belehrt, sondern indem man sie respektiert. </span>Vielleicht liegt hierin die eigentliche Lehre nicht nur dieser Wahlschlappe: Die Welt wartet nicht auf deutsche <em>Erzieher*innen</em>.<o:p></o:p></p>"}]}}]},"allDatoCmsEdition":{"edges":[{"node":{"label":"21/2026","slug":"212026","sections":[{"category":{"name":"Wirtschaft","color":""},"articles":[{"id":"DatoCmsArticle-E9Khq1FoQhe2VwZhp_nQMg-de","title":"Zinserhöhung in der Rezession – die Europäer sind verrückt","slug":"zinserhohung-in-der-rezession-die-europaer-sind-verruckt","visibility":"Immer offen","authors":[{"name":"Heiner Flassbeck","slug":"heiner-flassbeck"}]},{"id":"DatoCmsArticle-KcVqRY8rRtOZ-_nuDUn3UQ-de","title":"Amerikas Finanzpolitik außer Rand und Band – 2","slug":"amerikas-finanzpolitik-ausser-rand-und-band-2","visibility":"Immer offen","authors":[{"name":"Jörg Bibow","slug":"joerg-bibow"}]}]},{"category":{"name":"Geld","color":"Burgundy"},"articles":[{"id":"DatoCmsArticle-Dx1sihGSR0ylgMcbykCLZg-de","title":"Nicht die Märkte bestimmen den Zins","slug":"nicht-die-markte-bestimmen-den-zins","visibility":"Immer offen","authors":[{"name":"Dirk Bezemer","slug":"dirk-bezemer"}]}]},{"category":{"name":"Demokratie & Staat","color":"Purple"},"articles":[{"id":"DatoCmsArticle-BC8i6rADQQmki6UigaaVcg-de","title":"Baerbock: Arroganz ersetzt keine Diplomatie","slug":"baerbock-arroganz-ersetzt-keine-diplomatie","visibility":"Immer offen","authors":[{"name":"Markus Knauff","slug":"markus-knauff"}]},{"id":"DatoCmsArticle-IXIn4pCjS7SVtlvIGindkA-de","title":"Privatisierter Sozialstaat: Macht nicht die gleichen Fehler wie Schweden!","slug":"privatisierter-sozialstaat-macht-nicht-die-gleichen-fehler-wie-schweden","visibility":"Immer offen","authors":[{"name":"Gustaf Lantz","slug":"gustaf-lantz"}]}]},{"category":{"name":"Geist & Gesellschaft","color":"HippieBlue"},"articles":[{"id":"DatoCmsArticle-FKEaGYgDQbWM_BfwkQGHHQ-de","title":"Das Ende der Massenarbeitslosigkeit","slug":"das-ende-der-massenarbeitslosigkeit","visibility":"Immer offen","authors":[{"name":"Alfred Kleinknecht","slug":"alfred-kleinknecht"}]}]},{"category":{"name":"EUROpa","color":"ToreaBlue"},"articles":[{"id":"DatoCmsArticle-M8PcTaxqQGaghv77K0JSSg-de","title":"Kompetenz und Widerspruch","slug":"kompetenz-und-widerspruch","visibility":"Immer offen","authors":[{"name":"Martin Sonneborn","slug":"martin-sonneborn"}]}]},{"category":{"name":"Hauspost","color":""},"articles":[{"id":"DatoCmsArticle-Otrp21j6T-WXSulsv4eGpg-de","title":"Unser Rentenpaket: Paketboten gesucht!","slug":"rentenpaket-paketboten-gesucht","visibility":"Immer offen","authors":[{"name":"der Redaktion","slug":"redaktion"}]},{"id":"DatoCmsArticle-FqJvMAyiTTCju-5_Kb-FvQ-de","title":"Für eine Neue Ökonomik – Steve Keen rechnet ab","slug":"fur-eine-neue-okonomik-steve-keen-rechnet-ab","visibility":"Immer offen","authors":[{"name":"der Redaktion","slug":"redaktion"}]}]}]}}]},"allDatoCmsSpotlight":{"edges":[]}},"pageContext":{"id":"DatoCmsArticle-BC8i6rADQQmki6UigaaVcg-de","edition":"DatoCmsEdition-VtpT3zz3TQqTwsCDDhB2dQ-de","spotlight":""}},"staticQueryHashes":["1132069882","1534434256","1810303247","2076357383","2564995746","3939919066","4078341254","826177454"]}